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05
Dez
16

die elite des schicken establishments

Um das Schicke dreht sich alles, die Schönen machen Meinung.

War der Schönheitsbegriff der 200er-Yuppie Ära eher dem glatten angepasst, dem föhnlockigen KHG-Style mit dynamikoptimiertem cw-Wert (der höheren Harmonie mit eigenen Porsche wegen), so darf es heute wieder etwas herber sein: unfrisiert, Lederjacke, vielleicht noch Gitarre (aber da muss man dann aufpassen, weil: cool ist immer noch das höchste Ziel), die grüblerische Denkerpose fein dosiert mit Kurkuma und Zitronengras: jedenfalls vegan.

Auf die Mischung kommts an!

Ja, auch den unfrisierten Lederjacklern ist der cw-Wert das wichtigste, denn das Slicke ergibt sich dann mit der deutlich unter dem Arm getragenen Soziologiestudie, die einen, erraten, als Mag. soz. (oder so) ausweist, wenn nicht gar, — ja wenn nicht gar als Politologen!

Das weiß man aus der Gesellschaftsphysik: in der hippen Masse der Unangepassten weist die Vollbartstrubbelfrisur den höchsten Schlüpfrigkeitsfaktor auf; wohlig schwimmt sichs dynamisch in dem gleichförmigen Brei der Individualisten, jung, schön, wohlgelaunt und lässig.

Alle haben sie die gleiche Meinung, was nicht nur daher kommt, dass sie so individuell sind und sich im Bade der Selbstgerechtigkeit geläutert haben, sondern auch, weil sie wissen, dass sie alle ELITE sind.

Wer will sich da schon lösen? Aus diesem Hip-smooth mode, wo die geilen Jungstudentinnen warten, denen wir schon mal prophylaktisch recht geben? Haben nicht seit alters her die Männer den Jungmädels aus besserem Hause in Diskussionen den Vortritt gelassen, weil alles andere peinlich wäre? So richtig dreckige Probleme ansprechen? Igitt!

Aber auch: So richtig hohe Dinge ansprechen? Erlösung? Leid und Sinn? Igitt!!! Um des Spaghettimonsters willen, verdirb uns doch nicht die Laune! Jetzt lachen alle. Puh, gerade noch die (Stimmungs-)Kurve gekratzt.

Die Elite ist also von einem Peinlichkeits-Cordon umgeben, und sie droht: wenn du es wagst, auszubrechen, lassen wir dich nie wieder herein. Mit wem wirst du dann Meinungs-Kuscheln, dabei aber doch hoch-individuell bleiben? Wer wird deinem Selbstgerechtigkeitsbad die Prise Fremd-Aroma geben, das den Kick ausmacht??

Na, da bleibt man lieber, wo man ist, „unangepasst“ kann ich schließlich auch im Bade der Guten sein, ja dort ist es geradezu der Dress-Code! So what?

Die paar winzigen Weltanschauungs-Rundungsfehler, das nullkommanullnullnull-irgendwas fällt ja im smoothen Gatsch (verzeihung: wollte sagen: Hugo) sowieso nicht auf, man darf halt die Theorie nicht überspannen….aber das sind dann sowieso die Bösen. Außerdem: es hat ja eh niemand gedroht. Nur die Blicke der jungen Mädels waren strafend.

Ja, die Elite ist schön. Schönheit ist das neue wichtigste der Welt. Darum wurde der Schönheitsbegriff in den letzten zehn Jahren auch weiter entwickelt, vom Juppie zum Lederjackler. Sogar die militanten Schönen sind schön. Dem Manfred Deix ists auch schon aufgefallen: langsam wurde er arbeitslos.

Schön ist auch die gute Laune, daher nur ja keine Probleme ansprechen!

Vor allem keine Probleme, die man nicht versteht, weil man ausser Schönheit nichts mehr kennt.

Die Schönheit bedarf der Öffentlichkeit. Was nützt Schönheit ohne gesehen zu werden? Daher ist man als Elite am besten Journalist in einer elitären Zeitung. Elitäre Zeitungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie gerade ein bisschen intelligenter sind als die Nicht-elitären Zeitungen. Zu viel Intelligenz allerdings wäre schädlich, da nerdig. Und Nerds sind peinlich. (Peinlichkeit: siehe oben.) Also am besten Soziologie studieren oder Politikwissenschaften. Allerdings dürfen auch andere, soferne sie sich unterwerfen, dem Circle beitreten.

