12
Mrz
17

österreichisch-türkisches feingefühl

Der Türke mit zwei Pässen wählt

in der Türkei: AKP. Weil er ein Patriot ist.

Und in Österreich: Die Grünen.

Weil er für Toleranz ist…..

13
Feb
17

das grundrauschen des individualismus

Im 19. Jahrhundert bestand die Wissenschaft aus Katalogisieren und einordnen. Geordnet wurde von Würmern bis Schmetterlingen, von Moosen bis zu Gesteinen, alles was sich irgendwie nummerieren ließ. Man wollte Tendenzen herausfinden und daraus Schlussfolgerungen ziehen.

Heute sind diese Mappen mit getrockneten Insekten, die staubigen Kästen mit den nummerierten Steinchen lustig bis unheimlich anzusehen.

Auch auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften fand eine solche Einordnung statt. Man katalogisierte in geschichtlichen Zeitaltern, in Philosophien, in Religionen, in „Rassen“, man suchte nach Analogien und Tendenzen. So etwa Spengler, der freilich schon im 20.Jahrhundert arbeitete, aber das läßt sich durchaus als „Nachhall“ verstehen, während in den Naturwissenschaften mit Quantenphysik, Relativitätstheorie etc. ein neues Zeitalter sich anbahnte.

Das 20. Jahrhundert ging den Dingen -in den Naturwissenschaften- tiefer auf den Grund: Aus Katalogisieren wurde die Simulation, aus bloßem Ordnen die Vorhersage der Dinge und ihrer Eigenschaften. Heute können Eigenschaften von Materialien (und nicht bloß die mechanischen), das Wetter und das Universum (in Ansätzen) errechnet werden.

Logisch, dass da auch die Geisteswissenschaften nachziehen wollten und die Einordnung verpönten.

So ist denn das Wort „Rasse“ nicht bloß wegen seinen amoralischen Implikationen stigmatisiert, sondern, weil es auch dem naturwissenschaftlischen Denken einer vergangen Zeit entspricht.

So gut das auch für manche Aspekte sein mag – kein Vollsinniger wird die absolute Unsinnigkeit einer „rassistischen Theorie“ bezweifeln –

-fragt man sich dennoch, wie nun ein Welt- und Menschenbild aufgestellt werden soll,

in dem es keine geschichtlichen Zeitalter mehr gibt, sondern nur „Fortschritt“, und damit jede Möglichkeit des Irrtums a priori ausgeschlossen werden soll. Können wir uns denn nicht irren? Ist das Irren-dürfen nicht einer unserer tiefsten und humansten Wesenzüge?

Wie soll ein Zeitalter bestand haben, dass sich selber nicht mehr einordnen kann, weil es keine Einordnung mehr gibt? Ist die Selbstpositionierung -wo stehen wir?-wo stehen die anderen?- nicht eine unbedingt notwendige Voraussetzung für psychologische Selbstreflexion?

Bilden wir uns das wirklich nur ein, dass die Zeit kälter, dümmer, und damit restriktiver wird?

Was bleibt von den Menschen übrig, wenn wir alle einordnenden Kriterien subtrahieren?

Das „Individuum“? Der „Individualist“?

Die ganze Welt als ein Produkt von lauter „Einzelfällen“?

Da stimmt doch was nicht.

Wie „individuell“ kann denn jemand sein, der sich nicht als ein Kind seiner Zeit betrachten kann, weil er über das eigene Zeitalter nicht reflektieren kann? Da es dieses „ja gar nicht gibt“?

Ein Hintergrundgeräusch wabert im Zeitalter unserer Abklärungen: das chaotische Rauschen des Individualismus, das Bildschirmflimmern der Milliarden Einzelfälle, die wir uns nicht erklären können. Es verschluckt leisen Zwischentöne.

Gerade diese Zwischentöne würden uns aber ein räumliches Gefühl vermitteln, eine, sagen wir mal, „Orientierung“. Dieses Rauschen macht uns unfähig, Tendenzen zu erkennen, unfähig, in langen Zeiträumen zu denken.

Die Ideologie des Rauschens lässt nur mehr „Zufälle“ zu.

