Archiv für Dezember 2007

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Was haben Datenüberwacher und Zuhälter gemeinsam?

Dass die sogenannten Christlichsozialen Parteien längst die Primärtugenden im eitrigen Arsche der Wirtschaftsanarchie entsorgt haben, darf als soweit bekannt vorausgesetzt werden. Neu allerdings ist, dass nun auch die persönlichliche Sicherheit zur Senkgrube umfunktioniert worden ist. Diese, in witrschaftlichen Belangen längst neutralisiert –  das Recht auf Überleben ist zugunsten unserer lieben Großunternehmer abgeschafft und durch Flexibilität ersetzt worden – feiert als Vorwand, noch den Rest an Grundrechten zu eliminieren, fröhliche Urständ. Sie, die leere Grube, ist einfach mit einem anderen Inhalt (Law-and Order- Jauche) gefüllt worden! Nun dient sie als Vorwand für Datenüberwacher, unsere letzten Geheimnisse und Intimität auf die Straße zu zerren.

Datenschutz ist ein zaaches Thema, weil: wir haben keine Geheimnisse mehr, und die anderen sowieso nicht. Wir alle, die ganze Welt, sind ungefähr so spannend wie die Charts der deutschen Hitparade, unsere Individualität so einzigartig wie der Big Mäc. Unser Seelenleben erinnert an die hübschen Glasstahlbetonbauten minderbemittelter Architekten, und selbst unser Liebeskummer ist so spannend wie die Wellnessoase sowieso. Unsere politische Einstellung misst sich an den vollidiotischen Politikern, die, da zum Lügen zu dumm, nur noch lallen. Wozu Lügen? Wozu Wahrheit? Es ist, das können wir mit großer Bestimmtheit sagen, gleichgültig. Unsere Intimität kann sich mit der Innerlichkeit einer öffentlichen Latrine vergleichen, unsere ehrlichsten Geständnisse kommen nicht einmal mehr unter den Tiefsinn der neuesten raiffeisen-Werbung. Oder Lóreal. Oder eh wurscht. Weil ich es mir wert bin! Ich bin sowas von Kika! Anna den Kredit hamma! I  am from Austria! So tief und ehrlich samma, Puntigamer! Rapid! Rapid! Rapid is mei Religion! Nimm ein Sackerl für mein Gackerl, du kleine Plaudertasche! Jetzt kriegst Du mein Scheißen und in Farbe, nur 5 cent pro Minute! Also: Reinhard Fendrich ist unser größter Mystiker, weilst a Herz hast wie ein Opel mit dem Herz aus Österreich, mog i di! Die Kaiserin Sissi war ja so arm, die hat noch kein Handy gehabt und hat ihr Kokain alleine schnupfen müssen! Und der Gusenbauer und der Schüssel san so liab, weil die haben immer schon gewußt, was sie wollen haben! Das ist der Schlüssel des Erfolges! Tief in deiner Seele weißt du: Erfolg ist das wichtigste, lass dir deinen Liebeskummer Uniqua versichern! together forever now! Weil es ist der Mensch der zählt! Und Chiquita- Bananen! Und dann der von deinem Entertainment-Faktor, Infotainment-Neujahrskonzert, wenn dir von deinem Success, jawoll, von deiner Seele, deinem innersten schlecht wird! Kaum hast du dein Innerstes ausgekotzt, musst du schon wieder lächeln, weil: Man schaut dir zu! Lächeln erhöht die Quote, die Zuschauerzahlen! Dann können die Leute über dich weinen bei der Rosswurm, heute live-Übertragung aus dem Queens-Club! Vera live im Emotionsbordell! Und da sind wir schon bei den Zuhältern! Das sind nämlich wir alle, wir Arschwichser, wir Alfons-Haider Dauerouter, wir Dancing Stars! Wir, die Gemeinschaft! Wenn zwei oder drei in Veras Namen beisammen sind, ist Wüstenrot mitten unter ihnen! Wir sind in der Wüste vom Outen unsere Popos rot. Haben wir ein Geheimnis, lassen wir es schon einmal auf ebay schätzen. Und eben darum kann ich Plastikmensch, Buerlecthin, nicht darüber reden! Ich hab ja ein Doppelherz! Kurzum: Werte wie die Freiheit oder das Recht auf Leben sind werberesistent, wie der Vivaldi oder der Mozart! Du kannst sie nach Belieben verhunzen, sie nehmen keinen Schaden Rondo veneziano, schööön! Mit dem Recht auf Geheimnis ist es aber wie mit dem Haydn oder wie mit dem späten Beethoven: spielst du sie falsch, sind sie tot. Und da das Innere meiner und eurer Seele nur noch aus Werbeflächen besteht, und dahinter eine Glaswand, und dahinter ein Büro eines Telekommunikationsbetreibers, fällt alles über das Geheimnis zu Sagende ins Leere. Es ist das feinste und edelste unter allen Rechten. Schon darüber zu reden macht mich zum Zuhälter. Aber dazu werde ich gezwungen. Wir müssen Fendrich sein, ob wir wollen oder nicht! Erst wenn wir das Recht auf Geheimnis nicht über die Freiheit oder über das Leben herleiten, sondern aus sich selbst, ahnen (Scheisswort!) wir es. Wir können auch einen Schmetterlingsflügel nicht als Überlagerung von Schidkrötenpnzern begreifen. Vielleicht ist unter den Plakaten noch eine Kleisterspur oder eine rostige Schraube, die uns an uns erinnert, irgendetwas, das wir als nicht überwacht wissen, wenn wir mit dem Kotzen fertig sind.