16
Aug
18

neue Unschuld?

 

Die Kolonialzeit ist vorbei.

Die meisten Europäer versuchen aber in ihrer Halbbildung der ganzen Welt immer noch ihr Denken überzustülpen. Das ist natürlich ein Kolonialismus in anderer Form…

Ich denke da zb. an den „arabischen Frühling“, der, wie könnte es anders sein, als eine „demokratische Revolution“ missdeutet wurde. Siehe zb. Robert Misik, ein Ober-Missdeuter.
Das europäische Denken hat sich selbst kastriert und resultiert nunmehr in grenzenloser Naivität.

Dass andererseits diese Naivität mit Gift und Galle verteidigt und allen aufoktrouyiert werden soll, zeigt, dass man sich eine Art „neuer Unschuld“ herbei sehnt.

Siehe natürlich auch „Toleranz“: eine rein äußerliche Tugend soll das Innenleben, die Würde, aber auch die Verantwortung der Entscheidungskraft über Gut und Böse, ersetzen.

Sozusagen Adam und Eva vor dem Sündenfall.
Vor der Erkenntnis von Gut und Böse.
Ein Neuanfang, eine Neu-Skalierung.

Aber so funktioniert das nicht.

Man kann weder politische noch historische noch persönliche Schuld tilgen, indem man sich unschuldig stellt.

Das Gegenteil von Schuld ist nicht Unschuld, sondern Vergebung.

Und Vergebung kommt nicht vom Menschen.
Wie auch die Gnade nicht vom Menschen kommt, sondern von Gott.

Nun hat man Vergebung zu erlangen versucht durch „Trauerarbeit“.

Meister Eckehart schreibt aber, dass Vergebung und Heilung der seelischen Wunden nicht durch künstlich aufrecht erhaltene Reue, sondern durch erneutes Aufschauen zum Herrn kommt.

Und tatsächlich ist unsere Kultur der Trauerarbeit überdrüssig.

Nachdem aber Geld, Wohlstand, Komfort und spät-neuzeitliche, auf den Naturwissenschaften basierende Magie – wobei hier nicht der Naturwissenschaft selbst gemeint ist – ein Aufschauen zum Herrn unbequem gemacht haben, tut man lieber unschuldig.

Man tut so, als hätte man noch nichts erlebt, keinen Frieden und keine Kriege, keinen Zweifel und keine Siege keine Höhen und keinen Abgrund. Als gäbe es keinen freien Willen; als gäbe es kein Gut und Böse. Man will das künstliche Paradies.

Was wird wohl der Apfel neuer Erkenntnis sein?

LG KNI

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31
Jul
18

Seele -an Yeti

Ich habe es doch noch einmal zusammengeschrieben (letzte gültige Version):

Das ist jetzt einiger Diskussionsstoff.

Zuerst möchte ich mein Bild erläutern, anscheinend verwende ich die Pfeile andersrum.

Also:

Gott => Mensch (Körper)

Erläuterung: Der physische Aspekt des Menschen -der Körper- ist Teil der Schöpfung und kommt, nach meinem Glauben, von Gott. Daher zeigt der Pfeil von Gott zum Menschen. Jedenfalls ist das meine Notation.

Gott => Mensch(Seele)

Erläuterung: Die Seele betrachte ich als das, was ein Wesen lebend macht. Es ist mein Glaube, dass das Leben mehr ist als eine biologische Wechselwirkung. Dieses Zusätzliche ist im Begriff „Seele“ ausgedrückt.

Auch die Seele kommt von Gott; wird von ihm geschaffen (jeweils meinem Glauben gemäß, aber das werde ich jetzt nicht immer extra dazuschreiben.)

Daher macht -für mich- der Ausdruck „Dingseele“ keinen Sinn, da Dinge kein Leben in sich haben. Ich glaube zwar, dass die Dinge „in Gott leben“, aber das würde ich keiner eigenen Seele zuordnen.

Mensch(Körper) => Geist .

Mensch(Seele) => Geist .