Glauben wir allen Ernstes, die Menschen des Barock hätten „zufällig“ alle zur selben Zeit Perücken getragen?

Glauben wir allen Ernstes, die Menschen zukünftiger Zeiten würden sich nicht über manche unserer Einstellungen totlachen oder empören? Dass wir un-peinlich wären?

Oder, dass in Europa rein zufällig zur selben Zeit solche seltsamen Steingebilde aus dem Boden schossen, die man heute „gotische Dome“ nennt?

Glauben wir allen Ernstes, dass die Barbarisierung  der islamischen Welt ganz einfach nur zufällig jetzt, im Jahr 1385 n. M., stattfindet?

(Hoppla, jetzt verstoße ich gegen die Einzelfallideologie, also schnell korrigiert: Ich meine natürlich NICHT alle Individuen, wohl aber eine überproportional große Zahl derselben, siehe natürlich Statistiken, siehe Internet, alles außer Statistiken ist ja auch verboten…)

Wir sehen: dieses Grundrauschen des Individualismus gibt es gar nicht, das bilden wir uns nur ein. Auch wir folgen mehr oder weniger blind unserem Zeitalter, und nein, nicht alle Zeitalter sind gleich gut.

Drehen wir die Vorstellung des Grundrauschens leiser, hören wir etwas anderes. Manches davon wird uns nicht gefallen. Möglicherweise hören manche aber auch eine ganz leise Musik; aber die ist nicht von hier, sie kommt von der anderen Seite, die wir noch nicht kennen….

 

 

31
Jan
17

ein echter Wiener geht jetzt unter

Im Prinzip hat sich Kultur immer schon aus der Subkultur entwickelt. Neu ist allerdings, dass sich die Kultur nun auf dem subkulturellen Stand der 90er Jahre (ungefähr) „einfrieren“ will.

Wir haben es also mit extremem Konservatismus zu tun (der sich „postmodern“ nennt).

Beispiel: In Ö gab es eine Fernsehserie aus den 70ern namens „Ein echter Wiener geht nicht unter“. Damals ein Skandal, da man es wagte, den echten, „roten“ Wiener Proleten darzustellen.

Heute ist diese Serie Kult. Ja, diese Serie war ein Skandal, man hat sie trotzdem gemacht!

Heute müsste man diesen Wiener Proleten als „blauen“, also als rechten FPÖ-Wähler darstellen. Das traut sich freilich keiner. Zum einen, weil die Gesellschaft wirklich neues nicht ertragen würde, zum anderen, weil ein Schauspieler, der wenn auch nur komödienhaft, auf den Islam schimpft, seines Lebens nicht mehr sicher wäre……

……bekanntlich hat es ein Sequel gegeben. Das war erstens unglaublich schwach, weil: nostalgisch und aufgewärmt,

und zweitens hat sich der „Mundl“ (Hauptrolle) „politisch korrekt“ verhalten: anstatt die Wahrheit unkommentiert aufzuzeigen, wollte man nun „belehren“: so verhält sich ein braver Prolet!

…Wir leben in einer „pädagogischen“ Zeit: lauter selbsternannte Fräulein Rottenmeiers und Gott Kupfers.

Jetzt stecken sie ihren belehrenden Zeigefinger in jede Körperöffnung. Ach könnten sie sich auf nur Schüler beschränken, und bitte nicht einmal da….!

 

 

31
Jan
17

die schicke Elite des Establishments- die Mäßigung

Den allgemein bekannten, von Karl Popper formulierten Satz, dass die Grenzen der Toleranz dort enden müssten, wo die Intoleranz einer anderen Ideologie anfängt, hat unsere Gesellschaft insofern gut inkorporiert, als sie etwa dem Nationalsozialismus und dem Faschismus mit der ihm gebührenden kämpferischen Ablehnung begegnet.

Hier funktioniert der Schutzmechanismus gut.

