Archive for the 'Kirche' Category

05
Mrz
11

das wörtchen „gutmensch“

Einst DAS Modewort unter Schwarzblau, ist das Wörtchen „Gutmensch“ noch (immer) in rechten Bog-Foren anzutreffen.

Es ist das erste und letzte Argument gegen so ziemlich alles, was zb. Caritas, Ausländer, auszuweisende Erstkommunionskinder, Arbeitslose, Sozialisten, Homosexuelle, Grüne, Priester, die für Sandler was tun, Nicht-Neoliberale usw betrifft.

Ja, woher kommt denn dieses Wort?

Angeblich hat es Josef Goebbels erfunden, um alle, die den Nationalsozialsimus als nicht so ganz leiwand empfunden zu haben, zu diskreditieren.

Das passt recht gut: Weil eine Ideologie, die praktisch nur schlecht (und also böse) ist, das Gute als solches und ganzes verhöhnen muß.

Aber woher die bis heute währende Anziehungskraft jenes Unwortes, welches, die inneren philosophischen Lustsäfte gewisser Betonschädeln zum Wallen bringend, scheinbar einfach alles zum Ausdruck bringt, was jenen braunen Hirnchen entfließen kann?

Ich würde sagen, weil es tatsächlich eine Pose des „Guten“ gibt, welche Letzteres mißbrauch. Tranige Fernsehmoderatorinnen mit weinerlicher Stimme, die damit Millionen verdienen. Humorfreie Klugscheisser, die am liebsten Burgenländerwitze verbieten würden, weil sie die Burgenländer diskriminieren, die die Welt am liebsten in ihrem betulichen Lebertran untergehen lassen würden…….ja, daraus mag der Erfolg des Wörtleins „Gutmensch“ entspringen.

Nun gut, aber warum drückt man es dann nicht genau so aus? Warum nennen jene Bräunlichen Hirnchen die Heuchler nicht einfach „Heuchler“?

Weil -siehe oben- das Wort „Gutmensch“ jener Vorteil innewohnt gleich auch das Gute an und für sich zu diskreditieren. Und das kann einem niederträchtigen Menschen nur recht sein. Lebt er doch in schlechtem Gewissen, und muß es allezeit niederbrüllen. Na und was wäre hierzu besser geeignet, als berechtigte Kritik am Heuchler mit der Verhöhnung des Guten elegant und unbemerkt in diesem einen Wort „Gutmensch“ zu vermanschen? Um dann das Gute an sich diskret entsorgen zu können?

Und dann schwingt noch mit, dass man „Gut“ noch mit „naiv“ vermanscht. Nach dem Motto: Nur das Böse ist realistisch.

Dass sich solche Menschen oft „christlich“ schimpfen, ist eine Ober-Schande. Als ob es nicht Jesus selbst gewesen wäre, der gelehrt hat, dass das Gute eben keine Utopie, sondern die eigentliche Realität unseres Lebens ist, das Ziel der Sache.

 

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14
Feb
11

zeitalter der abklärung? (2)

So, hier also die Fortsetzung.

Wir befinden uns, wie ich glaube, im Zeitalter der Abklärung.

Einige Merkmale: Wir lassen uns nicht mehr provozieren. Im Umkehrschluß regiert allerdings die Abstumpfung und die Ignoranz.

Die Vernunft nimmt zwar einen einerseits allherrschenden Stellenwert ein, andererseits sind die Menschen deswegen nicht vernünftiger, als zu anderen Zeiten. Vielmehr scheint es sich um einen Religions-Ersatz zu handeln, in dem Sinn, dass Vernunft etwas für Spezialisten sei, und diese haben sich um das Funktionieren der Welt zu kümmern. Und damit eben jenen Stellenwert einnimmt, den zuvor die Religion innehatte.

Damit zur nächsten Wurzel dieses Zeitalters, der Wissenschaft:

Keine Frage, die Wissenschaft befindet sich auf einer Hochblüte. (Fast) nichts ist in den letzten 1000 Jahren verloren gegengen, viel hingegen wurde entdeckt. Keine Frage, dass das einer der Hauptmotoren für die Herrschaft der Vernunft wurde.

Eines allerdings ist dadurch verloren gegangen: Der Begriff der Intuition. Das Erfassen des über der Vernunft stehenden.

Und so sind es nun die Wissenschafter, die uns das Über-vernünftige auch gleich zu erklären versuchen: Ein Dieter Hattrupp leitet aus der Quantenphysik eine mystische Schau Gottes ab, was ja so weit legitim ist, allerdings kommt er immer einem Gottesbeweis gefährlich nahe. Nur funktionieren Gottesbeweise zwangsläufig nicht, da sich Gott (seine Existenz einmal vorausgesetzt) nicht in irgendeiner Kategorie oder Wissenschaft einfangen lässt.

Ausserdem müßte ein Gottesbeweis wohl sehr kompliziert sein: Damit hätten aber hochintelligente einen klaren Vorteil bei der Gotteserkenntnis. Intelligente wären heiliger als Dumme. Und das trifft nicht zu, das widerspricht der göttlichen Gerechtigkeit.

Legitim ist, aus der Betrachtung der Schönheiten der Natur, dazu gehört auch die kosmische Natur mit Quantenphysik und Relativitätstheorie, eine persönliche Schau Gottes zu suchen, nicht legitim ist es, wie es Hattrupp zeitweise vornimmt, über Vernunft-Spielereien Gott allgemeingültig herbeizwingen zu wollen. Damit wird die innere Freiheit beschränkt, und die höchste Schau auf jeweils ein Fachgebiet begrenzt. Mystik für arme, sozusagen.

Dasselbe in grün finden wir freilich auch bei den Atheisten, vor allem bei den Biologen. Diese wiederum glauben, über die Evolutionstheorie die Nicht-Existenz Gottes bewiesen zu haben. Zwei Namen fallen mir dazu ein: Richard Dawkins, ein Genetiker, und Renee Schröder, natürlich auch im molekular-biologischen Feld tätig.

