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Mrz
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Der Standard und die Trachten

In den 80ern und 90ern setzten sich die Redaktionen linksliberaler Zeitungen (Standard, Falter…) für die Freiheit der Kleidungswahl ein. Also eh gut, weil logisch und selbstverständlich.

Dabei ging es weniger um „Verbote“, denn Palästinensertücheln und Kapuzenpulis waren immer erlaubt, nur sind ihre Träger scheel angeschaut worden. Ziel war damals: jeder soll tragen, was er will, ohne stiefmütterliche Bevormundung.

Jetzt sind die Trachten auf einmal wieder im Gespräch beim „Standard“, der dümmsten aller Elite-Zeitungen. Frau Walnöfer fürchtet offenbar, die Trachten könnten Weltherrschaft erringen! Oder zumindest Österreich-Herrschaft!

Ja, trug denn Darth Vader Lederhosen?!

Trachten seien ein „nationalistisches Symbol“, erklärt uns justament jene Zeitung, die bei der Kopftuchdebatte (nein, wir meinen nicht die österreichisch-alpinen) „Differenzierung“ einfordert.

Wer also Trachten trägt, darf scheel angeschaut werden, weil er entweder Klerikalfaschist oder Nationioalist ist.

Endlich wieder gibt es also stiefmütterliche Bevormundung in Kleidungsfragen!

Dies zeigt exemplarisch die geistig-kulturelle Erstarrung der „abgeklärten Gesellschaft“. Nicht um Freiheit geht es mehr, sondern darum, ob man „geziemend gekleidet“ ist – nur dieses Mal mit umgekehrten Vorzeichen.

Das Autokratische erhält wieder Einzug – und jene, die sich für „liberal“ halten, haben den stärksten Anteil daran. Bestes Beispiel sind die Grünen, die, im Namen der Toleranz, nicht die geringste Abweichung mehr dulden, Diskussionen, Denken und sogar einzelne Worte verbieten wollen.

Nach dem Motto: „Bin ich für etwas anderes als Trachten, bin ich liberal. Huch, wie liberal muss ich dann erst sein, wenn ich auf Trachten verbiete? Und überhaupt gleich alles, was meiner Meinung nicht genehm ist?“

–Dass sie damit nichts anderes machen als ihre faschistischen Großväter, kapieren sie nicht. Sie SIND ihre Großväter (nur haben sie etwas anderes an).

Das ist eigentlich derartig karikaturhaft und lächerlich, dass es keiner weiteren Erwähnung bedürfte.

Denn jene Menschen, die um das Wesen der Freiheit Bescheid wissen, tun das auch ohne diesen Artikel, und jene, die das nicht tun,  die Form und Inhalt verwechseln, also Freiheit mit dem Tragen von Palästinensertücheln, werden es auch in hundert Jahren nicht kapieren.

Aber es werfen sich doch einige interessante Fragen auf. Zum Beispiel:

Ist den Menschen ein gewisser Zwang zur Uniformität inhärent? Und wenn es auch die „Liberalen-Uniform“ ist?

Brauchen die Menschen Feindbilder (früher: Juden, heute: Kirche und Trachten, weiße Männer, etc) zum Kuscheln? Kuschelt es sich also per negationem leichter?

Halten die Menschen das Nachdenken über reale Probleme nicht mehr aus, weshalb sie ersatzweise über Trachten, Rauchverbote und ORF-Gebühren reden müssen? Und natürlich über Hirnforschung und Hexenverbrennung?

Jaja, die Phantom-Themen.

Weil der Gesellschaft der Abklärung das eigentliche Thema: Islam und Islamismus zu heikel ist, wird ein „Kopftuch-Thema“ daraus.

Die religiöse Debilität lässt ja, weder bei Linken, noch bei Rechten, eine andere Behandlung dieses Themas zu.

Und weil diese Kopftücheln Trachten sind, allerdings orientalische Trachten, muss es in der suizidalen und masochistischen Abklärer-Gesellschaft sofort eine thematische Ablenkung, nach dem Motto: „Wir sind schuld!“ zu unseren Dirndln und Lederhosen geben.

So kann man schön an der Oberfläche bleiben und über eigentlich nichts reden und sich dennoch sehr gescheit vorkommen.