Nun lässt sich zwar nicht gerade behaupten, dass es keine faschistoiden Grauzonen in unserer Gesellschaft gäbe, aber diese Schichten werden als außerhalb unserer kulturellen Konvention stehend, geächtet, nämlich als Manifestation, dass diese eben nicht „Teil der Gesellschaft“ seien. Siehe: die Reaktionen auf Trump, Orban, Strache, AfD, etc. Hier will ein kulturelles, ja pseudoreligiöses Erbe bewahrt werden (siehe Toleranz als Religion).

Und wenn es um die Religion geht, das wissen wir, können Gesellschaften so richtig unangenehm werden…..

Umgekehrt wundert man sich, dass Faschismus nicht als solcher erkannt wird, wenn er sich das Deckmäntelchen einer fremden Religion umhängt. Interessant, wie sich Erkenntnisse insofern nur unter den größten Krämpfen und Wehen entwickeln; wie eigentlich ganz selbstverständliche Dinge, nur unter den schrecklichsten Geburtsschmerzen der Dummheit, in den Gehirnen der Menschen ihren rechtmäßigen Platz einnehmen (oder auch nicht).

Interessant, aber nicht verwunderlich.

Beides ist ein Produkt des Nachnazi-Denkens.

Der Faschismus nationalsozialistischer Prägung stellt das Paradigma der Intoleranz schlechthin dar; deshalb wird der Poppersche Satz auf diesen richtig angewendet: dass man den Faschismus abzulehnen, zu bekämpfen, nicht zu tolerieren hat, kurz gesagt: ihn unter dem Gesichtspunkt der Intoleranz zu behandeln hat.

Derselbe Faschismus hat bekanntermaßen auch zur grauenvollsten Verfolgung einer fremden Religion, nämlich dem Judentum, geführt. Deshalb wurde es zum kulturellen Paradigma des Westens, auf dass so etwas nie wieder passieren könne, dass jeder fremden Religion mit der größtmöglichen Achtung und Toleranz zu begegnen, also unter dem Gesichtspunkt der höchstmöglichen Toleranz zu begegnen sei.

Wenn sich nun aber Faschismus und fremde Religion ununterscheidbar zu einem neuen Ding verbinden, so hat man also etwas vor sich, das man, nach den Vorgaben unserer Gesellschaft, zugleich unter dem Gesichtspunkt der höchsten Toleranz und der höchsten Intoleranz zu behandeln hat.

Das geht aber nicht, weil es sich widerspricht.

Ein Ding, das Widersprüche miteinander verbindet, nennt man Paradox.

Nun sind bereits rein logische Paradoxien zum Haare-Raufen wie zb: Ein Kreter sagt, alle Kreter lügen immer.

Hier aber haben wir es mit etwas weitaus schlimmerem zu tun: einem emotionalen Paradox!

Wen wundern da noch die geistigen Krämpfe?

Nun gibt es zur Lösung eines Paradoxons prinzipiell zwei Möglichkeiten. Möglichkeit 1: Man geht in die Tiefe und trennt es „von innen“ her auf, indem man „Religion“ und „Faschismus“ voneinander separiert. Dazu müsste man aber erst einmal die Verbings-Stränge kennen.

Möglichkeit 2: Man ignoriert ganz einfach die faschistischen Elemente der Auswüchse der fremden Religion, und sagt: „die gibt es nicht“. „Das hat nichts damit zu tun.“ „Das kommt doch bei uns auch alles vor.“ „Einzelfälle.“ Man schiebt es auf psychologische Ursachen: „die sind kriegstraumatisiert„; oder man euphemisiert es: „anderer Wertekanon„, etc.

Offensichtlich hat sich unsere Gesellschaft für Möglichkeit 2 entschieden. Sie macht sich damit mit-schuldig an dem, was sie unbedingt verhindern wollte: dem Aufkommen eines neuen Faschismus.