Im Brustton der Überzeugung nutzen sie ihre wissenschaftliche Reputation, um metaphysische Weisheiten, in jenem Fall: die Nicht-Existenz Gottes zu verkünden, und jeden für blöd zu erklären, der ihrer Lehre nicht folgt. Ein klarer Fall von Kompetenzüberschreitung. Dauernd ist hier von biologistischem Zufall die Rede, ohne eine Begriffserklärung durchzuführen. Andererseits seien die Ergebnisse der Evolution statistisch determiniert, also brauche man keinen Gott.

Nur: Erstens versucht kein vernünftiger Mystiker, Gott zu beweisen, schon gar nicht in der Biologie. Ausserdem kommt in der Statistik der Evolution der Begriff „Zufall“ eben wieder vor, und hinter „Zufall“ kann sowohl ein systematisches Unwissen stecken, als auch eine tatsächliche Indeterminiertheit (siehe Quantenphysik). Hier wäre tatsächlich Platz für ein Wirken Gottes. Die Betonung liegt auf „wäre“, denn ob da, im Raume das Zufalls, Gott tatsächlich wirkt oder nicht, bleibt weiterhin offen.

Wir wissen es nicht. Hattrupp weiß es nicht, und Schröder weiß es nicht.

Oder, wie es im Buch Kohelet heißt: „Es gibt keinen Vorteil unter der Sonne.“ (Koh, 2, 12)

Aber vielleicht ist das gar nicht die Frage, um dem Zeitalter der Abklärung näher zu kommen. Ein Fachmann steht ja, in seinem Fach, über seiner Zeit (aber auch nur dort).

Interessant ist vielmehr, dass auch, und gerade, Gottes-Diskussionen unter einfachen Menschen immer irgendwann ins Wissenschaftliche abdriften. a manifestiert sich die Abklärung: Vernunft statt Intuition, im übrigen ist Religion Sache der Spezialisten. Die Masse sieht sich als agnostisch.

Damit zur letzten Wurzel der Abklärung: Der Wirtschaft.

Während der abklärerische Mensch im Allgemeinen die Sicherheit sucht, und zwar die absolute Sicherheit, scheint in der Wirtschaft das resignative Element den Vorzug haben.

Einerseits wird das Leben im rechtlichen Bereich bis ins Kleinste und Absurdeste durchreglementiert; das geht so weit, dass man in der Pädagogik „Kreativität“ zu definieren versucht, was natürlich total in die Hose geht. Getreulich dem Motto: Pseudo-Vernunft statt Intuition.

Andererseits herrscht in der Wirtschaft Anarchie. Näheres zu sagen erspar ich mir, das ist hier schon geschehen. Interessant aber der Stehsatz: „Da kann man nichts machen“. Typisch Abklärerisch.

Da trifft sich die Abklärung in der Politik. Wo kein Politiker mehr für irgendetwas steht, haben wir die Wahlmöglichkiet verloren. „Ich wähle das kleinste Übel“. Abklärerischer geht es nicht mehr.

Es soll einmal Zeiten gegeben haben, da sich Politiker aus Interessengruppen rekrutierten. Die gewußt haben, was sie für ihre  Gruppe wollen. Die klare Ziele formulieren konnten.

Heute suchen sich Politiker ihre Zielgruppen aus; vorzugsweise die stärksten (zb. den Pöbel oder die Pensionisten). Das bringt Wählerstimmen. Sie identifizieren sich nicht mehr im geringsten mit den von ihnen Vertretenen. So werden keine Interessen mehr formuliert, sondern dem Volke eingeredet, wofür es sich zu interessieren habe. (Vorzugsweise für Tigerbabies und Folterstrafen für Drogendealer).

Kein Wunder: Das Zeitalter der Abklärung hat keine Ziele mehr.

Mit der Konsequenz, dass der Demos, das mündige Volk, zum Ochlos wird, zum Pöbel.

Die Demokratie, die Herrschaft des mündigen Volkes, regrediert zur Ochlokratie, der Herrschat des Pöbels- der freilich gesteuert werden kann.

Es ist beschämend für unsere „Eliten“, dass sie die Entwicklung des Demos längst aufgegeben haben.

Es ist zwar richtig, dass es immer willenlose Massen geben wird. Aber es liegt an den „Eliten“, jene Masse möglichst gering zu halten, und so viele Menschen wie möglich der Mündigkeit, also dem Demos,  zuzuführen.

Da aber die meisten der selbsternannten Eliten nur dumpfe Kinder ihrer Zeit sind, vermögen sie ihr menschenverachtendes Bild nicht mehr zu hinterfragen. Dass ein dummer „unvernünftiger“ Mensch, der aber die Liebe (also: den Hl. Geist) in sich hat, mehr wert ist, als ein kalter Intellektueller, passt nicht in das selbstherrliche Bild der Ober-Abklärer. Das würde nicht in das Bild einer welt-beherrschenden Kaltschnäuzigkeit passen.

Da will auch ich lieber ein Narr sein, aus Solidarität ein Behinderter, ein Krüppel, ein Armer, ein Dummer:

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.
Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

 

08
Feb
11

zeitalter der abklärung?

Auf die Frage, welchen Zweck es habe, die Zeit in Zeitaltern zu kategorisieren, und ob das nun ein Versuch sei, die Welt zu erklären (wieder einmal), würde ich antworten, dass das Definieren eines Zeitalters, sei es nun Renaissance, Barock, Aufklärung, Romantik……eine stilistische Einordnung darstellt, die ungefähre Abgrenzung einer geistigen Modewelle (die freilich recht niedrige Frequenzen aufweisen, so ca. eine Schwingung pro 50 Jahre); dass also die Beschreibung eines solchen Zeitalters die Welt nicht zu erklären versucht (was ja zum Scheitern verurteilt wäre), sondern vielmehr das Vorhandene beschreibt, vor allem: Die Anschauung der Menschen auf die Welt (und auch das nur in der Tendenz).

Oder so:  Nicht die Welt wird erklärt, sondern, im besten Fall, wie die Menschen versuchen, sich in jener Zeit die Welt zu erklären. So sehr es uns auch an Welterklärungen mangelt (es gibt keine); der Versuche hierzu gibt es zur Genüge.