Erläuterung: Ich betrachte den Geist als Schnittstelle zwischen Körper und Seele. Er resultiert aus beidem. Es gibt auch mystische Meister, die es umgekehrt sehen und Seele mit Geist vertauschen, zb Hl. Johannes v Kreuz. Daher halte ich die Begrifflichkeiten für nicht so wichtig. Es geht mir aber um die Schnittstelle.

In diesem Leben kommen wir nie über diese Schnittstelle hinaus: Wir „kennen“ unsere Seele nicht. Wir glauben nur an sie (zumindest ich). Man könnte es so sagen: Wer der Schnittstelle inne wird, ist sich auch der Seele inne.

Also: Mensch(Körper) => Geist <= Mensch(Seele)

Alles aber resultiert aus Gott.

Also:

Gott => Mensch(Körper) => Geist <= Mensch(Seele) <= Gott

Gott, das Alpha und das Omega.

LG KNI

03
Jun
18

nach dem Gemetzel

Nach dem schrecklichen, vom IS verübten Terroranschlag auf den life ball in Wien wurde nun das Motiv des Attentäters bekannt.

Er sagte, ihm sei der brennende Hass gekommen, als er hörte, dass dort Religionen verspottet werden sollten. Nicht, dass ihm das Christentum sonderlich wichtig sei, aber wer den einen Glauben in den Dreck ziehe, werde auch nicht zögern, den wahren Glauben zu beleidigen. Der Anschlag sei als Drohung zu verstehen gewesen, sagte der verhaftete dringend tatverdächtige Abdullah S., denn wenn man das mit dem Islam mache, werde es noch ganz andere Folgen haben…

Inzwischen sind auch Reaktionen auf den Anschlag und dessen Motiv bekannt geworden. Der Bürgermeister zeigte sich „zutiefst erschüttert“ und ordnete an, das Riesenrad rosa zu beleuchten.

Der Soziologe Wolfram T. meint: „Wir haben es hier mit einer offensichtlich fehlenden Integration zu tun. Denn sonst hätte Abdullah S. gewusst, dass der life ball ein Fest für Toleranz ist. Und toleranten Gesellschaften kann es nicht in den Sinn kommen, irgendeinen Glauben abzuwerten. Es sei denn, freilich, es handelt sich um so etwas Intolerantes wie das Christentum. Da ist es geradezu Pflicht. Aber das hat ja mit dem Islam nichts zu tun.“

Dagmar Koller, die den Anschlag unverletzt überlebte, zündete bei sich zu Hause eine Kerze an. Das Gut Aiderbichl schloss sich der Aktion an.

Sogar Vertreter des Stammtisches zeigten Betroffenheit: „Jo mei, de vom life ball haben sich gsagt,  `veraosch‘ ma de Kirchn! Wö da kann eh nix passiern. Mach ma hoit de Nonnen und de Christen lächerlich, sing ma hoit de Kirchnliada (etwa das „Kyrie“, Anm. d. Red.), wö wann ma den Mohammed auftretn lossn mitm aussa hängenden Beidl, dann samma olle tot!`- und jetzt sans erst recht hin! Obwohls eh ka Risiko eingangen san! De tuan ma vom Herzen leid!“

Differenzierter äußert sich freilich die intellektuelle Elite. So fragt Heiko W., Publizist, Genderforscher und freier Miterbeiter der TAZ: „Wann wird die Blutspur, die die Kirche durch die Weltgeschichte zieht, endlich verebben?“

Und weiter: „Nun könnte der einfache Mann von der Straße glauben, dieser Anschlag sei ja nicht von der Kirche ausgegangen. Als Intellektueller reicht mir diese billige Antwort nicht. Wer hat denn die kirchliche Tracht erfunden, die am life ball persilfliert wurde? Eben: die Kirche! Und was hat das Empfinden des Attentäters gestört? Die Persiflierung der kirchlichen Tracht! Also ist die kirchliche Tracht an dem schrecklichen Anschlag schuld. Ich folgere: ein weiteres Verbrechen der Kirche! Leider ist abzusehen, dass rechtsradikale Elemente nicht ausbleiben werden, die dieses Verbrechen dem Islam in die Schuhe schieben werden. Aufgrund meiner Fachkompetenz als elitärer Intellektueller bin ich schon jetzt in der Lage, diese Entwicklung zu prognostizieren!“