Möglichkeit 1 wäre nämlich um einiges unbequemer: Da käme man nämlich darauf, dass eine so scharfe Trennung in fremde Religion einerseits und Faschismus andererseits nicht so ohne weiteres funktioniert – wenn nämlich faschistoide Tendenzen in der, nennen wir es mal „Primärliteratur“, zu finden sind…

….dabei wäre gerade das befreiend: Ehrlichkeit, Wahrheit, und jawohl, Aufklärung! Gerade diese Wahrheitsliebe würde nämlich wieder das rechte Maß (womit wir beim Thema wären) in die Diskussion und in uns selbst einbringen. Dass etwa gegen einen Gottglauben überhaupt nichts zu sagen ist, aber ein hasserfüllter Gott, der aufruft, seine eigenen Kinder umzubringen, einfach nur ein Monster ist, eine contradictio in adjectio. Dass man durchaus was mit Dichtern wie Omar Khajam, Hafis und was mit Mystikern wie Avicenna anfangen kann, dass diese aber, mal ganz ehrlich, meilenweit über ihrem „Primärliteraten“ stehen.

Die Wahrheit macht einen nämlich nicht nur frei, sondern sie gibt auch das richtige Maß: Wer aber Widersprüche in sich selber niederschreien muss, um auf diese nicht aufmerksam werden zu müssen, kann dieses Maß nicht finden.

In den vorhergehenden Artikeln die schicke Elite des Establishments… wurde gesagt, dass wir im Grunde die Religion der Unschuld pflegen und die einzige Tugend dieser „Religion“ die Toleranz ist.

Und weiter, dass aber eine einzige Tugend niemals alle Tugenden ersetzen kann. Nun aber haben alle Religionen etwas maßloses. In diesem Falle also: die Toleranz in maßlose Höhen zu treiben. Da liegt die unbewusste Hoffnung darin, solche wie oben geschilderten Widersprüchlichkeiten gleichsam in unendlicher Toleranz in Wohlgefallen aufzulösen. Das aber nicht funktioniert, weil es dem Popperschen Satz zuwider läuft.

(Da stellt sich freilich die Frage, warum die Religion der Toleranz nicht auch gleich den hierzulande geläufigen Faschismus durch unendliche Toleranz zu Nichts auflösen will. Die Antwort ist wohl aus den Ausführungen oben herzuleiten. Eine primitive Religion ist immer auch stark manichäisch und braucht ihren „Teufel“. Den braucht man nicht aufzulösen, weil er sowieso böse ist. Daher sind FPÖler, AfDler etc. nicht bloß geächtet, sondern tatsächlich „gebannt“, also exkommuniziert unter der Androhung, das Paradies der Toleranz für immer zu verlieren.)

Blöderweise versteht die Religion der Toleranz aber die Sache mit der Maßlosigkeit falsch: In intelligenten Religionen bezieht sich die Maßlosigkeit auf das geistliche, das über-Irdische: Unendlich ist die innere Würde jedes Menschen (unabhängig vom Erleuchtungsgrad), die Liebe, der ewige Friede.

Tugenden sind aber irdische Dinge, und hierzu zählt die Mäßigung und die Toleranz.

Angenommen also, ein Vater liebt sein Kind unendlich (d.h. maßlos).

Angenommen nun, das Kind mag Schokolade.

So wird nun der Vater sein Kind dennoch nicht mit unendlichen Mengen Schokolade füttern, da das Kind dadurch Schaden nehmen würde.

Er wird vielmehr dem Kind in Maßen Schokolade geben, dass sich das Kind zwar freut, aber dennoch gesund bleibt.

Gerade durch diese Mäßigung (die sicher nicht immer das Gefallen des Kindes finden wird), lebt der Vater die Liebe.

Und liegen wir nun falsch, wenn wir statt „Schokolade“ nun das Wort „Toleranz“ schreiben?

 

 

11
Jan
17

Vermischtes

Erstens:

In Frankreich gibt es laut „diePRESSE“ ein neues Gesetz, das es verbietet, sich in digitalen Medien gegen Abtreibungen zu äußern. Zum Glück sind wir nicht in Frankreich. Wir dürfen noch schreiben, dass wir die Tötung der Wehrlosesten nicht ganz so toll finden.

Wie wärs, wenn wir die ungeborenen wenigstens so gut behandeln wie die Flüchtlinge? Nur um richtig verstanden zu werden: zum Wohle beider! (ich denke da auch an erziehungstechnische Maßnahmen…)

 

Zweitens:

Zum Thema „Hasspostings“: ist eigentlich schon irgendjemandem aufgefallen, dass es sich bei diesem Thema um eine psychologische Projektion handelt?