An der eigenen inneren Leere geben sie einfach den Großvätern und ihren Trachten die Schuld, sie wissen ja: Wir SIND unsere Großväter, (aber dann auch wieder nicht…..), so, dass sie den Hass auf ihre eigene innere Leere und also auf sich selbst zwar irgendwie benennen, aber ihn vorsichtshalber doch zurückdatieren.

 


17 Responses to “Der Standard und die Trachten”


  1. 1 Roman
    März 27, 2018 um 10:54 am

    Ich halte die Bekämpfung von Symptomen bei Extremismus ganz wie in der Medizin als dümmlich – die Ursache sollte angepackt werden.

    Dennoch finde ich den Vergleich von derlei dummen Menschen, welche das Symptom anprangern, das viele Alt- und Neonazis, Xenophobe, Rechtsextreme sich in der völkischen und volkstümlichen Szene herumtreiben (und Lederhosen und Dirdnl tragen), mit solchen, welche aktiv an der Vertreibung, Folterung, Tötung Andersdenkender mitgewirkt bzw. diese befürwortet haben (oder dies immer noch tun), ausnehmend geschmacklos. Und sehr dumm.

    Sie sind ganz sicher nicht ihre Großväter.

  2. 2 Kardinal Novize Igor
    März 27, 2018 um 11:10 am

    O doch!

    Sie sind ihre Großväter!

    Nur weil man ihnen keine Chance gibt, ihre sich anbahnende Unmenschlichkeit auch auszuleben, heißt das noch lange nicht, dass sie es nicht täten, wenn sie könnten.

    Auch die „Großväter“ haben sich nach dem Krieg ins Privatleben zurückgezogen und lebten die Rolle des in Formen erstarrten autokratischen Spießers.

    Natürlich ist unsere Gesellschaft zu träge, um an ein paar saftigen Massenmorden teilzunehmen.

    Aber von der geistigen Disposition her ist sie genau das selbe. Wie anders lässt sich denn die Ignoranz gegenüber manchen Extremismen erklären?

    Siehe: Grüne in ihrem momentanen Zustand. Deren totale Ignoranz islamistischen Tendenzen gegenüber. Wer, wenn auch in der fundiertesten, sachlichsten Weise Kritik übt, muss sich schlimmste Beschimpfungen („Hassposting“) gefallen lassen. Deren Denk- und Diskussionsverbote (siehe oben). Was ist das anderes, als faschistisch? Wehret den Anfängen.

    Aber es passt natürlich zur Selbstgerechtigkeit unserer Gesellschaft, dies nicht erkennen zu wollen.

    LG KNI

  3. März 27, 2018 um 7:55 pm

    Der Schlüssel zur Freiheit

    1. Spiegel – Gesetz

    Alles was mich am anderen stört, ärgert, aufregt oder in Wut geraten lässt und ich anders haben will, habe ich selbst in mir.

    Alles, was ich am anderen kritisiere oder sogar bekämpfe und verändern will, kritisiere, bekämpfe oder unterdrücke habe ich in Wahrheit in mir selber und hätte es gerne anders.

        2. Spiegel – Gesetz

    Alles, was der andere an mir kritisiert, bekämpft und verändern will und ich mich deswegen verletzt fühle, so betrifft es mich – ist dies in mir noch nicht erlöst, meine gegenwärtige Persönlichkeit fühlt sich beleidigt – der Egoismus ist noch stark.

    3. Spiegel ­– Gesetz

    Alles was der andere an mir kritisiert und mir vorwirft oder anders haben will und bekämpft und mich dies nicht berührt, ist es sein eigenes Bild, sein eigener Charakter, seine eigenen Unzulänglichkeiten, die er auf mich projiziert.

    4. Spiegel – Gesetz

    Alles, was mir am anderen gefällt, was ich an ihm liebe, bin ich selbst, habe ich selbst in mir und liebe dies im anderen. Ich erkenne mich selbst im anderen – in diesen Angelegenheiten sind wir eins.
    (Verfasser unbekannt)

    „Der einzigste Mist auf dem nichts wächst ist der Pessimist!“ Spruch meiner Ma

    • 4 Dick van Hynten
      März 29, 2018 um 10:19 am

      : O
      voll, du hast Recht, meine Freundin regt sich während des Geschlechtsverkehrs z.B. immer über mein großes Spatzi auf. Vermutlich weil sie selbiges „in ihr“ hat. Du bist gscheit und hast mir geholfen die Welt zu verstehen!