Die ORF-Journalistin Annette-Sibylle K, die nach dem Anschlag vor Ort war, meint: „Das ist wieder Wasser auf die Mühlen der Rechtsradikalen!“

Auch ein esoterisches Medium, genannt „Madame Ambrosia“ meldete sich zu Wort. Sie will die Meinung des Filmregisseurs Frederico Fellini aus dem Jenseits vernommen haben. Laut Madame Ambrosia habe der Regisseur folgendes gesagt:

„Die Seelen der Toten sind längst im Himmel. Grüße soll ich ausrichten an Mama, Pappa und Horst, wer immer das ist. Das wäre hiermit erledigt.

Jetzt aber rede ich in eigener Sache. „, so Fellini,  „Und ich sage: Plagiat! Die Idee mit der Sakralkleider-Modenschau ist von mir, ihr Wichser! Schauts euch den Film „Roma“ an, und ihr werdet wissen, was ich meine. Ob mich die Blasphemie stört? Nö. Sonst hätte ich ja meinen Film nicht gedreht. Warum aber ist mein Film gut und eure Show Scheisse?

Weil auch Blasphemie Niveau haben muss. Weil es auch in der Blasphemie um die letzten Dinge geht. Auch Blasphemie ist ein tiefes, mitunter persönliches Ringen mit Gott. Euer Zeug ist aber nur ein dümmlicher Reflex. Ihr kopiert eure Eltern und haltet euch für originell. Ihr macht einen auf Provokation, und seid doch nichts als Spießer. Ihr seid Schnösel, die Subkultur imitieren.

Nicht die Blasphemie mache ich euch zum Vorwurf, sondern die Vertrottelung der Blasphemie. Nicht die Revolte mache ich euch zum Vorwurf, sondern eure aus euren Nasenlöchern triefende Selbstgefälligkeit. Nicht die Toleranz mache ich euch zum Vorwurf, sondern dass ihr in Wirklichkeit auf andere herabschaut. Euer Fluch ist, dass ihr eure Gegner, sei es Gott, die Kirche oder sonstwen, für so belanglos haltet, wie ihr es selber seid. Diese Belanglosigkeit ansehen zu müssen, ist die eigentliche Zumutung.

Ihr seid nicht mehr oder weniger „blasphemisch“ wie die neoliberalen Ärsche, wie die Karl-Heinz Grassers, wie die lächerlichsten Snobs, wie alle billigen Kopien des Lebens. Ihr glaubt, ihr könntet euch das, was man „Geist“ nennt, auf die Billigsberger-Masche aneignen, und ihr könnt es nicht. Ihr klaut anderen die liturgischen Versatzstücke und seid doch unfähig, eine eigene Liturgie zu bilden.  Ihr seid nichts als geistig impotente Lahmärsche, ihr seid die Eunuchen der Kunst, mit einem Wort: Flachwichser.

Dass ihr ferngesteuerten Lemuren in der Verblendung lebt, geistig selbstständig zu sein, sei euch verziehen. Aber dass ihr meinen Film zu einer Art Pony-Gala mit Nonnenkostümen verunstaltet habt, verzeihe ich euch NICHT.“

So weit die Botschaft Frederico Fellinis aus dem Jenseits.

Die Grün-Abgeordnete Manuela R. meinte, als sie von der Fellini-Botschaft hörte: „Das ist  Wasser auf die Mühlen der Rechtsradikalen.“

Der Zen-Meister Dr. Gua Hong-Li sagt: „Für die Opfer des Anschlags war die Phase des Schmerzes nur ein kurzer. Wenigstens war ihnen da nicht fad. Nachdem sie den Himmel nicht wollten, werden die sie wieder geboren werden, die meisten als Moslems, vermutlich in Bosnien. Sie müssen noch üben.“

