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Rating-Agenturen und Quanten

Ja, jetzt haben sie uns geratet, die Rating-Agenturen, oder besser: Ein schlechtes Rating angedroht, und schon gackert die Regierung wie ein Haufen verrückter Hühner….

Ja, so habens die Rating-Agenturen gerne: Dass man sie ernst nimmt, dass man sich so richtig hysterisieren lässt von ihnen! Weil: Macht bedeutet Geld. Und genau das wollen sie haben.

Das erinnert alles an das Nibelungenlied: Hagen von Tronje befragt die Fluss-Jungfrauen (oder wie man die nennt), was passieren werde, wenn die Nibelungen das Donau-Ufer queren. Die Orakel-Jungfrauen antworten: “Alle werden sterben, bis auf der Priester.”

Hierauf denkt sich Hagen: “Der Priester kann nicht schwimmen. Wenn ich ihn mitten auf der Donau, in der stärksten Strömung, aus dem Boot werfe, wird er ersaufen, und die Jungfrauen haben falsch geweissagt.” Gesagt, getan. Der Priester wird vom Boot geworfen, und fast ertrinkt er. Aber: Mit letzter Kraft rettet er sich an das Ufer. — Während die Nibelungen weiter fahren, ans andere Ufer, ihrem Tod entgegen…..

Was also ist geschehen? Die Fluss-Jungfrauen haben durch ihre Weissagung den Ausgang der Sache selber beeinflusst! Oder besser gesagt, sie haben den Ausgang bestimmt. Und zwar im Alleingang.

Und genau so machen es natürlich auch die Rating-Agenturen. Durch ihre Analyse beeinflussen sie das Ergebnis.

Ganz ähnlich geht es in der Quantenmechanik zu: Die Elektronen werden durch die Messung beeinflußt, und daher kann man ein Mess-Ergebnis (zb. bezüglich zweier Impulse) vergessen. Das wird man wohl berücksichtigen müssen! Und die Quantenphysik hat das auch getan…..

….die Rating-Agenturen NICHT. Warum nicht? Sind sie zu blöd dazu? Keineswegs. Die wissen, was sie tun. Sie nutzen die “Macht des Beobachters” eiskalt aus. Und “beobachten” genau so, dass das Ergebnis ihren Interessen entspricht.

Wer möglicherweise zu doof ist, diese Mechanismen zu durchschauen, sind die Wirtschafts-Journalisten. Um solche Wechselwirkungen zwischen Beobachter, der das Ergebnis beeinflußt, und Ergebnis zu berechnen, bedarf es mindestens der Differentialgleichung höheren Grades. Wenn nun für die Wirtschaftsjournaille Prozentrechnen das höchste der Gefühle darstellt, braucht man sich freilich über gar nichts mehr zu wundern.

Was man derzeit in “der Presse” an Kommentaren vernimmt, lässt sich als vergammeltes Stammtisch-Geschwafel nur sehr unzureichend beschreiben. Wenn Dummheit glücklich macht, müssten Schellhorn und Fleischhaker schon die Wonnen des Elysiums kosten.

Andererseits sollte man sich hüten, die Schlauheit dieser typen zu unterschätzen. Denn sie zeigen exemplarisch, dass hinter dem Neoliberalismus keine eigentliche Ideologie steht. Die wird je nach sachlage gewechselt. So trauen sich die beiden nicht mehr, gegen die bösen Armen zu stänkern, dazu gibt mittlererweile zu viele, sondern sie plädieren elegant für das “sparen”. WO man sparen soll, darf man sich dazu denken:, bei denen, die ohnehin nichts haben.  Ja, die Banken brauchen unser Geld!

Ist Euch schon aufgefallen, dass keiner dieser neoliberalen Gunstschreiberlinge mehr einen “schwachen Staat” fordert? Logisch! So lange sich die Hochfinanz selber erhalten konnte, war er lästig, der Staat. Der war ja nur für die Armen da! Sollen sie doch verrecken, diese Armen! Jetzt aber muss der Staat für die Banken da sein! Er muß die Boni garantieren! Also her mit dem starken Staat!

Könnt ihr Euch noch an den unsäglich dummen Spruch “Die Wirtschaft reguliert sich selber” erinnern? Jetzt hört man den Spruch nicht mehr! Macht nichts! Jetzt, da BEWIESEN ist, dass sich die Wirtschaft NICHT regulieren kann, soll eben der Staat mitregulieren! Aber natürlich nur so, dass er die von der Hochfinanz verbockten Raubaktionen ausbügelt, und das Geld fleißig von unten nach oben verteilt.

Kurzum, die neoliberalen Gunstschreiber haben es aufgegeben, uns ihre verbrecherische Ideologie als “moralisch überlegen” zu verkaufen. Man hört nichts mehr von “Leistungsgesellschaft”, seitdem klar ist, dass die Hochfinanz GAR NICHTS leistet, außer sich selber alles, auf Kosten aller. Man spricht nicht mehr von “sozialen Parasiten”, seit dem klar ist, dass SIE, die neoliberalen selber, die GRÖSSTEN SOZIALEN PARASITEN sind.

Dafür wollen sie jetzt die Staaten direkt ausplündern. Nicht mehr über private Umwege. Es sei “leider nicht zu verhindern”.

Daher genießt das gequälte griechische Volk meine größte Solidarität. Die “occupie Wall Street”-Bewegung ebenso. Ja, es erinnert an die 68er, aber,dem Ernst der Situation entsprechend, grimmiger.