  4. 5 Kardinal Novize Igor
    März 27, 2018 um 9:44 pm

    @RG:

    Ja genau. Du hast Recht.

    Ich weiss das, weil ich auch diesen Schlüssel zur Freiheit habe.

    Ich habe auch einen Schlüssel zur Rektifikation der Ewigkeit, die ja immer da ist.
    Schon der Schlüssel dazu ist sehr schön.

    LG KNI

  5. März 28, 2018 um 6:28 am

    Hmmm, wenn ich Deinen Artikel richtig verstehe, dann ist es die innere Leere, die unsere Gesellschaft WIRKLICH gefährdet.

    Unwillkürlich muss ich an die „Unendliche Geschichte“ von Michael Ende denken, die ich damals sehr gerne gelesen hatte. Da ging es auch darum, dass die Welt durch das NICHTS gefährdet ist. Ein schönes Bild für Phantasielosigkeit, um nicht zu sagen Dummheit.

    Aber was nützts. Vielleicht helfen meine religiösen Büchlein: https://letztersein.wordpress.com/kleine-religiose-buchlein

    Meint
    Euer Christoph

  6. 7 Kardinal Novize Igor
    März 28, 2018 um 8:20 am

    @Yeti:

    Ja, mach du nur Werbung! 🙂

    Ich dann aber auch, zb. für Meister Eckehart und Teresa von Avila….alles gute Rezepte gegen die innere Leere -oder sollte man sagen: die Leere an sich ist ja gar nicht so schlecht: Wo es leer ist, da fließt Gott ein.

    Tatsächlich aber ist ja unsere Gesellschaft nicht leer, sondern einfach mit Schei*e gefüllt. Dies offenbart sich zb. in Standardschen Trachten-Artikeln.

    In meiner Modellbildung ist sozusagen Schei*e mit Nichts ident…

    LG KNI

  7. März 28, 2018 um 1:52 pm

    Wunderbarer Artikel, das mit den Trachten. Ich muss dabei immer an meine revolutionäre Genderbekannte denken, die 1968 schon in der ersten Reihe stand. Ich habe sie einmal gefragt, ob sie sich damals vorstellen konnte, dass sie einmal hier halbes Leben damit zubringen wird, anderen Leuten Vorschriften zu machen, was sie nicht sagen ja nicht einmal denken dürfen.
    Der schöne Spiegeltext der Roten Gräfin erinnert mich an das Lichtmesz-Sommerfeld-Gesetz, das besagt: „Alles, was professionelle ‚Entlarver‘ und ‚Aufklärer‘ gegen ‚Rechts‘ über Rechte schreiben, ist eine Projektion ihrer eigenen Charaktereigenschaften, Denkstrukturen und Modi operandi. Immer. Ausnahmslos.
    Dieses Gesetz stammt aus dem sehr lesenswerten Buch „Mit Linken leben“ das sehr amüsant den Umgang mit Menschen beschreibt, die von sich behaupten, niemand ausgrenzen zu wollen, es aber zur gleichen Zeit im selben Atemzug tun.“
    Es gibt auch ein schönes Video einer Lesung dieses Buches von einer Veranstaltung die ausnahmsweise einmal nicht von Menschen, die „niemand ausgrenzen“, nieder geschrien wurde.

  8. März 28, 2018 um 2:07 pm

    Die Trachten werden umso interessanter, je weiter man sich von der Heimat entfernt. In St. Petersburg habe ich ein Bayrisches Wirtshaus besucht, „Karl und Heinrich“, das sich direkt am Fuße des neuen Fußballstadions befindet, in dem unter anderen die Weltmeisterschaft ausgetragen wird. Bedient wurden wir von Damen und Herren im Dirndel und Lederhosen. Auf der Speisekarte standen Weißwurst und Schweinshaxen. Das Bier gab es selbstverständlich in Maßkrügen. Das Restaurant war gut gefüllt besonders im Biergraten. Es bot Platz für mehrere hundert Gäste. Zunächst habe ich mich gewundert, dass es ein solches Lokal (es war bei weitem nicht das einzige) in Petersburg gibt. Dann viel mir ein, dass ich mich auch noch nie über eine Pizzeria in München oder einen Dönerladen im Hamburg gewundert habe, warum auch? Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass niemand auf der Welt versteht, warum wir ein Problem mit unserer eigenen Kultur haben. Leider gilt das nicht nur für Österreich oder Deutschland sondern auch in anderen westeuropäischen Ländern und in Nordamerika zeigen sich immer wieder Tendenzen zur Selbstverleugung und zum Selthass.