Um zur Sache zu kommen: Das aktuelle Zeitalter scheint mir ein Gegenstück zur Aufklärung zu sein, nicht aber das komplette Gegenteil.

Die Vernunft nimmt einen großen, fast schon hypertrophen Stellenwert ein, ohne derethalben gefeiert zu werden, wie das in der Aufklärung der Fall war; eine Vernunft ohne Pathos, sozusagen. Der Ersatz für Letzteres wird in Distanz und Zynismus gefunden: Im Gegensatz zur Pionier-Stimmung der Aufklärung herrscht Endzeit-Lethargie.

Alles in allem trifft es das Wort Abklärung recht gut:

Wir befinden uns im Zeitalter der Abklärung.

ABklärung im Gegensatz zu AUFklärung.

Wir haben alles verstanden. Die Vernunft haben wir passiert, jetzt liegt sie hinter uns. Was wir nicht verstehen, das ist nicht zu verstehen, es liegt im Bereich des Chaostheoretischen; im Zufall.

Darum ist uns fad. Der letzte Witz ist erzählt. Wir sind abgeklärt.

Wie jedes andere Zeitalter auch, hat die Abklärung mehrere voneinander unabhängige Wurzeln, die aber im Resultat ineinander greifen.

In der Kunst: Wir leben im wohl ersten Zeitalter, in der Provokation schlicht unmöglich geworden ist. Die vollkommene Durchsetzung der Aufklärung hat hat Ruhe und Frieden zwischen Kunst und Bevölkerung geschaffen. Friedlich existieren Iron Maiden, Lars von Trier und der ex-adelige Lodenmantelträger parallel vor sich hin, ohne Reibungspunkte.

Sich nicht provozieren zu lassen, ist wohl das Signum der Abklärung schlechthin.

So friedvoll die dadurch entstandene Ruhe sein mag:  Sie ist von blanker Ignoranz kaum mehr zu unterscheiden. Die Abstumpfung wird spürbar.

Also sind die Künstler gezwungen, sich auf andere Weise des Publikums zu versichern. Die Zielgruppen-Kunst ward geboren. Ein jeder bedient sein Publikum: Das Musikantenstadl die unterste Schicht, Glattauers, Franzobels und Kehlmanns schreiben gängige, unterhaltsame Büchlein, die sicher nicht schlecht sind, aber nicht wirklich Anspruch auf das große Neue erheben.

Überhaupt ist „eine Geschichte erzählen“ wieder sehr en vogue, der experimentelle Roman eher etwas böses. Man könnte auch von der freiwilligen Wiederkehr des Biedermeier sprechen.

Marlene Streeruwitz und Co. bedienen ihre feministische Klientel; jede Zielgruppe hat ihren Künstler. Bei einem Film weiß man zumeist nach fünf Minuten, welche Zielgruppe er bedient.  Damit erweist sich die Kunst wieder einmal als Kind ihrer Zeit, und es ist jene des untergehenden Neoliberalismus, der die Menschen in Konsumentengruppen einteilt. Dazu später.

Interessant wäre, zu diskutieren, warum das Ende der Provokation nicht eher zu einer radikalen Hineinwendung in das subjektive „Ich“ gefunden hat, in eine Versenkung in den eigenen Geist. Vielleicht deshalb, weil Kunst und Kontemplation nicht ein und dasselbe ist. Weil Künstler und Mönche nicht die selben sind. Weil sich das Innerste nicht ausdrücken lässt. Und, bösartige Unterstellung meinerseits: Weil sich die meisten dieser künstlerischen und eben durch diese Zeit emporgeschwemmten Langeweiler vor einer Konfrontation mit dem Innersten Ich fürchten. Da würden sie nämlich Dinge sehen, die ihrer Abgeklärtheit bald den Garaus machen würden.
Zu guter Letzt sei freilich, um dem totalen Kulturpessimismus vorzubeugen, gesagt, dass sich jede gute Kunst immer über ihre Zeit erhebt.  Den qualitativen Filter haben andere Jahrhunderte anzulegen. Nur wenige Namen werden, wie von den anderen Jahrhunderten auch, zurückbleiben. Die nämlich, die ebensowenig ihrer Zeit verhaftet sind, wie Beethoven dem Biedermeier. (Zur Zeit Beethovens war der berühmteste Komponist ein Herr Kotzebue. Der freilich hat streng nach der Mode komponiert…). Aber, wie gesagt, ein paar Namen werden verbleiben….

 

In der Politik: Seit mehr als 60 Jahren herrscht in Europa Friede und einigermaßen Gerechtigkeit. Wir leben sozusagen in der besten aller Zeiten.

Um nun diese Gerechtigkeit zu stabilisieren, wurden juristische Institutionen geschaffen, die sich um Lauf der Zeit auf ein gigantisches Maß gebläht haben. Auf einen Techniker/Naturwissenschafter kommen 10 Wirtschafter und Juristen, die das von jenem einen produzierte Gut verteilen und verwalten (und dabei selbst am besten verdienen). Und langsam droht das System, das beste aller Zeiten, zu kippen. So weit, so paradox.

Nun, das ist das Resultat des Größenwahns, für jegliche Eventualität vollkommen konsistente Gesetze entwickeln zu können. Hätte man Gödel gelesen, wüßte man, dass das nicht geht. Ein Wahn, der sich aus wiederum aus der Hypertrophierung der Vernunft ableitet. Nur, wer die eigene Vernunft für anfehlbar hält, maßt sich an, das ganze Leben bis ins kleinste Detail zu reglementieren.

Damit kommen wir zum abklärerischen Element: Kein Mensch glaubt an eine wesentliche Änderung dieses verfetteten Systems, das der gesamten Gesellschaft die eigene Trägheit aufzwingt. Man erstickt zwar in kryptischen  Formularen und sinnlosen Gesetzestexten, deren Vollzug einem in ritueller Genauigkeit aufgebürdet werden, aber es verschafft doch eine gewisse Sicherheit, eine Bequemlichkeit.

