Vorweg: Armin Thurnher ist einer der besten und redlichsten Journalisten Österreichs. Seine Artikel zählen zur Pflichtlektüre.
Trotzdem -oder gerade deshalb?- sei ihm in einem Punkt widersprochen. Thurnher hält nämlich anonyme Blogger, vereinfacht gesagt, für unredlich. Er kritisiert jene, die nicht in der Öffentlichkeit zu ihrer Meinung stehen. Mit einigem Recht konstatiert er eine Verrohung der Sprache, wie sie in einer unter eigenem Namen geführten Diskussion nicht zu finden wäre.
Die Anonymität enthebt den Autor tatsächlich seiner Verantwortung. Es gibt sie, jene Heckenschützen, die aus dem Verborgenen entbehrliche Meinungen abfeuern.
ABER: Thurnher befindet sich als Journalist in einer privilegierten Position. Er kann sich eine öffentliche Meinung leisten, ohne derethalben die Vernichtung fürchten zu müssen. Die FPÖ, die das versucht hat, ist gescheitert. Die Reichweite des Falter ist zwar geringer als jene der Kronen Zeitung, aber immer noch groß genug, um sich zu schützen. Öffentlichkeit fungiert eben auch als Schutz – so man sie hat: Welcher Polizist traut sich schon, einen Journalisten zu prügeln, der am nächsten Tag dem Bundeskanzler als Interviewer gegenüber sitzt? – Das nur als Beispiel…
Die Medien sind, obzwar größtenteils nicht staatlich, so doch vom Staat legitimierte Institution, die ihren Vertretern (den Journalisten) Meinungsfreiheit nicht nur garantiert, diese sogar fordert.
Das sollte Thurnher nicht vergessen, wenn er dem “unbekannten Blogger” mehr oder weniger Feigheit vorwirft.
Otto Normalverbraucher wird dieser Schutz nämlich nicht zuteil. Meinungsfreiheit? Na ja, eingesperrt wird niemand, aber es reicht, würde ich sagen, wenn man, seiner Meinung wegen, zb. den Job verliert.
Man schreibe einmal als Angestellter über die korrupten Machenschaften seiner Firma, man schreibe als Landeslehrer über den Erwin Pröll- Na seavas! Das AMS wartet schon. Man schreibe, als einer, der von seiner Firma zur Teilnahme an “Manager-Motivationskursen” genötigt wird, über den dort verzapften NLP-Schwachsinn!
So schnell kann man gar nicht schreiben, fliegt man schon (raus).
Das ist natürlich auch Thurnher bekannt, nicht umsonst gibts das Schöne “Name der Reaktion bekannt”. Nein, eigentlich hätten die Namen, die der Reaktion bekannt sind, nichts zu verbergen, Nein, eigentlich ist alles, was Sie sagen, richtig, aber eben trotzdem gefährlich, wenn schon nicht für Leib und Leben, so doch für die finanzielle Existenz.
Warum aber soll es aber den Bürgern nur ihm Rahmen von Printmedien erlaubt sein, anonym, aber frei zu sprechen? Warum soll man erst auf das redaktionelle placet warten, bevor man das Wort ergreifen darf? Das Internet, samt der dort herrschenden Namenlosigkeit, ermöglicht Eigeninitiative, und diese gedenke ich zu ergreifen.
Abgesehen davon: Wer sagt, dass die sich aus der Anonymität entwickelnde Sprache zwangsläufig nur zur Verpöbelung führen muss? Diese gilt es, zu orten und als solche zu kritisieren, andererseits aber finde ich auch einen spannenden, bissigen Stil, der gesellschaftliche Fehlentwicklungen viel zielgerichteter ad absurdum zu führen vermag, als die brav-pädagogischen “offiziellen” Texte. Die ja, wenn ich mir manche Debatten zum Thema Migration oder Feminismus anschaue, wirklich ins Leere zielen….
Auch angesichts des Buchdrucks mit beweglichen Lettern haben die Etablierten eine Ochlokratisierung der Sprache befürchtet, gekommen ist es freilich anders: Ohne Buchdruck hätte es Demokratisierung wohl nie gegeben.
Was das Internet, der ein zweiter großer Schritt ist, bewirken wird (auch für den Preis der Namenlosigkeit), wird sich noch zeigen. Ich jedenfalls habe Teil daran.
Mit freundlichen Grüssen, Kardinal Novize Igor (Name von der Redaktion geändert)