    • 10 Roman
      März 28, 2018 um 3:38 pm

      Das mit dem Selbsthass könnte damit zusammenhängen, dass das bisher größte Schreckensregime der Menschheitsheitgeschichte diese Äußerlichkeiten vereinnahmt hat.

      Und Menschen, die das gar nicht so schlimm finden (“gebt Gas, wie schaffen die siebte Million“) weiterhin tun.

      Ich dachte, das läge auf der Hand…doh?!

      • März 29, 2018 um 12:33 pm

        Hast du im letzten Post nicht eben noch behauptet, man sollte Dirndel- und Lederhosenfreunde nicht in einen Topf mit Massenmördern werfen? Mir scheint du machst das gerade selber. Oder habe ich dich da falsch verstanden? Auch die Russen hätten Millionen gute Gründe sich für eine Schreckensherrschaft zu schämen, tun sie aber nicht. Im Gegenteil, sie sind stolz auf ihr Land und auf ihren Präsidenten. Soll man die jetzt alle in Tonne treten und wieder losmarschieren?

      • 12 Roman
        März 29, 2018 um 3:11 pm

        Auch @KNI

        Ich denke nicht, dass Selbsthass richtig ist. Ich finde unserer Kultur und Bräuche, Trachten können durchaus mit Stolz hergezeigt werden.

        Ich empfinde es aber notwendig, sich dabei ganz klar von gewissen Gruppen, Ideologien, Meinungen
        abzugrenzen.

        Schade, dass dies notwendig ist, aber so ist es leider – das haben wir ebendiesen Menschen zu verdanken.
        Und da diese in gar nicht so kleinen Mengen in diesem Mileu herumtreiben, wäre es besser, mit dieser Abgrenzung sehr proaktiv aufzutreten, ganz nach dem Motto, „Schweigen ist Zustimmung“.

        Ich finde außerdem Fingerspitzengefühl von besonderer Notwendigkeit, wenn mit Verbrechern und Terror der Generation unserer Großeltern verglichen wird.

        Nun ist mir schon klar, dass in Linkslinken Gutmenschen und Trachtenartikelscrheibern wie in rechtsrechten Mördern der gleiche Kern der Ignoranz, Intoleranz und intellektueller Inkompetenz steckt.
        Dennoch ist es takltlos, erstere mit zweiteren gleichzustellen, ohne ganz klar zu machen, worauf genau sich die Gleichstellung bezieht. Und zwar deshalb, weil durch so einen Vergleich die Gewalttäter potentiell verhamlost werden – Tenor, ein Mengele ist auch nicht schlimmer als ein Standardautor.

