25
Aug
11

ein gottes-gegenbeweis

……ist bis jetzt noch nicht gefunden worden.

Ein Beweis freilich auch nicht.

Interessant jedenfalls, dass man sehr oft hört, von Leuten jeden Alters und aller Schichten, dass die “Wissenschaft” längst bewiesen habe, dass Gott nicht existiere.

Andere drücken es wieder so aus: Der Glaube an Gott sei nicht “wissenschaftlich” (gemeint ist meistens naturwissenschaftlich), daher könne er nicht wahr sein.

Wieder andere: “Wissenschaftliche” Indizien sprächen gegen die Existenz Gottes.

Was läßt sich daraus ablesen?

Erstens: Es zeichnet sich eine gesellschaftliche Tendenz ab, der Wissenschaft mystische Fähigkeiten zuzuschreiben. Denn über Gott etwas in Erfahrung bringen zu wollen, sei es seine Nicht-Existenz, zählt zweifelsohne zu den mystischen Disziplinen. Auch wird der Wissenschaft ein Wahrheits-Monopol zugestanden.

Zweitens: Die (Natur-)Wissenschaft ersetzt (den meisten Menschen) die Religion. Zumindest hat Wissenschaft magische Aspekte: Pülverchen, von denen man gesund wird, Medizinmänner, die einem das Wetter vorhersagen, bunte Safterln, die zusammengemischt, eine neue Farbe ergeben……..und die Magie hat ja wirklich eine Grenze, die sie mit der Religion teilt.

Drittens: Die meisten Leute haben keine Ahnung von Naturwissenschaft.

Sonst wüßten sie Grenze zwischen ihr und Religion besser zu ziehen. Das Missverständnis liegt wohl darin, zu glauben, die Wissenschaft hätte die grundlegenden Dinge erklärt.

Aber das hat sie eben nicht. Sie rechnet zwar mit Dingen wie “Kraft”, “Energie”, “Masse”, aber weiß doch nicht, was das wirklich ist. Man kann sich das so vorstellen, wie ein Kind, das zwar genau weiß, wie Schokolade schmeckt, aber keine Ahnung von deren Zusammensetzung hat. Das wird das Kind aber nicht hindern, kleine braune Männchen aus Schokolade zu formen, und diese dann zu verzehren.

Mit einem Phänomen wie “Energie” zu rechnen, und dieses Phänomen von Grund auf zu verstehen, sind aber zwei verschiedene Dinge. Kein Mensch weiß, was Energie wirklich ist. Sie zeigt sich in äußeren Erscheinungen, und wir können sie, mit Hilfe der Newtonschen Axiome und, in Erweiterung, mit der allgemeinen Relativitätstheorie formalisieren. Wir können schlußfolgerungen treffen, was Energie tut, und wissen dennoch nicht, was sie ist.

Wenn aber die (Natur-)Wissenschaft nicht einmal die eigenen Grundlagen verstanden hat, wie sollte sie dann die viel höheren metaphysisch-mystischen Dinge erklären?

Und überhaupt: Woher dieser Irrglaube, die Wissenschaft müsste Gott beweisen (oder falsifzieren)?

Als ob die Wissenschaft ein Wahrheitsmonopol auf Gott hätte!

Wenn ich in ein schönen Mädchen verliebt bin, brauche ich dann einen wissenschaftlichen Beweis, dass das auch wirklich so ist?

BULLSHIT.

Wenn ich meine Freunde mag, muss mir dann die Wissenschaft das auch bestätigen, sonst mag ich meine Freunde nicht mehr?

BULLSHIT.

Und wenn ich eine Schubertsymphonie höre oder Rammstein oder Sting oder Fatboyslim oder (bitte gewünschte Musik einsetzen) muß mir dann die Wissenschaft beweisen, dass das auch wirklich gute, nämlich “meine” Musik ist?

BULLSHIT.

Und wenn ich nun an Gott glaube, der die Liebe selber ist, muss ich Gott wissenschaftlich beweisen?

BULLSHIT.

Gerade das vorletzte Beispiel zeigt gut: Wer sich bestätigen muß, dass “seine” Musik eh gut ist, ist zumeist ein unsicheres kleines Zniachtl.

Leider haben wir auf religiösem Gebiet viele solcher unsicherer Zniachtln, daher die Alibi-Diskussionen auf der “Basis der Wissenschaft”.