Pfarrer Ignatius Helmut W. sagt auf die Frage, ob er denn den life ball als Provokation gesehen hätte: „Na jo, gegen die Kirche rebellieren ist ungefähr so, als würde man eine offene Tür einzurennen versuchen. Mir is des wurscht. Ausserdem hab ich jetzt andere Probleme. Etliche von denen, die da gstorben sind, waren meine Pfarrkinder, auch wenn ich die bei der Erstkommunion des letzte Mal gsehen hab. Jetzt muss ich sie begraben…“

Theologin Prof.Dr. Inge T. meint hierzu: „Mit-einander ist immer besser als das Gegen-einander, aber auch sehr gut ist das für-einander in Berücksichtigung des Einander-einander. Man sieht an dem life ball, wie sehr die Sehnsucht nach Höherem gegeben ist.“

Darauf wieder Pfarrer Ignatius Helmut W. : „Ich wunder mich nur. Da kommens nimmer in die Kirche, und dann glaubens, sie sind Revoluzzer, wenn sie sich  a halberte Messe am Rathausplatz anhören…und ich muss sie begraben…“

Publizist Werner U. hierzu: „Das ist wieder Wasser auf die Mühlen der Rechtsradikalen!“

 

 

 

 

23
Mai
18

Terminators Kontemplation

 

Egon Friedell prognostiziert nach der auf (mehr oder weniger plattem) Rationalismus und Sensualismus basierenden Neuzeit ein spirituelles Zeitalter.

Ob Friedell damit recht hat, weiß ich nicht.

Eines aber weiß ich: Wenn unsere Welt nicht untergehen will, kann es keinen anderen Weg geben.

Weder Kommunismus noch Liberalismus noch sonst irgend eine materialistische Theorie hat Zukunft. Deren Kollaps ist ja gerade eben zu beobachten.

Auch der abstruse Glaube an die Naturwissenschaft, der gerade von jenen mit höchster Inbrunst praktiziert wird, die von Naturwissenschaften keine Ahnung haben, wird nicht helfen. Wenngleich, das muss man sagen, die Autoritätshörigkeit dieser Gläubigen selbst einem spanischen Großinquisitor gut anstehen würde. Nur betet diese neue Konfession zu weißen Mänteln, da fühlen sie sich dann intelligent.

Dann fangen sie an, über Hirnforschung, Hexenverbrennung und über sich selber, also über die Inquisition zu reden, und merken gar nicht, dass sie sich ex negativo ebenfalls über die Kirche definieren.

Diese braven Schäfchen machen ihren Glauben von nichts anderem abhängig als von den Fehlern des (zweifelsohne fehlerhaften) kirchlichen Bodenpersonals und sind damit genau so einfach steuerbar wie die, die sie zu bekämpfen vorgeben.

Alles das wird nichts helfen, nichts lösen, nichts klären.

Aber warum, frage ich mich, soll ich immerzu in diesem Schlamm herumstochern, aus dem es doch nichts zu gewinnen gibt?

Wo es doch schöne und inspirierende mystische Beiträge gibt wie:

https://letztersein.wordpress.com/2018/05/23/die-goettliche-hemisphaere-kann-es-sie-geben/

Also auf, verhelfen wir dem neuen Zeitalter zu seinem Recht!

In dem Artikel von „letztersein“ geht es um „oben“ und „unten„, um die immaterielle Welt.

Er schreibt:

„Oft habe ich über meinen Freund gelächelt, der in der Meditation ganz deutlich die beiden Richtungen „Oben“ und „Unten“ zu spüren vermochte.

Und ich habe gelächelt, weil ich mir dachte, dass „Oben“ und „Unten“ sich ganz natürlich als die beiden wichtigsten Richtungen des Menschen ergeben. Gut geeignet für eine Metapher also.“

Ein guter Diskussionsansatz, um sich dem Thema Meditation und Kontemplation zu nähern.

oben“ und „unten“ sind in der Meditation natürlich nur Metaphern.
Man könnte auch „Vertikale“ und „Horizontale“ sagen.

Was befindet sich nun in der Horizontalen (wenn wir von einigen Damen absehen wollen *ggg*)? Die Welt. Das Irdische. Die Stadt, das Land, die Strassen, die Gassen, die Arbeit.