„Projektion“: das bedeutet, von einem Problem auf ein anderes abzulenken.

Das Problem: es gibt derzweit zwei (oder drei) Hass-Pole: den unsrigen (Neo-Nazis) und den dortigen (Islamismus). Wobei ich zweiteren für den gefährlicheren halte. Siehe IS etc.

Dann wäre noch zu überlegen, ob Leute, die anderen Leuten das kritische Sprechen über die Ermordung der Ungeborenen verbieten wollen, nicht auch ein Hass-Problem haben.

Nun aber haben die Medien ein Hass-Monopol erwirkt: Hassen, das tun AUSCHLIESSLICH unsere Rechten. Das ist das einzige Thema, über das diskutitiert werden darf. Man könnte das als eine Art quantitative Ablenkung betrachten, um sich tatsächlich religiöse Diskussionen zu ersparen.

Kann man es einer religionsdebilen Gesellschaft verdenken, die von Spiritualität keine Ahnung hat und daher weder die eigene, noch andere Religionen zu beurteilen verstehen, sich dieses Thema ersparen will?

„Nur ned darüber reden, des ghört sich ned!“ – Ja, wir leben in einem neuen Biedermeier (leider ohne Hegel und Schubert).

Drittens:

Zu Punkt zwei passt sehr gut das Weihnachtsplakat der SPÖ Wien, in dem das ganze Ausmaß der gewollten Verflachung wunderschön-unfreiwillig zur Schau gestellt wird.

Weihnachten? Kekse backen! Kekse fressen! (Unter dem Wimpel der drei Pfeile natürlich). Sich den Magen verrenken!

Mystik? Wenn, dann eine Diskussion über Weihnachtskeksweizenmehlgluten.

Ach, Sie backen schon mit Dinkel?

Na, dann ist ja alles gut.

15
Dez
16

die elite des schicken establishments teil3: die unschuldsgurke

Was ist nun jene Idee, die „in der Luft hängt“ (siehe vorheriges Kapitel) und unsere Kultur dominiert?

Sie erwächst meiner Ansicht nachaus zwei Wurzeln.

Wurzel 1:

Keine Kultur verkraftet es, 50 000 000 Tote auf dem Gewissen zu haben. Da muss sich eine Reject-Reaktion einstellen. War der Verursacher dieser Apokalypse das Paradigma der Intoleranz, so müsse nun, sagten sich die Menschen, halb unbewußt, die neue Zeit „ordentlich“ werden. Wir sprechen von der Nachkriegszeit.

Diesen Ordnungsfimmel könnte man als die unmittelbare Schockwirkung des kollabierenden Nationalsozialismus verstehen: einerseits war der Gesellschaft die Barbarei Hitlers noch wie eine tiefe Fleischwunde eingeprägt, andererseits war man aber schon im Spital, die Wunde wurde sozusagen desinfiziert, und so sollte es bleiben: Grau und steril.

Wie wir wissen, blieb es nicht so. Allmählich vernarbten die Wunden, und man wollte über die gefühllosen, verbrannten Stellen wieder was Buntes anziehen. In dieser Zeit sind wir jetzt.

Aber diese unsere Nach-Nach-Zeit ist weit davon entfernt, als „geheilt“ betrachtet werden zu können. Die Narben sind noch da und immer noch gefühllos, am Abend, wenn die Kultur mit sich allein ist, sieht man sie wieder……

Die geistigen Spuren sind noch da. Also ging es darum, nunmehr GENAU das Gegenteil zu tun: Waren die Nazis das intoleranteste, das die Welt je gesehen hatte, so sollten wir nun zu den Tolerantesten aller Zeiten werden.

An sich keine schlechte Idee.

Wurzel 2:

Unsere Geschichte beginnt nicht im 2. Weltkrieg. Wir sind das Produkt der Neuzeit und damit jener Krisis, die aus einen auf das sensualistische reduzierten Rationalismus resultierte, deren äußerste Form der Materialismus ist, die dumpfeste aller Weltanschauungen.