Diese Bequemlichkiet, gepaart mit der Resignation, nichts ändern zu können, ein leichter Zynismus über allem, ist natürlich typisch abklärerisch. Das Wesen des Phlegma leuchtet da durch: „Es ist zwar alles schlecht, aber doch nicht SO schlecht, dass wir nicht darüber lachen könnten.“

Und keine Frage, diese Einstellung ist menschlich, sogar positiv-menschlich, sie verhindert Kriege, sie nimmt sich selbst nicht wichtig, sie ist sozusagen verzeihend, droht aber immer ins Ignorante abzustürzen.

Ein weiteres Paradox ergibt sich daraus: Dass man just jenen Institutionen, die man verachtet, als einzigen das Potential zur gesellschaftlichen Wandlung zutraut: Die Lehrer, also die institutionalisierten Arschlöcher der Nation, sollen sich um die ganztägige Erziehnung der Kinder samt Persönlichkeitsbildung kümmern, ein Arschloch von Lehrer soll mein Kind zu klein-Mozart machen;

die unbeweglichsten Institutionen sind ausgerechnet die Gewerkschaften, die ja eigentlich Revolutionäre von Berufs wegen sein sollten;

In jener Zeit der „großen Freiheit“ traut man sich kaum mehr, irgendeine eigenständige Aktion zu starten, weil man sonst gegen 50 000 Paragraphen verstößt (die man freilich alle nicht kennt) usw. usf.,

und über all dem thronen die farblosesten Politiker aller Zeiten.

Wozu schreib ich das? Das wissen wir doch schon allle! Weil: Wir sind abgeklärt! Wir wissen doch alle schon alles! Und ändern können wir doch nichts!

Aber interessant, wie über all dem der Duft der Kaffeehaus-Revolution liegt. Weil: Jedes Zeitalter trägt ja schon die Wurzel des Gegen-Zeitalters in sich.

Und zu guter Letzt: Das Zeitalter der Abklärung in der Religion.

Natürlich hat es die an Religion Desinteressierten immer schon gegeben. Neu ist allerdings, dass diese automatisch dem Agnostizismus zugeordnet werden bzw. einfach in diesen hineinfallen, während diese in früheren Zeiten doch oberflächlich-lustlos den katholischen Riten gefolgt sind.

Da wirkt unser Zeitalter ehrlicher. Ist es diesbezüglich wohl auch. Andererseits fällt aber immer wieder die atheistische Heldenpose auf, als ob es ein unfassbares Lebensrisiko wäre, sich heute zum Atheismus zu bekennen. Als ob der atheistische Geistesheld Leib und Leben in seiner zu 85% so wie er denkenden Gesellschaft riskieren würde, wenn er seine ach so total neuen Erkenntnisse über das flying Spaghetti-Monster und „42“ usw. vor seiner Gesellschaft nach dem dritten Mojito preisgibt. Tatsächlich ist es eher umgekehrt: Als Katholik riskiert man mehr, wenn man sich „outet“.

Ja, auch diese Ehrlichkeit ist kompensiert worden.

Tatsächlich ist den meisten Religion aber nur wurscht. Abgeklärt.

Andererseits auch wieder nicht. Da brökelt die Pose: Da scheint die Frage nach dem Höchsten immer noch interessant zu sein, denn kaum fängt man mit religiösen Themen an, hören 5 Leute gebannt zu. Es ist einfach nur so, dass die Agnostiker stilgebend geworden sind. Stil ist aber Oberfläche und drunter siehts ganz anders aus.

Ein Indiz dafür ist aufkommende Esoterik, die meistens wieder, ganz zeitkonform, in irgendeinem Wellness-Schas abgleitet. Logisch: Dinge wie „inneres Ringen“, „die Gottesgeburt im Seelengrund“, die „Kontemplation in der dunklen, der fürchterlichen Nacht“ sind dann doch zu straight.

 

so, das wollt ich Euch sagen, aber da könnte man noch lange drüber schreiben…..



20
Sep
10

Vermischtes (1)

Ja, wie das Herbstlaub so fällt und liegt,  einzeln, dann wieder verweht,

so scheint es auch an relevanten Themen nur Bruchstückhaftes zu geben….

bevor auch das verweht, schreib ichs lieber auf:

Die „Wirtschaftsexperten“ sind sich selbst bei grundlegenden Dingen uneinig: „Steuern rauf“ sagen die einen, „Steuern runter“ die anderen. Linke Ökonomen wie Stephan Schulmeister oder Markus Marterbauer sagen ganz andere Dinge, als zb. rechte Ökonomen wie Streissler oder Schellhorn.

Wie kann das sein? In der Quantenphysik zb. sind die Dinge durch Experiment, Beweis etc. festgestellt worden, die private Ideologie ist Privatsache. Offensichtlich ist Wirtschaftswissenschaft keine Wissenschaft, und die Lehrmeinung hängt stets von der persönlichen Befindlichkeit (habe ich gut gefrühstückt? hat mir meine Mama die Brust gegeben?) ab.

Da stellt sich die Frage: Wozu studiert man so was überhaupt? Was tun diese Typen in ihren Parkas und Ralph-Lauren-Pullis den ganzen Tag?

Aber gut, ein paar intelligente Wirtschaftler gibts auch (wahrscheinlich die, die erkennen, dass „Wirtschaftswissenschaft“ doch eher nur ein Handwerk ist, und darüber lachen können….).

…….

Jetzt war der Papst mal wieder wo.

Und mir geht dieses flache Gefasel sowohl der Atheisten als auch der Christen am….am…ja, wohin eigentlich?

Am Interessantesten war da noch ein Posting, der gemeint hat, er lässt die Kirche links stehen, und betet zu SEINEM Gott.

Ein anderer erwidert ihm, dass er dann Gefahr laufe, vom rechten Glauben abzukommen, usw. usf., weil er sich dann seinen Gott selber bastle.

Nur, denke ich mir: Ist es nicht Gott, der sich uns bastelt? Und wo tut er das? Zu Hause, in der Kirche? Hm.

Einerseits, denke ich mir: Stimmt, man braucht Kirche nicht. Gott bereitet sich den Menschen selber zu….und ganz ehrlich, wenn ich bei aller Unvollkommenheit schon weiter bin als mancher Kardinal (Sodano), dann bleib ich wirklich lieber allein (modernes Eremitentum?)