Man kann es fast mit Garantie vorhersagen: Sobald über “Gott” diskutiert wird, wird alsobald eine “Gott-Wissenschaft” Vermanschung draus, ein ziemlich undurchdringlicher Urschleim…….ein abgeklärter Urschleim, oder ein vor-aufklärerischer?


9 Antworten zu „ein gottes-gegenbeweis“


  1. 1 Roman
    August 26, 2011 um 8:03 vormittags

    Aus naturwisssenschaftlicher Sicht ist die Existenz eines Gottes gleich wahrscheinlich wie die von rosa Einhörnern, fliegenden Spaghettimonstern, oder daß ein Apfel vom Baum nach oben fällt.

    Ansonsten: Für mich hast Du ein pathologisches Problem mit Bedeutung.

    “[Die Wissenschaft] rechnet zwar mit Dingen wie „Kraft“, „Energie“, „Masse“, aber weiß doch nicht, was das wirklich ist.”

    Keinen Naturwissenschaftler interessiert es, was etwas “wirklich” ist – die obigen Begriffe sind Teile eines Konzepts, daß überprüfbare Vorhersagen in der realen Welt erlaubt.
    Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

    Und mehr interessiert hier keinen, der einen klaren Kopf hat – nur Menschen wie Dich, die krankhaft überall nach “Bedeutung”, “Wirklichkeit” suchen, ohne überhaupt benennen zu können, was sie damit eigentlich meinen.

    Für mich ein klarer Fall für einen Psychater :-)

    Schade, daß Du dich nicht weiterentwickelst, sondern in Deinem Zirkelschluss gefangen bleibst.
    Warum ist es für Leute wie Dich so schwer, einfach zu sein?

  2. 2 Kardinal Novize Igor
    August 26, 2011 um 12:47 nachmittags

    Ja was ist denn Dir über die Leber gelaufen?

    Mir scheint, DU hast hier Probleme, sonst wärst Du nicht so aggressiv.

    Ich habe meinen Frieden gemacht.

    Du offensichtlich nicht.

    Wenn ich Dir helfen darf: Da Du Deinen “Glauben” auf Wissenschaft basieren willst, das aber offensichtlich nicht geht, bist Du jetzt sauer.

    Denn natürlich hast Du keine Chance, mir zu beweisen, dass die Wahrscheinlichkeit von rosa getupften Eichhörnchen gleich der Wahrscheinlichkeit Existenz Gottes ist. Das sagst Du einfach so, aus irrationaler Emotionalität heraus, die Du für Vernunft hältst.

    Aber ich versteh Deinen Grant schon: Weil wenn (für Dich) gilt: Wissenschaft=Glaube, und ich sage dass Wissenschaft bezüglich Glaube=0, na dann stell ich den Leuten ihre Religiostät in Abrede!

    Insofern liefert Deine Reaktion einen sehr schönen impliziten Beweis für meine Annahme, überleg Dir das mal!

    LG KNI

  3. 3 Roman
    August 30, 2011 um 9:03 vormittags

    Hallö! Ich wollte Dich nicht beleidigen! Tut mir leid. Mein post war wohl sehr direkt, aber ich würde Dich bitten, nachdem sich Dein Ärger gelegt hat, noch einmal darüber nachzudenken.

    Es war schon alles so gemeint wie geschrieben, und (abgesehen von dem Witz mit dem Psychater) auch reiflich überlegt.

    Und aus naturwissenschaftlicher Sicht IST die Existenz eines Gottes gleich wahrscheinlich wie die von rosa Einhörnern – sie lässt sich weder beweisen, noch widerlegen.

    Ich habe Dir auch schon mehrmals versucht zu erlären, daß ich keinen Glauben habe. Kannst du das nicht verstehen? Für mich ist Wissenschaft doch kein Glaube! Die Wissenschaft ist bloss ein Werkzeug, wie eine Gabel oder eine Zange. Sie “bedeutet” mir nichts, ausser daß ich mit ihrer Hilfe Probleme des praktischen Alltags lösen kann.

    Wissenschaft ist für mich kein Ersatz für Spritualität, Sinngebung o.ä. – mit diesen genannten Dinge kann ich einfach nichts anfangen, daher brauch ich auch nichts, was deren Platz einnehmen würde.
    (Im Gegenteil, ich persönlich halte genannte Konzepte für einen mentalen Irrweg.)