Wir haben zugleich den Höhepunkt und das perspektivenlose Ende der Neuzeit erreicht, Religion, Spiritualität und Mystik sind durch Naturwissenschaften ersetzt worden. Der Mensch wird reduziert auf eine politische Entität. Dies spiegelt sich symptomatisch in dem Stehsatz „Wie kann man zugleich Naturwissenschaftler und religiös sein?“, der freilich zum Dümmsten gehört, was je ein Menschenmaul verlassen hat.

Natürlich aber braucht jeder Mensch einen Glauben, natürlich hat jeder Mensch, ob er es weiß oder nicht, eine Religion. Und so bastelt er sich einen Religionsersatz.

Diese zwei Wurzeln sind nun zu einer Idee verwachsen, und diese lautet (freilich unbewußt): die Toleranz ist unsere neue Religion.

Oder anders formuliert:

Die Nazis waren intolerant und grauenhafter Verbrechen schuldig. Wir aber wollen tolerant und unschuldig sein.

Ja, die Unschuld. Es geht um die Unschuld: wenn wir sonst schon nichts sind, so wollen wir wenigstens DAS sein. Und diese ist ja tatsächlich ein religiöser Aspekt.

Und so haben wir (oder sagen wir: die gesellschaftlich Dominanten) ihr Innenleben mit Toleranz aufgefüllt.

Problem dabei ist, dass es sich bei der Toleranz um eine Sekundärtugend handelt. Sie dient dem Zusammenleben, dem Kontakt mit dem Anderen, dem Äußeren, dem, was NICHT ich ist. (Denn mir selber gegenüber werde ich wohl tolerant sein.) Sie betrifft per Definitionem nicht mein Innen– sondern mein Außenleben.

Wenn aber von der gesamten Mystik nur mehr noch die Toleranz verbleibt (das dem so ist, zeigt unsere religiöse Debilität, die wir mit „Aufgeklärtheit“ verwechseln), so wird in unserem „Innen“ ein Mangel auftreten.

Und so stopfen wir nun immer mehr Toleranz (wir haben ja nichts anderes) in uns hinein, bis wir den Rest unserer Mystik abgelegt haben, denn mit religiösem könnte man ja anderen „zu nahe treten“, bis unser Leben nur noch aus Wellness, Mode und Restaurantbesuchen besteht,

wir stopfen weiter, bis wir bis wir auch Radikalismen total toll, weil: so exotisch, finden,

und stopfen weiter, bis wir schließlich auch dem Töten der Wehrlosesten, nämlich dem ungeborenen Leben total lässig und gleichgültig gegenüber stehen. (Siehe auch: religiöse Debilität.)

Dass man mit der Abtreibung schon verdammt nahe an den nationalsozialistischen Euthanasieprogrammen ist, liegt in der Natur der Sache.

Aus unserem Versuch, die Unschuld immerfort zu verdichten und zu materialisieren, ist tatsächlich etwas geworden, ein häßliches, vor Ignoranz und Debilität stinkendes Ding: die Unschuldsgurke.

Ein Ding, zum lustvollen Stopfen in die Körperöffnungen sehr gut geeignet.

Auch die Nazis hatten Tugenden, zb. Gehorsam und Treue. Gehorsam zu Mördern und Treue zum Bösen.

Meister Eckehart sagt: wenn einem Menschen nur eine Tugend fehlt, so kann er über diesen Mangel in das Böse kippen.

Und umgekehrt: wenn er eine Tugend wirklich hat, so hat er mit ihr auch alle anderen Tugenden.

Nur muß dazu gesagt werden, dass manche Tugenden besser geeignet sind als andere, um die Gesamtheit der Tugenden zu erlangen, weil sie zentraler sind; sozusagen näher an der Schaltstelle der Seele sitzen.

Die Toleranz ist also denkbar schlecht geeignet, als zentrale Tugend zu fungieren, dazu ist sie viel zu peripher und zu leichtgewichtig.