Andererseits: Da, in der Kirche, habe ich meine Brüder und Schestern, und ich denke mir, man kann Weihnachten nicht allein feiern. Und wenn man schon keine Meister findet, so doch Mitbetende, und die können einem auch helfen.

Aber diese Erfahrung kann wieder nur einer machen, dessen Gebetserfahrungen schon so weit sind, dass er sie formulieren kann – und damit anderen sagen….

Oh ja, da hat die Kirche Aufholbedarf…..

So also verfliegt das Laub, im Herbst, und dort hinten, im Eck, sammelt sichs manchmal.

25
Jul
10

„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“- eine Gewissenserforschung

Ja, der Sommer ist die Zeit für Grundsätzliches, weil ansonsten: saure Gurken.

Also möchte ich die grundsätzliche Frage stellen, inwieweit Grasser, Schüssel, Bischof Laun und neoliberal-erzkonservative Konsorten zu verurteilen sind. Oder: Ob sie nicht einfach recht haben.

Das muss man in Betracht ziehen, denn es heißt: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ – und darf dabei auf die Diskussion mit Yeti in den Kommentaren nach dem vorigen Artikel verweisen. Also klinken wir uns jetzt in das Gewissen dieser Typen ein.

Schauen wir uns den Grasser an: Ein neoliberales Fossil, dessen Einstellung mit „Die Armen sollen verrecken, sind selber schuld, und die Reichen sollen reich werden, vor allem ich“, zusammengefasst werden kann. Dem eigenen Reichtum hat er – vermutlich – durch Steuerhinterziehung, Staatsschädigung im massiven Stil (BUWOG zu billig verkauft, damit er und seine Freunde fest an den Schiebungsgeldern verdienen, usw), nachgeholfen.

Aber wer weiß? Vielleicht hat er recht? Jeder Mensch liebt es, sich kleine Vorteile zu verschaffen, die einen arbeiten kürzer, gehen früher nach Hause, oder gleich in Frühpension, die BILLA-Hackler nehmen manchmal abgelaufene Lebensmittel nach Hause, wieder andere machen in der Arbeit 3-stündige Kaffeepausen, und jeder schaut nach, dass er es nicht nur sich selbst, sindern auch den Freunden richten kann.

Na und was hat der Grasser anderes getan? 7 Millionen für den den Spezl da, 10 Millionen für den Spezl dort, das nennt man Freundschaft! Dabei immer lässig und cool – der Mann hat alles erreicht! Ein Leben zwischen Velden und Kitzbühel – Gratulation!

Man kennt das: sobald man „oben“ ist, sind einem „die da unten“ wurscht. Man glaubt, man hätte seine Stellung durch eigene Arbeit, durch Können, Leistung, etc. erreicht. Und vergessen dabei, dass sie vor allem eines gehabt haben: Glück. Sie waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Frank Stronach. Der glaubt allen Ernstes, jeder könnte nach Gutdünken einen zweiten Magna-Konzern aufbauen. Und übersieht dabei: Diese anderen hätten aber einen Konkurrenten, den Stronach noch nicht gehabt hat: Nämlich den Magna-Konzern. Und dieser Konzern würde sie fertig machen. Mit allen Mitteln.

Und auch Grasser ist hoch oben, also sind ihm folgerichtig fast alle wurscht. Glaubt auch er, dass er alles „aus eigenem Willen geschafft“ hat? Ein solcher Glaube hat freilich Vorteile: Man kann sich den anderen gegenüber als moralisch überlegen wähnen, weil es ja der eigene Wille war, der zum Erfolg geführt hat. Man kann sich einreden, man hätte sich dieses Leben redlich verdient.

Aber wie groß ist diese Sünde? Ist das Vergessen auf das eigene Glück-gehabt-Haben nicht nur eine Gedächtnisschwäche? Und wir alle werden einmal senil…..

Vielleicht ist das auch alles falsch. Vielleicht hat der Grasser überhaupt nicht gedacht, sondern einfach nur getan. Und das fordern sie ja alle, die Wirtschaftsgurus: „Nicht reden, sondern tun!“ Vielleicht kann der Grasser überhaupt nicht ethisch denken, und es ist ihm schlicht gar nichts vorzuwerfen.

Oder vielleicht sind Grasser und alle anderen großen und kleinen Bonzen einfach nur charakterschwach. So lange sie „unten“ sind, sind sie gegen das System, sind links, gesellschaftlich engagiert, und haben einen tatsächlich unbestechlichen Gerechtigkeitssinn. Irgendwann dann wachsen diese Jungbonzen in das System hinein, und kommen drauf: „Na eigentlich ist das System eh nicht schlecht“, und sind auf einmal ganz geil auf alles, was mit dem „System“ zu tun hat. Ja und weil das System auf einmal sooo gut ist, sind alle, die es nicht ins System geschafft haben, selber schuld.

Aber wie groß ist deren Sünde? Ich kann es nicht sagen. Wenn man ehrlich ist, waren diese Menschen immer schon schwach, haben immer schon ein System gebraucht, um sich sicher zu fühlen. Nur haben sie halt das „linke“ mit dem „rechten“ System getauscht. Das sind im Grunde Menschen, die nur im Meinungsgeflecht anderer überleben können.

So was gibts auch im christlichen Bereich. Kaum haben sie am staatlichen System, das sie auffängt und trägt, Lust gefunden, suchen sie ihr Heil in der Anbetung der vatikanischen Kurie. Auf einmal empfinden sie diese erzkonservativen alten Männer als „weitblickend“, wenn sie Pädophile zu Kardinälen ernennen, oder wenn sich der Vatikan mit der südamerikanischen Mafia einläßt, um die Macht der Kirche zu sichern.

Auf die Gegenfrage, dass das mit wahrem Christentum nichts zu tun habe, kommt dann die Antwort, dass man das als Laie überhaupt nicht verstehen könne, was die Kurie in ihrer jahrhundertealten Weisheit wirke. Da müsse man eben Schlechtes in Kauf nehmen, damit sich „im Großen und Ganzen“ das Gute durchsetze. Ich hätte zwar gesagt, dass dieses Verwenden von Leid und Schmerz Gottes Monopol ist, aber für solche Kirchenbonzen macht das vermutlich keinen Unterschied, weil sie die Kurie schon mit Gott verwechseln. Zumindest ein bisschen.