Was befindet sich in der Vertikalen? Der Himmel und der Untergrund. Das eine voller Licht, das andere lichtlos. Beides aber ungreifbar (wenn wir von ein paar Flugzeugen und Ölbohrern absehen, aber wirklich hoch/tief kommen die ja auch nicht….).

Insofern sind oben und unten Symbole für das Nicht-Weltliche, also für das, was über das unmittelbar Materielle hinaus geht.

Nun ist es aber so, dass man in der Meditation tatsächlich so etwas wie Licht gibt, und auch einen vertikalen Fluss, eine oben-unten-Ausrichtung. Der nicht ganz anfängerhafte Meditierende weiß freilich, dass auch das Metaphern sind, nämlich Metaphern des Körpers, die für das Göttliche stehen.

Interessanterweise sind aber diese Erscheinungen bei jedem (der meditiert) recht ähnlich. Man darf aber den Fehler nicht machen, dies Metaphorische nun mit dem Göttlichen selbst zu verwechseln…

(na, das gilt ja auch in anderen Lebensbereichen! Soll ja nicht nur einmal vorgekommen sein, dass Metaphorik zu weit getrieben wurde…*ggg*!)

…interessante Lektüre hierzu ist „die dunkle Nacht“ vom Hl. Johannes vom Kreuz, der genau zwischen den körperlichen und den geistigen Aspekten der Kontemplation (mithin zwischen Kontemplation und Meditation) unterscheidet. Er skizziert typische Entwicklungsstadien des Kontemplierenden und setzt die von diesem erlebten Licht-und Dunkelphasen (ja, die gibt es, siehe Mutter Theresa; das wird zumeist als Depression mißdeutet) in Relation.

Man kann sich das so vorstellen: Wer traurig ist, weint öfter als andere. Es gibt also eine Korrelation zwischen nassen Augen und Traurigkeit. Für den Betroffenen ist sein Weinen weit mehr als nur Korrelation: Es ist eben eine Metapher – ein körperlicher Ausdruck – seiner Traurigkeit.

Umgekehrt kann man die Traurigkeit nicht dadurch erzwingen (soferne man das will), indem man sich die Augen nass macht. Weil: nicht jedes nasse Auge bedeutet Traurigkeit. Es kann auch einfach nur eine Bindehautentzündung sein…

Auf die Meditation umgelegt: „oben und unten“ sind per se gar nichts. Auch die Vertikalströmung, die man deutlich spürt, ist nicht per se götllich. Sie künstlich erregen zu wollen, bringt nichts.

Dennoch wissen zwei Meditierende, worüber sie reden, wenn sie „oben“ und „unten“ sagen. Ganz genau so, wie im Allgemeinen jeder Mensch weiß, was Weinen bedeutet.

Freilich kann es zu Missverständnissen kommen, wenn ein Mensch ohne Meditationserfahrung von diesen Begriffen hört, weil er denkt, es gehe in erster Linie um das „Vertikale“, also um das Vertikale per se. Das tut es aber nicht. Man braucht Metaphern, weil es für dieses eigentliche Göttliche keine Worte gibt….

…Hier wollen wir den Begriff „körperliche Metapher“ kurz diskutieren:

Im Gegensatz zu wörtlichen Metaphern (etwa: „das Auto ist schnell wie ein Pfeil„) ist die körperliche Metapher stärker an das gebunden, worauf es verweist. Zu diesen körperlichen Metaphern zählen Lachen, Weinen, Extase, Seufzen, etc.

Eine wörtliche Metapher ist meistens leicht austauschbar, zb kann ich statt:  „das Auto ist schnell wie ein Pfeil“ sagen: „das Auto ist schnell wie ein Blitz„. Auch zwingt mich nichts, diese oder jene Metapher für die Schnelligkeit des Autos zu verwenden: Ich kann es mir aussuchen. Das bedeutet: die Bindung zwischen Ding und Metapher ist leicht und lose.

