03
Okt
11

keynes vs. hayek- oder wie die “wirtschaftswissenschaft” aus 2 Exempeln eine Statistik zu erstellen versucht

Jetzt, wo schon langsam wirklich alles dem Abgrunde entgegen torkelt, zugedröhnt vom Gifte des Neoliberalismus, wenngleich der Gesellschaft kein eigentlicher Schuß mehr gesetzt wurde (aber die Methadon-ähnlichen Derivate tuns auch), hier einmal ein Vergleich “wirtschaftswissenschaftlicher” und naturwissenschaftlicher Erkenntnisgewinnungsmethoden.

Wie man sieht, verwende ich das Wort “Neoliberalismus” in seinem gebräuchlichen Sinn: Stumpfe Wirtschaftsgläubigkeit, Etablierung der absoluten Rücksichtslosigkeit, Gier als Tugend, von Leistungsgesellschaft schwadronieren, während tatsächlich das Geld vom Herrn papa oder sonstwem schlicht durch sowas wie Eigengravitation vermehrt wird, und Leistung schlicht ÜBERHAUPT keine Rolle spielt, usw usf. Und schließlich: Die Wirtschaft in den Abgrund führen, dabei selber abzocken, sich vom Staat retten lassen, und zahlen dürfens die, die sich nicht wehren können, siehe auch dieser Blog “ein neoliberales Wirtschaftsgleichnis”.

Ich weiß, dass andere das Wort “Neoliberalismus” anders anders definieren, ich verwende es aber so.  Über Sinn und Unsinn von Wort- und Definitionsverschiebungen werde ich hier nicht diskutieren.

Wie dem auch sei, offensichtlich streiten im Moment die Hayeksche Ideologie und jene von Keynes um die wirtschaftliche Weltherrschaft. Klar, dass Hayek dem Neoliberalismus näher steht, als Keynes. Hayek legt ziemlich plumperweise privatwirtschaftliche Maßstäbe an Staaten an, und sagt “hat Griechenland schulden, muß es SPAREN, SPAREN, SPAREN!” Und wo sparen, natürlich bei den Ärmsten, die nie spekuliert haben, damit wir die “armen Banken” erretten können. Und  die Boni ihrer Manager.

Trotzdem hat die sache mit dem Sparen freilich auch was Einleuchtendes. Es soll nicht ausgeschlossen werden, dass es hie und da tatsächlich auch einen Hayekianer guten Willens gibt…….

Dem gegenüber steht der Keynes, der sagt : In schlechten Zeiten investieren, damit die Nachfrage nicht zusammenbricht, auch auf Pump, und in guten zeiten sparen. Für einen der hie und da eine Differentialgleichung gesehen hat, klingt das nicht unlogisch.Im Gegenteil.

Trotzdem: Jede Ideologie muss mit EXPERIMENTEN auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Und im Moment gibts genau eineinhalb (?) Ergebnisse, die für Keynes sprechen, Deutschland in der Zwischenkriegszeit, und ein halbes griechsiches Experiment, und eines, das für Hayek spricht, nämlich die Ölkrise in den 70ern.

Ja, das ist ein bisschen wenig für eine Statistik. Und was ist mit den Rahmenbedingungen? Wie werden die definiert? Nüsse.

Peinlich einfach, dass sich die so genannten “Wirtschaftsexperten” genau diese drei Beipiele 70 000mal um die Ohren werfen, und “absolute Richtigkeit” einfordern. Peinlich, dass man außerhalb dieser beiden Modelle keine Alternativen zu erkennen vermag.

Das alles erinnert an die späten Sowjet-Zeiten, in denen vom einfachen Volk hingebungsvoller Glaube an das System eingefordert wurde, während die wenigen mächtigen ihre Schäfchen auf die Seite brachten….

Aber warum lassen wir diese Fragen nicht einfach “Wirtschaftsexperten” diskutieren? Ganz einfach: Weil diese, in ihrer Gesamtheit, offensichtlich versagt haben. Den vernünftigen und fähigen Exemplaren dieser gattung sei hingegen “von außen” der Rücken gestärkt.

 

 


6 Antworten zu „keynes vs. hayek- oder wie die “wirtschaftswissenschaft” aus 2 Exempeln eine Statistik zu erstellen versucht“


  1. 1 gute Fee
    Oktober 4, 2011 um 5:14 pm

    lieber novize,

    auch wenn es aktuell NICHT zum blogartikel passt, so habe ich hier doch einen interessanten link für dich

    LGGF

  2. 2 Martin
    Oktober 4, 2011 um 8:32 pm

    Ich entdecke immer wieder neue Seiten an dir, z.B. daß du dich mit Keynes und Hayek auseinandergesetzt hast. Gut zu sehen, daß man über den Tellerrand hinausblicken kann. Ich persönlich bin ja eher ein Freund der keynes’schen Lehre. Mit Maß und Ziel. Nicht auf Gedeih und Verderb Schulden aufnehmen, und nicht in Zeiten guten Ertrags alles kaputt sparen, aber von der Tendenz doch eine Art gleichbleibendes “Niveau” der Wohlfahrt finden.
    Immerhin kommen mittlerweile ein paar Rädelsführer, äh, Staatenlenker…äh…Menschen in Positionen, die ihnen kraft der Außenwirkung Gehör verschaffen, doch drauf, daß man nicht den letzten Rest an Investitionswillen und -freude abwürgen darf. Die “Umschuldung” wird kommen (müssen). Ein Verlassen des Euroraums Griechenlands wäre jedoch fatal, da eine sofortige Abwertung des “Neu-Drachmens” die Schulden nur weiter explodieren ließe.

    Wie auch immer, wir müssen da jetzt alle gemeinsam durch, nicth nur europa- sondern weltweit. Und hoffen, daß am Fuße des Abgrunds ein paar Matratzen liegen, um den Sturz zu lindern.

    gute Nacht ;)

  3. 3 Kardinal Novize Igor
    Oktober 5, 2011 um 11:47 am

    @gutefee:

    Danke für den Link!

    Hab ihn bei mir ausgeschnitten und am comp gespeichert (ich bleib am Blog lieber anonym, du verstehst….)

    lg KNI

  4. Oktober 8, 2011 um 8:15 pm

    bin nur gespannt, wer als erster auf die Formel kommen wird, dass Umstellung auf Kriegswirtschaft und Expansionsbestrebungen auch eine Möglichkeit sein können, auf diese Effekte zu reagieren………


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