Es tut sich was, und wird nicht mehr zu stoppen sein. Hoffentlich sind wir nicht zu spät.

 


14 Antworten zu „Rating-Agenturen und Quanten“


  1. 1 Roman
    November 21, 2011 um 9:15 pm

    Ein herausragender Artikel. Vielen Dank, dass Du das so hervorragend auf den Punkt gebracht hast!

    ZU den Griechen: Durch einen Freund bei der ÖNB weiß ich, dass eine grosse österreichische Bank krachen gegangen wäre, wenn Österreich nicht “den Griechen “ die ersten 2Mrd gezahlt hätte. Das geld ging von dort wieder an die Bank.

  2. 2 crippledsamCrippLeD SaM
    November 22, 2011 um 9:08 am

    Wieviel % müssen die Griechen für 10-Jährige Staatsanleihen zahlen? Vor einigen Wochen warens noch 14%….. Jetzt sinds mehr als 28 (!!!!!!!!!) – mit so einem Prozentsatz geht sogar die Schweiz innert 1 Jahr pleite!

    Der Schuldenschnitt (“Haircut”) von 50% ist demzufolge ein Schlechter Witz hahaha…..

    Ratingagenturen sind die Feuermelder, die den Größten Brand in den USA nicht melden, aber bei jeder Tschik in Europa Alarm schreien, diese Tschik dann mit Benzin und Kerosin löschen…..

    In Wirklichkeit kracht der Dollar! Die USA macht 15 Billionen (Tausend Milliarden) $ Schulden! 100% vom BIP!

    Je mehr die Ratingagenturen den €uro runterraten, desto krachender ist der Dollar! Bald gibts das $-Symbol auf der Tastatur nimmer! Aber davor wollen die Amis das €-Symbol killen….absichtlich……

    Die Welt gibts nimmer lang…..

    MFGCS

  3. 3 Kardinal Novize Igor
    November 22, 2011 um 9:16 am

    @Roman

    Erstens: Danke für Dein Lob!

    Zweitens: Danke für die Info! Das ist hochinteressant – wenn schon die Österreicher ihr Steuergeld über den “griechischen Umweg” in die Banken pumpen – wie viele andere Nationen werden das noch machen? Es kommt einem echt das Gruseln!

    lg KNI

  4. 4 Kardinal Novize Igor
    November 22, 2011 um 10:04 am

    @CS, @Roman

    Der nächste Wahnsinn: Jetzt versuchen die Rating-Banditen, DIREKTEN Einfluss auf die Innenpolitik zu nehmen!!!

    na ja, passt gut zum letzten Teil in meinem Artikel. Die Staaten direkt auszuplündern….

    @CS: Hab wieder mal deine Geschichte über OPA EUR und die kleine HELLENA gelesen! Sehr geil!

  5. November 28, 2011 um 6:21 pm

    Ja, da passt alles zusammen……..

    Lg
    Christoph

  6. November 28, 2011 um 10:04 pm

    Ja, “es wird Zeit”.

    Nur mal,um den Film “Jagd auf roter Oktober” zu zitieren……….

  7. 7 Kardinal Novize Igor
    November 29, 2011 um 8:20 am

    @Yeti:

    Ich kenne leider den Film “roter Oktober” nicht……

  8. November 29, 2011 um 9:26 pm

    nur kurz zur Erklärung: “Jagd auf roter Oktober” handelt von einem russischen U-Boot Kapitän, der mit einem neu entwickelten strategischen Raketen-Uboot und einigen eingeweihten Offizieren zur Nato überläuft.

    Dieses U-Boot ist, da es durch einen neuartigen “Raupenantrieb” nahezu unhörbar ist, eindeutig eine Erstschlagswaffe.

    In der ersten Szene läuft das U-Boot gerade aus dem Hafen aus, und der Kapitän und sein erster Offizier stehen auf dem Turm.

    Als es Zeit wird, ins U-Boot zu gehen, sagt der erste Offizier: “Käpt’n, es wird Zeit”. “Ja, es wird Zeit”, antwortet der Kapitän und spricht ein wahres Wort gelassen aus (aus dem Gedächtnis, ohne Garantie auf Richtigkeit).

    Andere Zitate:

    “Central Intelligence Agency. Das ist ein Widerspruch in sich selbst”

    “Gib’ mir ein Ping. Nur EIN Ping” :)

  9. Dezember 5, 2011 um 2:16 pm

    Schön verglichen. Zeigt die Verderbtheit und Raffgier diverser Institutionen schön auf. Zu mehr fehlt mir echt schon die “Kraft” ob der Sinnlosigkeit der ganzen Übung.
    lg
    Martin

    • 11 Kardinal Novize Igor
      Dezember 10, 2011 um 4:07 am

      Ja, mir gehts ähnlich, es bedarf einer gewissen Überwindung, in diesem Schlamm zu wühlen….
      ……es scheint aber wieder notwendig zu sein…..

      ……geistiges Latrinen-Putzen sozusagen!

      lg KNI

  10. Dezember 6, 2011 um 2:06 pm

    Neuer Artikel bei mir…. jetzt ist es nicht mehr lustig.

  11. 13 CrippLeD SaM
    Dezember 14, 2011 um 9:26 am

    Für die, die ihn nich nicht kennen:

    Sehenswert!

  12. 14 Martin
    Dezember 20, 2011 um 11:13 pm

    weil ich sonst keinen elektronischen weg zu dir finde:
    http://www.cafegarage.at/sonder.html

    29.12. -> könnte interessant sein. schick mir ein mail ;)


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