Und dass wir nicht einmal die Toleranz wirklich besitzen, zeigt alleine schon, dass dem aktuellen Toleranzbegriff eine Tugend fehlt: die Mäßigung.

Bald mehr darüber.

 

12
Dez
16

die schicke elite des Establishments Teil 2

Eine iterative Näherung scheint bei diesem schwammigen Begriff angebracht. Tatsächlich taucht ja kaum ein diffuserer Begriff auf, unwillkürlich denkt man an „Verschwörungstheorie“.

Wer sind diese Eliten?

Die Meinungsmacher?

Wohl kaum, denn da müsste ja die Kronen Zeitung als elitärste Elite angesehen werden. Eher vermutet man die Elite irgendwo in der Meinungswolke rund um Standard, Profil, Falter, News (jawohl!) etc.

Die Intellektuellen?

-Auch nicht, denn was eben jene Medien in Zusammenarbeit mit dem ORF seit letztem Jahr produzieren, lässt sich eher als „geistig behindert“ bezeichnen.

Oder wie nennt man das korrekterweise? „Mit besonderen Bedürfnissen“.

Welche Bedürnisse werden da befriedigt?

So mag man etwa für oder gegen Zäune an Grenzen sein, aber zu glauben, Zäune würden Migrationsbewegungen nicht beeinflussen können, ist entweder Wunschdenken oder schwachsinnig. Seit frühester Menschheitsgeschichte gibt es Stadtmauern, und ich nehme einmal an, sie werden auch einen Effekt gehabt haben….

Oder, anderes Beispiel:Im „Standard“ wurde uns vorgerechnet: Österreicher (in Österreich) sind krimineller als Afghanen. Warum? Weil sie INSGESAMT mehr Verbrechen begehen. Man vergleicht also ein paar zigtausend Afghanen direkt mit ein paar Millionen Österreichern…..war da nicht was?

Richtig! Pro-Kopf-Rechnen. Also Verbrechen durch Anzahl der Gruppe dividieren.

Das haben sie leider nicht mehr geschafft, die intellektuellen Standard-Redakteure. Gehört ja auch zu den schwierigsten Kapiteln in der Mathe-Unterstufe.

Nein, mit „Elite“ können nicht die Intellektuellen gemeint sein.

Oder sinds die Vdb-Wähler?

Sorry, Fehlanzeige. In meinem Bekanntenkreis wiesen die Hofer-Wähler durchwegs höheren Bildungsgrad auf.(Was nicht heisst, dass sie ihn für sympatisch hielten). Es wäre interessant zu untersuchen, wie sich der Wähleranteil der Naturwissenschaftler/Techniker einerseits und der GRUWIs andererseits verhält.

Ich nehme an, das Ergebnis wäre überraschend. Und wenn man dann die intellektuelle Potenz der Soziogenderpublizistiketc-Absolventen mal genauer unter die Lupe nehmen nähme, würde sich der Satz „Intellektuelle für VdB“ recht schnell relativieren.

Und dennoch gab es da eine gigantische Medienfront, von Profil, Standard, News, bis zu Conchita Wurst und ORF, die einem Grübler den Gedanken, dass Menschen, die ihr Leben lang nichts anderes kennen gelernt haben als (jahrzehntelang nach unten nivellierte) islamistische Radikalismen, Imame des Wahnsinns, die ihren Leuten zwar nicht Lesen und Schreiben, aber einen unbändigen Hass auf alles andersartige(-glaubende) beigebracht haben, halt dann auch diese Verblendung in sich tragen werden, ganz einfach mal verbieten. Nicht einmal im Ansatz war dieser Gedanke erlaubt- nun raschelts ganz leise im Gebüsch.

Auf unserer Suche nach „Elite“ wird man sich wohl mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass Ideen in der Luft liegen können. Nicht die Menschen suchen sich die Ideen, sondern die Ideen suchen sich „ihre“ Menschen.

Manche Ideen, selbst und gerade die dominanten, können aber auch schwachsinnig sein.

Und diese schwachsinnigen Ideen suchen sich dann die kongruenten schwachsinnigen Menschen, über die sie die Gesellschaft dominieren können.

Das nächste Mal mehr darüber.