Anders bei der körperlichen Metapher: Wir merken schon, dass wir das Wort „Metapher“ als Metapher verwenden! Nämlich für etwas, das stärker gebunden ist.  Bei einem wirklich guten Witz lachen muss ich lachen (na ja, vielleicht nicht jeder), ob ich will oder nicht. Das Lachen ist also stärker an den Ursprung, nämlich an die Erheiterung, gebunden. Dennoch ist das Lachen nicht mit der Erheiterung gleichzusetzen.

Die Bindung ist trotzdem sogar so stark, dass ich, etwa wenn ich mich zornig stelle, auch wirklich zornig werden kann. Es geht also auch der umgekehrte Weg. Wir Menschen sind eben Körper/Geist-Schnittstellen.

Bei der Meditation ist diese Bindung zuweilen noch stärker, weshalb es schwierig sein kann, zwischen dem körperlich-Metaphorischen und dem Geistigen zu unterscheiden. Johannes v. Kreuz erörtert diese Probleme sehr genau; ebenso den Weg zum rein-Geistigen: Hier verlässt er freilich das „Technische“ und bezeichnet die Wissenschaft der Kontemplation als Liebeswissenschaft – als das, worauf es tatsächlich ankommt….

….wo ich mir dann denke, wie etwa Roboter über weinende Menschen urteilen würden. Der eine würde uns für verrückt halten, der andere gar nichts sagen, und der dritte hätte womöglich den Gedanken: „die wollen sich nur wichtig machen.“

Wobei letzteres zwar durchaus stimmen kann, aber eben nicht immer. Ein solcher Roboter würde wohl vorschnell urteilen.

Oder, wie sagte einer der wichtigsten Theologen aller Zeiten, nämlich der Terminator: „Ich weiss jetzt, warum ihr weint. Aber das werde ich niemals tun können.“ *ggg*!

27
Mrz
18

Der Standard und die Trachten

In den 80ern und 90ern setzten sich die Redaktionen linksliberaler Zeitungen (Standard, Falter…) für die Freiheit der Kleidungswahl ein. Also eh gut, weil logisch und selbstverständlich.

Dabei ging es weniger um „Verbote“, denn Palästinensertücheln und Kapuzenpulis waren immer erlaubt, nur sind ihre Träger scheel angeschaut worden. Ziel war damals: jeder soll tragen, was er will, ohne stiefmütterliche Bevormundung.

Jetzt sind die Trachten auf einmal wieder im Gespräch beim „Standard“, der dümmsten aller Elite-Zeitungen. Frau Walnöfer fürchtet offenbar, die Trachten könnten Weltherrschaft erringen! Oder zumindest Österreich-Herrschaft!

Ja, trug denn Darth Vader Lederhosen?!

Trachten seien ein „nationalistisches Symbol“, erklärt uns justament jene Zeitung, die bei der Kopftuchdebatte (nein, wir meinen nicht die österreichisch-alpinen) „Differenzierung“ einfordert.

Wer also Trachten trägt, darf scheel angeschaut werden, weil er entweder Klerikalfaschist oder Nationioalist ist.

Endlich wieder gibt es also stiefmütterliche Bevormundung in Kleidungsfragen!

Dies zeigt exemplarisch die geistig-kulturelle Erstarrung der „abgeklärten Gesellschaft“. Nicht um Freiheit geht es mehr, sondern darum, ob man „geziemend gekleidet“ ist – nur dieses Mal mit umgekehrten Vorzeichen.

Das Autokratische erhält wieder Einzug – und jene, die sich für „liberal“ halten, haben den stärksten Anteil daran. Bestes Beispiel sind die Grünen, die, im Namen der Toleranz, nicht die geringste Abweichung mehr dulden, Diskussionen, Denken und sogar einzelne Worte verbieten wollen.

Nach dem Motto: „Bin ich für etwas anderes als Trachten, bin ich liberal. Huch, wie liberal muss ich dann erst sein, wenn ich auf Trachten verbiete? Und überhaupt gleich alles, was meiner Meinung nicht genehm ist?“

–Dass sie damit nichts anderes machen als ihre faschistischen Großväter, kapieren sie nicht. Sie SIND ihre Großväter (nur haben sie etwas anderes an).

