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Toleranzinquisition

Eine ultratolerante Facebook-„Freundin“ hat nun 15 ihrer Kontakte gekappt, weil diese es gewagt haben, ihrerseits mit FPÖ-nahen Menschen befreundet zu sein. Ja, so ist das mit der Toleranz: Wer mit den falschen Menschen befreundet ist, wird als beschmutzt, sozusagen als verseucht, angesehen.

Freilich: so sagt sie das nicht. Sie handelt nur danach.

Als wären für unsere ultratolerante Freundin Menschen mit anderer politischer Anschauung keine Menschen mehr, sondern infektiöser Unrat. Selbst die indirekte Kontamination scheint ihr schon gefährlich! Als wären es Viren oder Bakterien.

Und ich habe noch in der Schule gelernt: Wer andere Menschen nicht als Menschen ansieht, trägt schon den Keim des Faschismus in sich.

Welch ein paradoxales Element!

Die Antifaschistin hat solche Angst, dass ihr Toleranzheiligenschein angepatzt und sie „unrein“ wird – dass sie lieber vorsorglich gleich selber zum Faschismus konvertiert.

Aber vielleicht hat unsere „ultratolerante Freundin“ recht? Vielleicht sind Burschenschaftler keine Menschen?

Wobei man dazu sagen muss, dass sie auch Christen mit Geifer verfolgt, Konservative sowieso, überhaupt alle Religiösen, aber auch Naturwissenschaftler hasst, soferne sie ihre Wissenschaft nicht der feministischen Ideologie unterordnen, dass sie am liebsten Mönchen oder Nonnen verbieten würde, mit anderen Menschen zu sprechen, dass sie überhaupt jeden hasst, der nicht so ist wie sie.

Sie ist nämlich tolerant.

Ich kenne sowohl linke Zecken als auch schlagende Burschenschafter. Ich teile weder die Meinung der einen noch die der anderen. Aber ich kann mich mit beiden unterhalten, ohne meine „Reinheit“ gefährdet zu sehen.

Eines jedenfalls weiß ich: alle Burschenschaftler, die ich kenne, haben weniger Probleme mit abweichenden Meinungen als diese ultratolerante Facebook-Freundin.

Ich hätte mehr Sorgen davor, dass Leute wie diese Dame an die Macht kommen, als vor irgendwelchen Burschenschaftlern.


4 Responses to “Toleranzinquisition”


  1. November 15, 2018 um 6:07 pm

    Ich wünsche Dir die Weisheit von Sokrates und seine drei wichtigen Fragen:
    Ist es wahr?
    Ist es gut?
    Ist es notwendig?

    „Wer andere bekrittelt, arbeitet an seiner Selbstbesserung. Also die welche die Neigung und Gewohnheit haben, das äußerliche Benehmen, überhaupt das Tun und Lassen der andern im Stillen, bei sich selbst einer aufmerksamen und scharfen Kritik zu unterwerfen arbeiten dadurch an ihrer eigenen Besserung und Vervollkommnung; denn sie werden entweder Gerechtigkeit oder doch Stolz und Eitelkeit genug besitzen, selbst zu vermeiden, was sie so oft strenge tadeln. Von den Toleranten gilt das Umgekehrte. (Schopenhauer)

  2. 2 Kardinal Novize Igor
    November 16, 2018 um 1:40 am

    Danke für das Lob!

    LG KNI

  3. November 16, 2018 um 7:06 pm

    Tja, da kann man nur den Kopf schütteln und sich in weiser Zurückhaltung üben. Wie dieser neue Ismus einmal heissen wird? Tolerismus?

  4. Dezember 12, 2018 um 10:32 am

    Der neue Faschismus wird das Etikett des Antifaschismus tragen, so wie der neue Krieg sich Frieden nennen wird und die neue Verfolgung Andersdenkender Toleranz. Das liegt in der Natur der Sache, die schon George Orwell treffend auf den Punkt gebracht hat. Zum Glück gibt es die Ultratoleranten, die uns diese Tatsache immer wieder neu ins Gedächtnis rufen.
    Vielen Dank für Deinen guten Artikel


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