    Daher empfinde ich Deinen Versuch, Glaube und Gottidee mit Wissenschaft in Beziehung zueinander zu stellen, als verfehlt. Das eine ist ein gut funktionierendes, bewährtes Werkzeug, das andere ist eine Idee, von der Du Dir wünscht, daß sie wahr wäre (bzw. Du Dir sicher bist, es aber nicht beweisen kannst).

    Liebe Grüße & sorry für den Ärger.

  4. 4 Kardinal Novize Igor
    August 30, 2011 um 9:57 nachmittags

    Hallo Roman!
    Schön, dass nun aller Ärger aus der Welt ist, das freut mich!

    Na ja, bei DEN heißen Tagen……wenn man kurz nach der Hitzewelle zb. in ein Bank-Foyer gegangen ist, und man den Vergleich gehabt hat zwischen dem eh noch warmen Wetter draußen, und der Brutkasten-Temperatur drinnen, weiß man wieder, was wir “erlitten” haben – das kann natürlich auch aufs Gemüt schlagen, – Schwamm drüber! Ich war zwar nie wütend, es kann aber gut sein, dass sich der hohe Testosteronspiegel auf die “Direktheit” der Sprache auswirkt!

    Was Du in deinem 2. Kommentar über Gottesbeweise gesagt hast, kann ich jetzt unterschreiben! Ich würde aber noch einen Schritt weiter gehen, und sagen, dass jede Gleichstellung, Stichwort :”…..Und aus naturwissenschaftlicher Sicht IST die Existenz eines…….” noch etwas zuviel gesagt ist, da wir nicht einmal das wissen können, aber das sage ich jetzt nur so nebenbei, das soll uns nicht weiter stören.

    Ansonsten teile ich Deine Ansicht zur Wissenschaft zu 100%. Ich habe auch gar nicht Dich gemeint, als ich den Artikel geschrieben habe, sondern eher Jugendliche in meinem Bekanntenkreis. Da herrscht tatsächlich eine Art “magisches Denken”, und die Naturwissenschaft wird über-interpretiert (paradoxerweise von jenen, die man eigentlich als naturwissenschaftlich weniger talentiert bezeichnen muss.)

    Insofern arbeiten wir beide, nämlich als vernunftbegabte Menschen, auf der selben Seite, nämlich, die “Kompetenzbereiche” der verschieden Geistes-Disziplinen, richtig zu ordnen!

    Darum habe ich auch kein Problem damit, wenn Du nicht zu den Glaubenden gehörst! (Würde mich wundern, wenn ich jemals was anderes geschrieben hätte).

    Warum diskutieren wir dann eigentlich?

    Ich würde sagen, weil man in der Arbeit des Formulierens, hier im Schreiben, auf schöne neue Ideen kommt!
    Und diese neuen Ideen, und viel Vergnügen, wünsche ich mir und Dir und uns allen weiterhin.

    Liebe Grüße, KNI

  5. August 31, 2011 um 8:36 nachmittags

    Lieber KNI

    Ich weiß nicht, ob du mit den Jugendlichen, die die Naturwissenschaft überinterpretieren, mich gemeint hast, jedenfalls möchte ich Dich an ein Gleichnis erinnern, welches ich einmal auf meinem Blog angestrengt habe.

    Dort war die Rede von “Multiuser-Szenen” und “Mixed Reality”. Das ist nun tatsächlich eine Kategorie der Naturwissenschaft, oder besser gesagt, der Technologie.

    Dennoch habe ich hier als (N+1) te Szeneninstanz die “Realität” eingefügt, sodass die “virtuellen Szeneninstanzen” eigentlich nur ein Abbild der Wirklichkeit ergeben, bzw. eine Möglichkeit, über eine virtuelle Realität dennoch mit der “realen” Realität in Verbindung zu treten. (Die Anordnung 4,5,6,1,2,3 der Szeneinstanzen ist übrigens absichtlich so gewählt).

    Hier ist also jeder der User in einer eigenen (virtuellen) Realität “gefangen”, dennoch kann er mit anderen Usern und mit der “wirklichen” Realität in Interaktion treten.