      • März 29, 2018 um 7:29 pm

        Es sind ja nicht die Dirndelfans, die diese Mengelevergleiche ziehen, sondern die Standardautoren. Ich denke, es ist leichter eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden als einen Menschen, der ernsthaft Megele-Fan ist.
        Ich finde man sollte Massenmörder mit Massenmördern vergleichen und Standardautoren mit anderen Autoren, die eine abweichende Meinung vertreten. Eine Demokratie lebt ja gerade davon, dass es nicht nur eine Standardmeinung gibt, sonder eben derer viele verschiedene.
        Mit der Ausgrenzung ist das so eine Sache. Sind nicht gerade die „Toleranten“, wenn sie meinen, einen Feind erkannt zu haben, besonders stolz auf ihre Intoleranz gegenüber Andersdenkenden. Auch in der Wahl ihr Mittel sind sie selten zimperlich. Wenn sie meinen, einen Dirndelfan als was auch immer „entlarvt“ zu haben, können die selbsternannten Feinde der Ausgrenzung selbst gar nicht genug ausgrenzen. Es ist wie im richtigen Leben, die Katze beißt sich in den Schwanz.
        Mich erinnert die allgegenwärtige Angst, durch Kontakt mit den Falschen selbst kontaminiert zu werden – die sogenannte Kontakt-Schuld – an den wohlfeilen Vorwurf, den man den Hexen zu machen pflegte, sie hätten mit dem Teufel geschlafen. Erst heute beginnt sich allmählich die Einsicht durchzusetzen, dass es den Teufel gar nicht wirklich gibt, weshalb es auch beinahe unmöglich für eine Hexe war, diesen Vorwurf aus der Welt zu schaffen. Leider ist das Bedürfnis nach einem Teufel immer noch weit verbreitet. Viele glauben, sie seien allein deshalb gut, weil sie genau zu wissen glauben, wer der Böse ist, gegen den sie vorgeben zu kämpfen. Wer seine Identität ausschließlich aus dem „Anti“… zieht, hat die Mentalität eines Vampirjägers. Vampirjäger sind mindestens so unsympathisch wie die Vampire selbst, die, wie man weiß, gelegentlich auch ganz nett sein können.
        Volker Pispers hat dieses unausrottbare Bedürfnis der Menschen nach Ausgrenzung mal auf den Punkt gebracht, als er sagte: „Wenn du morgens aufstehst und weißt, wer dein Feind ist, dann hat dein Tag Struktur.“
        Ich wünsche mir mehr Auseinandersetzung in der Sache und weniger Schubladendenken, nach der Methode Klappe zu Affe tot. War es nicht eine dezidiert linke Person, die einst gefordert hat, die Freiheit sei immer die Freiheit der Andersdenkenden? (Rosa Luxemburg). Mir scheint, dass eine Anschauung, wenn sie erst einmal die Hegemonie errungen hat, solche guten Vorsätze schneller wieder vergisst, als sie sie selbst erfunden hat.

  9. 14 Kardinal Novize Igor
    März 28, 2018 um 9:33 pm

    @Roman:

    Natürlich liegt es auf der Hand, dass Trachten von widerwärtigen Gruppen instrumentalisiert werden.

    Welche Konsequenzen daraus gezogen werden sollen, indes nicht. Trachten zu verbieten oder pauschal auf Trachtenträger herab zu schauen in verächtlicher und ausgrenzender Weise, kann aber wohl kaum die Lösung sein.

    Eben das tut aber Frau Walnöfer, eben das scheint in der „Standard“-Redaktion Gefallen zu finden. Und merken nicht, dass sie damit genau das tun, was sie ihren Gegnern vorwerfen: sie vor-verurteilen, sie pauschalieren, sie lassen andere Intentionen außer Acht.

    Sie schaffen also Feindbilder. Nun, Feindbilder zu schaffen, ist aber ein faschistisches Grundelement. Dieses teilt die Standard-Redaktion mit ihren Großvätern: einen elementaren Baustein des Faschismus.

    Weil ich aber Faschismus nicht mag, auch nicht in seiner bevormundenden Anfangsphase, stört mich diese Entwicklung. Und viele scheinen diesen Faschismus nicht erkennen zu wollen, weil er sich ein linkes Mäntelchen umgehängt hat.

    Eines dieser Mäntelchen ist es, sich über Äußerlichkeiten zu erregen. Insofern lässt sich der Selbsthass unserer Gesellschaft (wobei ich aus deiner Argumentation schließe, -ganz deutlich kommt es nicht heraus, vielleicht könntest du dich dazu noch näher äußern- dass du den Selbsthass für legitim hältst) mit folgendem sarkastischen Text beschreiben:

    „Eine Historikerkommission hat erwiesen, dass Nazis, ja selbst die höchsten wie Hitler oder Himmler, regelmäßig auf das Klo gingen. Es kann kein Zweifel daran bestehen. Daher kommen österreichische Menschenrechtsorganisationen und NGOs zu dem Schluss, dass diese von den Nazis vereinnahmten Aktionen, nicht mehr von einem demokratisch gesinnten Bürger, ganz besonders unter der Berücksichtigung, dass Scheiße braun(!) ist, durchzuführen sind. Der links denkende Mensch hat sich künftig jeglicher Defäkation zu enthalten.“

    Oder, um es etwas ernster auszudrücken: Unsere Gesellschaft definiert sich ex negativo. Sie genügt sich damit, etwas NICHT zu tun und NICHT zu sein. Und definiert sich damit, wenn auch aus Negation heraus, über den Faschismus. Da sich aber eine solch äußerliche Selbstdefinition aber auch in der krudesten Theorie nicht aufrecht erhalten lässt, fügt sie ihr noch ein „inneres“ Element hinzu: die Toleranz.