Und weil sie eben selbst schon Teil des Systems sind, wähnen sie sich auch der Kurie zugehörig, und können in Übereinstimmung mit ihr ein bisschen Gott spielen. Cool und lässig schupfen sie mit „Gut“ und „Böse“ herum, weil sie ja angeblich schon derart den Durchblick haben, dass sie es schon fast so gut können wie der Herr im Himmel.

Aber wer weiß? Es gibt solche Menschen, also hat Gott sie gewollt. Vielleicht ist es gerade die Aufgabe solcher primitiver Menschen, tatsächlich die Drecksarbeit zu tun, mit Bösem Böses zu entfernen, mit Dreck den Dreck wegzuschaffen. Vielleicht sind die Bonzen in der Tat die Drecksarbeiter Gottes, und alles hat seine Ordnung. Dann müssen sie primitiv sein, und im organisatorischen Filz das Göttliche suchen, sonst könnten sie ihre niedere Arbeit nicht erledigen.

Aber: Was ist „niedrig“, was ist „hoch“? Haben wir das Recht, auf einen Straßenkehrer herabzuschauen? Sicher: Bei vielen solcher Bonzen vermuten wir ein ungeheures Maß an Überheblichkeit, wenn sie sich in ihren Intrigenspielchen Gott gleich wähnen.  Aber wer sagt, dass nicht auch ein als Bonze Geborener Gutes tun kann? Ich bin davon überzeugt, sehe aber immer die Gefahr der Überheblichkeit.

Kommen wir zum letzten: Den erzkonservativen Leistungsdenkern, für die der Sozialstaat das Böseste vom Bösen ist. Von denen hört man „Leistung muß sich lohnen“, und: „Wer nicht arbeitet, soll auh nicht essen“, usw. Auf den ersten Blick schaut das wie ein Horrorszenario aus:  Wer versagt, hat kein Recht auf Leben. Elende, die auf der Straße verhungern.

Aber vielleicht sind es gerade jene konservativen Knacker, die Gnade üben? Die den Menschen im Notfall helfen? Alles schon erlebt.
Und umgekehrt ist es ja auch präpotent, nichts zu arbeiten und überhaupt nichts zu tun, und trotzdem Geld einzufordern. Die ganzen Punks, die nach dieser Devise leben, haben ein ungeheuer präpotentes und aggressives  Geschau. Es ist schon gut, wenn man weiß, dass nichts selbstverständlich ist, und man Gnade auch als solche empfindet.

Andererseits sind auch die Reichen dieser Gnade bedürftig, und so wenig es selbstverständlich ist, fürs Nichtstun etwas zu bekommen, so selbstverständlich sollte es sein, dass jene was von ihrem Vermögen hergeben. Eh klar. Gnade hat eben zwei Seiten: Eine selbstverständliche und eine nicht-selbstverständliche.

Das ist dann eben wieder die Sache: Darf man mit dem Leiden herumschupfen? Darf man sich zum Herren des Unglücks machen? Darf man darauf vergessen, dass man selber Glück gehabt hat?

Aber, wie gesagt, vielleicht sind das alles Drecksarbeiter, die nicht anders können.

Nur: Je länger ich an diesem Text geschrieben habe, desto unwohler war mir. Begebe ich mich nicht, wenn ich so was NICHT beurteile, nicht automatisch in die Rolle des pseudo-Überlegenen?

Wirklich gute Seelenführer haben sich nie um ein Urteil verlegen gezeigt.

Was Oarsch ist, soll auch gesagt werden. Das werde ich in Hinkunft wieder tun…….

30
Jun
10

ein katholischer Obstsalat

Ja, die Situation in der katholischen Kirche lässt sich mit einem Obstsalat vergleichen.

Da gibt es die eingeweichten Bananen mit leichter Schleimschicht in der Obstsauce schwimmend, die Äpfel, die immer zu hart sind und, trotz stundenlangen Dümpelns, zu sauer, oder aber die schon braun vergammelten Apfelstückerln, die mehligen Birnen, während von Seiten der Snobisten Mangos und Litschis hineingeworfen werden, und manche Perverse wollen sogar Rosinen, diese braunen Schlatzhaufen, im Obstsalat gesehen haben.

Und ganz besonders abartig wirds, wenn wir darüber noch Joghurtsauce kippen……..die Früchte scheinen sich zu widersprechen, ja mehr noch, die Unmöglichkeit der Existenz der jeweils anderen Frucht zu diagnostizieren.

Die Kirche hat freilich noch viel mehr Früchte und viel mehr Saucen in noch viel abstrakteren Aggregatszuständen parat, hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit hier eine Liste der Zutaten:

Kardinal Schönborn schreibt seine Predigten in der Kronen Zeitung, ausgerechnet in jenem Blatt, in dem Gedichte auf Führers Geburtstag geschmiedet werden.

Die alten Klosterschwestern im einen Kloster sind politsch am rechten Rand des Rechtsaußenflügels der rechten Fraktion im konservativen Lager der ÖVP zu suchen. Sie sind aber irrsinnig lieb und fürsorglich und geben wirklich jedem Sandler was. Es ist von vornherein klar, dass eine politische Diskussion mit diesen alten Damen einfach nur eine Themenverfehlung wäre. Vollkommen sinnlos. Jetzt freuen sie sich wie verrückt auf den Weihbischof, der kommt sie besuchen, ein abgeschlatztes Bubi, dass um 40 Jahre jünger ist als die jüngste Schwester dort.

Ein anderer Weihbischof macht Yoga und sein Motorrad steht draußen vor der Tür, die Messe als chill-out, freilich regt sich der Priester auf, dass die Predigt nicht „katholisch strukturiert“ war.