    Nun könnte man die “virtuellen” Szeneninstanzen als Religionen interpretieren, die sich eigentlich alle mit derselben “realen” Realität beschäftigen, wobei ich nicht ausschließen möchte, dass eine der Religionen sich als “Psycholgie und Psychiatrie” interpretieren läßt

    Lg
    Christoph Peter

  6. August 31, 2011 um 8:38 nachmittags

    Leider hat wordpress den Link auf das Bild verschluckt, deshalb hier der Link auf den Originalartikel:

    http://zweitersein.wordpress.com/2011/04/12/virtualitat-und-realitat/

  7. 7 Kardinal Novize Igor
    August 31, 2011 um 11:22 nachmittags

    @Yeti:Dass die verschiedenen Geisteseinstellungen die verschiedenen Realitäten sind, ist ein gutes Bild!

    Allerdings wäre es noch interessant, zu ergründen, inwiefern die “reale” Realität nun mit der subjektiven Realität was zu tun hat, das kommt bei dem Gleichnis nicht ganz heraus.

    (Das ist natürlich kein Mangel, kein Gleichnis ist “für alles” da!)

    Ich kenne mich ja dem informatischen Background nicht aus, und lese es daher nur als Gleichnis (und filtere daher etwaiges “product placement” heraus): Jeder hat “seine” Szene vor sich, also seine subjektive Realität. Einverstanden! Aber: Inwiefern ist nun die Realität mit der virtuellen Realität in Wechselwirkung?

    Ich denke, das läßt sich mit einem rein informatischen Gleichnis nicht wirklich ausdrücken, da man sich ja jede beliebige virtuelle Welt programmieren kann, und das geht tatsächlich, also in Wirklichkeit, nicht.

    Man könnte nun die Vernetzung der Mitspieler als reale Realität in Deinem Gleichnis deuten, aber das trifft es vielleicht nicht ganz, denn die Vernetzung steht doch eher nur für die zwischenmenschlichen Beziehungen, und das ist nur einer von vielen Aspekten.

    Um das Problem zu verdeutlichen: Wie sähe – zum Beispiel – die virtuelle Realität eines oder mehrer Teilnehmer im besoffenen Zustande aus? So individuell auch jedermanns/jederfraus Betrunkeneit auch sein mag, so gibt es doch gewisse medizinische Fixpunkte: Doppelt sehen, speiben, Kopfweh, etc., die quasi von der realen Welt in unsere subjektive Welt hereinbrechen!

    Es ist also unsere subjektive Welt mit der realen Welt in Wechselwirkung.

    In diese Richtung könnte man, bei Lust und Laune, das Gleichnis ausweiten!

    Nur, denke ich, ist hierzu eher das Mittel der Literatur tauglich – aber wer weiß?

    LG KNI

    • September 1, 2011 um 8:53 nachmittags

      Tja, einerseits ist da die Modellbildung: die virtuelle Realität, in der wir uns treffen ist von jemandem modelliert worden.

      Ausserdem sind da die Avatare, auch die sind modelliert worden und es bedarf gewisser Vorkehrungen, um zu garantieren, dass alle Mitspieler dasselbe Modell erhalten.

      Das, was “echt” und in “Echtzeit” ausgetauscht wird, das ist der “shared state“.

      Also z.B.:
      – Positionen der Avatare
      – ist diese Tür jetzt auf oder zu?
      – Position des Zuges
      – etc.

      Inwiefern hat das Ganze mit der “wirklichen Realität” zu tun?

      Na was ist zum Beispiel, wenn ich das Modell nicht der Phantasie entnehme, sondern der “Wirklichkeit”, wenn ich also die Realität “nachbaue”.

      Und den “shared state” auch der Wirklichkeit entnehme (da bewegen sich dann keine Avatare, sondern Roboter), was allerdings einigermassen aufwändig sein wird.

      Aber ich sehe den Wert Deines Vorschlages, dass ich diese Ideen vielleicht lieber doch in literarischer Art und Weise weiterverfolge (Du weisst ja: http://zweitersein.wordpress.com/about).

      Lg
      Christoph Peter

      • 9 Kardinal Novize Igor
        September 1, 2011 um 9:22 nachmittags

        Genau!

        Literatur! Denn: Bis wir Lyrik, Philosophie oder Religion (Achtung!!!! Advocatus Diaboli!) modellieren können, wirds wohl noch ein Weilchen dauern. (Tja: Lässt sich Religion modellieren? Wir sagen: Nein!)

        LG KNI


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