    Da aber die Toleranz, wie in meinen früheren Blogs beschrieben, ebenfalls nur eine äußere Tugend ist, feiert die geistige Entleerung der Gesellschaft fröhliche Urständ. Eine solche Gesellschaft, mit einer Feindbild-Definition nach außen und einer entleerenden Pseudo-Toleranz-Religion nach innen, wird zwangsläufig dumm.

    Sie wird manipulierbar und für neue Faschismen, wenn sie nur anders angefärbelt sind (zb. rosa statt braun anfällig – wie man sieht.

    LG KNI

  10. 15 Kardinal Novize Igor
    März 28, 2018 um 9:53 pm

    @hansarandt:

    Es ist ja auch interessant, dass man sich in Russland nicht für seine Kultur geniert. Und das, obwohl Russland mit dem Leninismus/Stalinismus ein menschenverachtendes System hervorgebracht hat, das an Widerlichkeit dem Nazi-Regime ebenbürtig ist.

    Nun, warum sollten sie sich auch genieren? Es ist das Land Dostojevkijs und Tolstois, das Land Lermontows, Strawinskijs und Schostakowitschs, es ist das Land der herrlichen russischen Mystik. Mit dieser Basis kann man sich ex positivo definieren und verbrecherische Episoden der Geschichte mit Weisheit verarbeiten.

    Das könnten wir, als der Kulturraum Goethes, Beethovens, Cerhas, Handkes, Musils, Kants und der herrlichen deutschen Mystik ebenso.

    LG KNI

  11. 16 Kardinal Novize Igor
    März 29, 2018 um 10:17 pm

    @Roman:

    Die von dir geforderte Differenzierung ist hiermit dann gegeben (comment 14). Allerdings, denke ich, war das aus dem Kontext des Grundposts ebenso klar.

    Richtig finde ich, dass, wie du sagst, dem Extremismus zu wehren ist. Und zwar ALLEN Extremismen.

    Aus gesicherter Quelle weiß ich, dass Salafisten in Parteiräumen der Wiener und Roten und Grünen kaum verklausuliert zum Mord an den „Ungläubigen“ aufgerufen haben. Als kritische Anfragen kamen, war die Reaktion der betreffenden Parteien: Null.

    Man riet der betreffenden Person ab, weitere Fragen zu stellen, wolle er nicht als „Xenophober“, „Rassist“, „Rechtsradikaler“ etc. dastehen. Es wurde unverhohlen gedroht.

    Mit anderen Worten: islamisch-faschistische Kräfte werden durch selbst ernannte „antifaschistische“ Kräfte geschützt und hofiert. Das ist nicht nur dumm, sondern kriminell. Es ist faschistisch.

    Anderes Beispiel: SPÖ-Kern hat einen Wahlkampf-Auftritt bei der ATIB, die der salafistischen Milli Gürüs nahe steht. Ganz offiziell. Er wollte sich von Salafisten wählen lassen (Milli Gürüs ist hochgradig von Salafisten durchsetzt).

    Wer Faschisten unterstützt, schützt, und sich von ihnen wählen lässt, ist selber einer. Möglich, dass manche diese Aussage als „taktlos“ empfinden. Mir ist allerdings das Aufzeigen der Tatsachen wichtiger als irgendein „Takt“, der in Wirklichkeit nur dazu dient, unliebsamen Personen das Maul zu stopfen.

    LG KNI

  12. März 31, 2018 um 12:23 pm

    Zum Glück habe ich meine berufliche Laufbahn bei geistig behinderten Kindern begonnen und dort rief eine Kollegin oft: „Gott ist mit die Doofen!“ Ich finde das passt so wunder schön immer.
    „Alle Menschen sind klug: die einen vorher und die anderen nachher!


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