Das ist eigentlich derartig karikaturhaft und lächerlich, dass es keiner weiteren Erwähnung bedürfte.

Denn jene Menschen, die um das Wesen der Freiheit Bescheid wissen, tun das auch ohne diesen Artikel, und jene, die das nicht tun,  die Form und Inhalt verwechseln, also Freiheit mit dem Tragen von Palästinensertücheln, werden es auch in hundert Jahren nicht kapieren.

Aber es werfen sich doch einige interessante Fragen auf. Zum Beispiel:

Ist den Menschen ein gewisser Zwang zur Uniformität inhärent? Und wenn es auch die „Liberalen-Uniform“ ist?

Brauchen die Menschen Feindbilder (früher: Juden, heute: Kirche und Trachten, weiße Männer, etc) zum Kuscheln? Kuschelt es sich also per negationem leichter?

Halten die Menschen das Nachdenken über reale Probleme nicht mehr aus, weshalb sie ersatzweise über Trachten, Rauchverbote und ORF-Gebühren reden müssen? Und natürlich über Hirnforschung und Hexenverbrennung?

Jaja, die Phantom-Themen.

Weil der Gesellschaft der Abklärung das eigentliche Thema: Islam und Islamismus zu heikel ist, wird ein „Kopftuch-Thema“ daraus.

Die religiöse Debilität lässt ja, weder bei Linken, noch bei Rechten, eine andere Behandlung dieses Themas zu.

Und weil diese Kopftücheln Trachten sind, allerdings orientalische Trachten, muss es in der suizidalen und masochistischen Abklärer-Gesellschaft sofort eine thematische Ablenkung, nach dem Motto: „Wir sind schuld!“ zu unseren Dirndln und Lederhosen geben.

So kann man schön an der Oberfläche bleiben und über eigentlich nichts reden und sich dennoch sehr gescheit vorkommen.

An der eigenen inneren Leere geben sie einfach den Großvätern und ihren Trachten die Schuld, sie wissen ja: Wir SIND unsere Großväter, (aber dann auch wieder nicht…..), so, dass sie den Hass auf ihre eigene innere Leere und also auf sich selbst zwar irgendwie benennen, aber ihn vorsichtshalber doch zurückdatieren.

 

16
Dez
17

touristische Seelen

Habe mir gerade „O Palmenbaum“ angeschaut – ein genialer Film.

Was mir aber auffällt: Jetzt, wo die single-bells-Familie Weihnachten in Mauritius feiert, ist sozusagen „alles in Ordnung“ (nicht wirklich). Also weg von zu Hause, ins Urlaubsparadies, und das Innenleben ist in Ordnung.

Anscheinend sind wir von unserer eigenen, in Routine erstarrten Kultur schon so angepisst, dass wir nur noch flüchten wollen, als Touristen, sozusagen. „Alles, nur nicht das gewohnte“, sozusagen. Abwechslung um jeden Preis. Flucht vor der Verkrustung. Vor allem natürlich vor Weihnachtsfeiern und vor dem eigenen Glauben.Auch diesbezüglich wären wir gerne Touristen. Je fremder die Religion, desto lieber.

Und wie die Urlaubsdestination auswechselbar ist, so soll natürlich auch der Glaube auswechselbar sein. Am besten jeden Sommer. Wie die Mode. Was trägt man denn heute? Hinduismus? Islam?

Das Problem an der Sache: Wir sind nicht Touristen unserer Seele. Wir haben eine Heimat. Huch! Habe ich Heimat gesagt? Das verhasste Wort? Das Spiesser-Synonym? Das Rechtsextremen-Chiffre?

Fällt uns was auf?

Ja, wir haben eine innere Heimat, in uns selbst, mit Verantwortung und Selbstbestimmungsrechten. Etwas, das Touristen nicht haben. Deren Mitleben ist nur oberflächlich.

Warum also sind wir so gerne Touristen unserer Seele? Weil es zu Hause fad werden kann, auch depressiv, verstaubt, abgewohnt und gewöhnt. Also nichts wie weg, und wieder bei Null anfangen. Tapetenwechsel.