Die ÖVP-Granden (zb. Andreas Khol), die jahrzehntelang der neoliberalen „Gier ist gut“-Doktrin gehuldigt haben, und damit eher der Gewissenskirche der „Scientology“ zuzurechnen waren, betreiben nach der Pensionierung eine seltsam softe “ katholische Laieninitiative“. Jetzt neu, gegen den Papst! Altersdemenz oder Schizophrenie?

Undank ist der Welten Lohn. Derselbe Papst Benedikt hat für G. W. Bush, Berlusconi und Konsorten Wahlempfehlungen abgegeben.
Derselbe Papst ist aber auch gegen den Mörderkapitalismus, wie er jetzt fröhliche Urständ feiert.
Und interessant: Ich glaube dem Papst beides.

Und jetzt eine Sauce: 20 000 Seiten Karl Rahner zum Einweichen. Der menschgewordene Kompromiss. Wenn es einem gelingen kann, eine Ökumene zwischen Margret Thatcher und Leonid Breschnew zu bauen, dann ihm.

Kardinal Schönborn hat freilich recht: Um den Menschen zu predigen, braucht man die auflagenstärkste Zeitung. Und dann muß man halt dem Dichand ein Requiem halten, jenem Lustgreis, der noch mit 70 Jahren kleine Mäderl (volljährig, keine Sorge!) in seine Döblinger Absteige verzaaht hat…..

Aber: Ist nicht auch Jesus ins Puff gegangen? Hat nicht auch er den Huren gepredigt? Oder seh ich da jetzt was falsch?

Die heilige Afra war Hure und liebes Mädchen zugleich, nach der Taufe freilich nur noch liebes Mädchen. (Jedenfalls: „Jungfrau“, wie in zensierten Darstellungen zu lesen, war sie nicht.)

Warum werden HEUTE immer nur Habsburger, und nie Huren heilig gesprochen? Ist man als Degenerierter automatisch heilig?

Derselbe Sandler, der gestern von den ÖVP-Klosterschwestern versorgt worden ist, wird heute vom TransFemiGender-Bobo mit linksSozioAktiver MultiIntegrationsKulturInnen so richtig abgeschaselt. Dabei kann er genauso widerlich arrogant dreinschauen wie der Herr Komm.Rat Dkfm. Christian Braunhauff-Romaniani, der für Leistungsgesellschaft, Elite und Zwangslager für Arbeitslose eintritt; und gerade aus der Sonntag-9-Uhr-Messe (die einzige Messe für den wahren Christenmenschen, früher gehen nur die Fanatiker, später nur der linke Abschaum!) kommt, und überhaupt gegen den sozialistischen Sozialstaat ist.

Also der linke Abschaum, das sind diese Zottelhaar-Christen die a) entweder mit irgendwelchen Gitarren herumlaufen und Sonnenblumen sammeln oder b) Kant, Marx oder Adorno lesen oder Handke, Jonke, Bernhard, Wittgenstein, Mayröcker, Beckett (ja ich hör eh schon auf) oder c) sich mit so komischem Zeug wie Meister Eckhart und der Kontemplation beschäftigen, und dabei noch irrer werden, als sie eh schon sind. Die sitzen zwischen den Stühlen, sind für die Atheisten schwachmatische Reaktionäre, und für Komm.Rat Dkfm. Christian Braunhauff-Romaniani stalinistische Verräter.

Und wissts ihr was? Dieser Abschaum und die ÖVP-Klosterschwestern sind die besten Freunde! Nach der Messe tragen diese Abschaum-Christen die Bibelkisten in die Sakristei, dafür gibts von den Klosterschwestern Himbeersaft und Guglhupf. Und dann sitzen sie zammen und reden so weltfremdes Zeug wie über die innere Freude, die Gelassenheit, über das unfassbare Opfer Christi, und über die Auferstehung.

Und jetzt eine weitere Sauce:lumen gentium“, das Konzilskompendium. Über diese Sauce vermag ich nichts zu sagen. Denn wer Zeit hat, das zu lesen, hat entweder noch nie gelebt, oder heißt Karl Rahner.

Durchdrungen von den Saucen sind die „Halleluja-Schlümpfe„. Sie sind der weichste Teil des Obstsalates, sie sind EXTREM GUT. Sie sind tatsächlich SO GUT, dass sie überhaupt nicht mehr wissen, was das Wort „Böse“ heißt. Darum sind sie auch zu dauerndem Lächeln verpflichtet. Sie hören nur Kinderlieder, wo dieses häßliche Wort (und ähnliches) nicht vorkommmt. Nur hin und wieder halten sie es nicht mehr aus, und dann kotzen sie – nur für Sekunden, versteht sich – eine Gift-und Galle-Mischung heraus, gegen die jede nukleare Verseuchung ein Kräuterheilbad darstellt. Aber dann lächeln sie wieder. Süßlich. Künstlich. Ihre Lieblingsbibelstelle ist übrigens jene vom barmherzigen Samariter.

Während sie zum linken Abschaum-Christen des Typs a) gewisse Ähnlichkeiten aufweisen, wirkt der Abschaum-Christ des Typs c) eher als Katalysator auf sie, nämlich die Gift-und-Galle-Mischung direkt auf jene loszulassen.

Der Schönborn ist zweifelsohne mit den Halleluja-Schlümpfen verwandt (so windelweich, wie er im Fernsehen rüberkommt, ist er nicht), aber nicht nur. Da sind tatsächlich auch Genmaterial vom Abschaum-Christ Typ a) und b) vorhanden, aber auch eine Verwandtschaft zu den ÖVP-Klosterschwestern. Ja, der Schönborn kanns ordentlich, der kann wüten. Leute absetzen, Briefe schreiben, Briefe vor die Tür legen! Na serwas! Aber der Furor hat auch sein Gutes. Jetzt hat er mit seinem Laserschwert in die Popoöffnung Vatikan hineingeleuchtet, diesen für Laien undurchsichtigen Intrigantenstadl, und tatsächlich eine Eiterbeule entdeckt. Eine sodanoische Eiterbeule. Vorname: „Engel“. Ja, ganz kardinalsrot ist sie, diese Beule, und liefert unserem Obstsalat die Macht-und Eitersauce.

Ganz ehrlich, der Schönborn ist in meiner Achtung gestiegen. Und zwar gewaltig.

Jetzt hat der Papst, nächste Zutat, Angst gekriegt, weil man so tief in das Popoloch hineinschauen kann, er hat Angst gekriegt, das Popoloch könnte mißbraucht werden – womit er ja recht hat!- und hat es ganz schnell wieder zugemacht. Und mit Wachs versiegelt. Er ist, das meine ich ernst, tatsächlich gegen Mißbrauch! Aber es ist halt etwas anderes, ob ich chirurgisch einen Abszess entferne, oder schlicht zum Grund niedrigster Befriedigung irgendwas dort hineinstecke. Das eine gibt die Würde wieder, das andere nimmt sie.

Aber damit beende ich die Zutatenliste NICHT!

Sondern mit dem Christen ohne Eigenschaft, der irgendwie ausschaut, irgendwas tut, der sich als Teil des Narrenhauses Erde begreift, und darum zugleich über den anderen Narren steht, der von allem etwas hat (Typus a) bis z)), und das auch weiß.

Und der versucht, in dieses Narrenhaus ein bisschen Gott herunter zu bitten.

04
Jun
10

Gute Nachrichten

Es geht bergauf!

Die Regierungen haben ein Finanztransaktionsgesetz beschlossen, das international greifen soll.

Die Auswirkungen sind schon spürbar: Die Schulden sinken, die Staaten kaufen sich Banken, deren Gewinne dem Volk zugute kommen. Derivate und CDS- Credit Default Swaps werden verboten. Den Leuten gehts gut. Zwar gibts kaum mehr Superreiche, aber jeder hat seine Eigentumswohnung, sein Happipappi und seine Kurzweil.

Der Vollbeschäftigte geht nach seinem schönen 6-Stunden-Tag noch ein wenig spazieren. Schließlich ist Frühling. Vor allem: Die Menschen haben keine Angst mehr. Durch den technischen Fortschritt ist es möglich, dass jeder genug zu essen, zu trinken, und zu Wohnen hat.

Auf den Wirtschaftswettbewerb wird geschissen. Diese Form des Krieges ist abgeschafft worden.

Ja, und weils den Leuten so gut geht, brauchen sie auch nicht mehr auf niedrigstem sozialpolitischem Level um ihr Überleben kämpfen. Statt über der Frage „Wie bekämpfe ich die Ungerechtigkeit“ zu brüten,weil es gibt eigentlich kaum mehr eine solche, widmet man sich der Kunst, der Philosophie. Aber auch da ist viel weggefallen, womit man sich beschäftigen könnte, weil: Sozialkritische Kunst oder Philosophie braucht auch keiner mehr, logischerweise.

Ist den Leuten deshalb fad?
Oh nein, denn erstens fängt Kunst dort erst richtig an, zweitens haben die Leute genug zu tun:

Sie kontemplieren Tag und Nacht über die Herrlichkeit des Herrn.

Die paar Wirtschaftler, die’s noch gibt, weil man sie zur Verwaltung braucht (sind eher die Behinderten), holen sich bei den Kontemplationsmeistern Rat.

Autos sind mega-out. Auf die Geldfalle Auto „Ich brauch ein Auto, um zum Job zu fahren – Ich brauch einen Job, um mir das Auto zu leisten“ fällt keiner mehr herein.

Darum gibts auch mehr als genug Erdöl für die Medikamente, Kunststoff usw. für die nächsten 1 000 000 Jahre.

25% Der Menschen arbeiten in der wissenschaftlichen Forschung – kein Wunder: Erstens geht dort was weiter, zweitens: Wenn jeder nach 6 Stunden von der Arbeit nach Hause geht, braucht man halt viele Leute, um dieselbe Arbeit zu erledigen. Keine Überstunden mehr! Außerdem ist es einfach lustig. Und darauf kommts an.

Verwaltung ist, wie gesagt, out.

Die paar G’schaftlhuber, die unbedingt was verwalten wollen, dürfen Phantasie-Akten auf den leeren Autobahnen (die braucht keiner mehr) zu Fuß hin und her tragen. Aber wie gesagt, das sind eher die Verhaltenskreativen, die zum Kontemplieren zu blöd sind. (Andere picknicken auch gerne dort oben.

Auch die Kirche hat die Verwaltung abgeschafft. Braucht man auch nicht. Priester sind die Entspannten, die dauernd in der Kirche umatum liegen, und dort kontemplieren oder unter dem Allerheiligsten schlafen. Auch Liebespärchen knutschen gerne in den Domen umatum, die Priester sehn’s und freun sich sehr.

So, jetzt hat der Herr Pfarrer genug meditiert, er holt sich ein Bier aus der Pfarrküche und setzt sich aufs Bankerl vor der Kirche und schaut auf den Kirschbaum. Da kommt auch schon der alte Sandler, der kriegt auch ein Bier, setzt sich auch aufs Bankerl, und dann schaun beide auf den Kirschbaum.

Ja, Sandler gibts noch, die machen das aber freiwillig.

Weil: Das Leid ist ja nicht abgeschafft, das gibts! Ich schreib hier ja keine Utopie! Nur: Macht uns das Leid was, wenn wir Zeit haben, und darüber kontemplieren können? Nein!

Das Leiden, das wissen alle, bis auf ein paar behinderte Wirtschaftler, gibt dem Leben ja die Farbe! So wie der Kirschbaum da!, sagt der Sandler zum Herrn Hochwürden. Der fragt: „Willst noch ein Bier?“

Und eigenartig, auch das Altern schreckt keinen mehr. Irgendwie haben die Leute auch die Schönheit des Alters, der Krankheit….erkannt. Ein altes Gesicht erweckt in den meisten Menschen Bewunderung und Freude über die Weisheit.

Und wenns regnet: Auch wurscht. Habts ihr schon einmal gesehen, wie schön ein Regen sein kann? Wie die Blätter im tiefen Grün glänzen?

Außerdem: „Es wird keine Nacht mehr geben und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird über ihnen leuchten und sie werden herrschen in alle Ewigkeit.“ (Offenbarung 22)

Das ist nicht die Welt, wie sie sein könnte, sondern wie sie IST.