Aber man kann nicht vor sich selber fliehen; das Ich holt einen immer wieder ein. Der landläufige Atheismus ist eine solche Fluchtbewegung: nur weg, egal wohin. Eine Bewegung nach außen, an die Oberfläche. Ins Hotel sozusagen, während die Wohnung zu Hause leersteht. Die hat man nämlich verwahrlosen lassen…..

Ja was glaubt ihr denn, wie lang es dauert, bis das Hotelzimmer aussieht wie die Wohnung? Es gibt keine Dienstboten der Seele. Die Seele kennt kein Geld….

Wir sind in einer Endzeit angelangt, die scheinbar perfekt ist. Menschenrechte, Technik, Komfort, Geld, Pensionsvorsorge. Die Vertröstungen der Religion also unnötig. Und seltsam, alles verflacht. O Wunder, weder Wissenschaft noch Sozialismus schaffen Tiefe. Der Gemeinschaftsbegriff als Identitätsstiftung ist obsolet. Ja, sogar die Charity-Ladies versagen. Das Ich, vom Dauer-Urlaub aufgerieben, ist am Nullpunkt angelangt.

Irgendwann wird das Ich wieder zu sich zurückfinden müssen. Wir werden um diese Mühe nicht herumkommen. Die muffige Wohnung des Glaubens wieder aufsperren und eintreten. Wir werden uns der Mühe unterziehen müssen, die Tiefe neu zu finden. Nicht an den Grenzen des Ich halt zu machen, die wir bis dahin als das letztmögliche angenommen haben.

Wir müssen auf die Suche gehen und in der Wohnung unseres ich nach jenem geheimen Stiegenaufgang suchen, von dem einst gesprochen wurde und den wir erahnen, wenn es um uns still wird.

 

08
Nov
17

mimimimitoo!

ÄÄhh, ich meinte natürlich memememetoo!, also eigentlich metoo!,

und weil sich nun alle ihren Senf abgebend aufregen, dass alle ihren Senf dazu abgeben, geb ich auch noch meinen Senf ab. Dijon-Senf natürlich.

Jetzt sind sie also alle belästigt geworden, vor allem die Frauen, (wobei wir hier die Zahl jener Frauen abziehen wollen, die böse sind, wenn man sie NICHT belästigt, aber diese Zahl kennen wir nicht; vermutlich eine konjugierte komplexe?, aber gut, die Studie kann man ja später mal machen…), ich auch! ich auch!, vor allem das journalistische Niveau scheint dauernd belästigt zu sein durch auch noch senil machende Hirngrapschereien.

Ich auch!, Ich auch!, liebe Mimimimi, oder auf gut wienerisch: i ah! iah!, und schon sind wir bei den Lauten eines Esels. Das ist sicher nur Zufall, oder besser gesagt: Einzelfall. Aber lassen wir auch das.

Jetzt haben sie also die Wahl verloren, nachdem die Genderei von lächerlich auf femischistisch umgeschlagen ist (ja, die Wortspiele! Faltern ist möglich!), und wissen nicht, wohin mit den durch die Chakren fließenden Körper- und Lichtsäften. Woher sollten das Religionsdebile, besser gesagt: Anti-Religionsdebile auch wissen?

Der Geistesmotor rotiert und rotiert, bis er ENDLICH ein neues Thema hat: metoo! Freilich greift das ganze metaphysisch ungefähr so gut wie Vollgas im Auto, bei dem man die Kupplung ganz durchdrückt. Es heult auf, nichts passiert. In kürzester Zeit finden wir uns wieder im Stadium hysterischen Gekreischs, der Orgasmus standardscher Geistesonanie.

Lustig auch, dass  jene, die bei den Massenvergewaltigungen in Köln geschwiegen haben und sich zu geschätzten 80% mit den metoo-Kreischern mengenmäßig überschneiden, ausgerechnet jene nämlich, denen, die damals das nicht-ganz-so-Supere dieer Köln-Bereicherungs-Aktion zu bedenken geben wollten, „Hysterie“ vorgeworfen haben….

 




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