Zum lustvollen Stänkern gibt es vordefinierte Hassobjekte. Wer das nun tatsächlich ist, entscheidet (Hässliches gibts ja genug) eher der Zufall. Wichtig ist nur, dass es genau einen Haupt-Hässlichen gibt, denn sonst wären die Fronten nicht klar geregelt. Und dass das Hässliche noch etwas einfacher gestrickt ist als die Elite. Anstrengung ist peinlich. Im Zweifelsfalle gilt: der Feind des Haupt-Hässlichen ist mein Freund. Da kann man nicht viel falsch machen.

So lässt sich das Gegensatzpaar Schönheit-Hässlichkeit zum manichäischen Religionsersatz ausbauen. Irgendwo muss man dieses tiefe, dass man nicht versteht, ja auch ablassen!

Aber davon ein andermal….

 

 

15
Nov
16

Männer, Frauen und Immanuel Kant

Eine Erkenntnis synthentisch a priori leitet sich „synthetisch“, also mit den Mitteln der Vernunft, jedoch aus einer nicht a-priorischen Grundkenntnis (d.h. aus Erfahrung) ab.

So lasset uns nun Erkenntnisse über Männer und Frauen herleiten mit Hilfe Alice Schwarzers und Robert Musils!

Satz 1: „Männer stellen das Bindeglied zwischen Frauen und Gorillas dar.“ (Alice Schwarzer)

Satz 2: „Frauen sind eine Mischung aus Mann und Kind.“ (Robert Musil)

Wir wollen nun die Synthese mittels Mathematik bilden:

Satz 1: Mann = 1/2 Frau + 1/2 Gorilla

Satz 2: Frau = 1/2 Mann + 1/2 Kind

Wir eliminieren nun den Terminus „Frau„, indem wir Satz 2 in Satz 1 einsetzen:

Mann = 1/2(1/2 Mann +1/2 Kind) + 1/2 Gorilla

Wir multiplizieren die Klammer aus:

Mann = 1/4Mann+ 1/4Kind + 1/2Gorilla

Wir eliminieren den Term „1/4 Mann„, indem wir ihn auf beiden Seiten  subtrahieren:

3/4 Mann = 1/4 Kind + 1/2 Gorilla

Wir müssen nun den Terminus „Mann“ normalisieren, indem wir ihn auf 1 Mann bringen, dazu multiplizieren wir beide Seiten mit 4/3. (Anmerkung: 3/4 * 4/3 =1, das kürzt sich weg; ebenso: 1/4 * 4/3 = 1/3 und 1/2 * 4/3 = 4/6 = 2/3, nachzulesen in Büchern der höheren Mathematik)

Wir erhalten:

Mann = 1/3 Kind + 2/3 Gorilla

Nun, irgendwie haben wir das immer schon gewußt, wenn auch nicht so klar – eine typische Erkenntnis synthetisch a priori!

Wie aber steht es nun mit den Frauen?

Wir eliminieren nun den Terminus „Mann„, indem wir Satz 1 in Satz 2 einsetzen:

Frau = 1/2(1/2 Frau +1/2 Gorilla) + 1/2 Kind

Wir multiplizieren die Klammer aus:

Frau = 1/4 Frau+ 1/4 Gorilla + 1/2Kind

Wir eliminieren den Term „1/4 Frau“, indem wir ihn auf beiden Seiten  subtrahieren:

3/4 Frau = 1/4 Gorilla + 1/2 Kind

Wir müssen nun den Terminus „Frau“ normalisieren, indem wir ihn auf 1 Frau bringen, dazu multiplizieren wir beide Seiten mit 4/3. (Anmerkung: 3/4 * 4/3 =1, das kürzt sich weg; ebenso: 1/4 * 4/3 = 1/3 und 1/2 * 4/3 = 4/6 = 2/3, nachzulesen in Büchern der höheren Mathematik)

Wir erhalten:

Frau = 1/3 Gorilla + 2/3 Kind

Das mag nun etwas unerwartet scheinen, aber wenn wir darüber meditieren, sehen wir, dass es stimmt.

Conclusio:

Mann= 2/3 Gorilla+ 1/3 Kind,

Frau = 2/3 Kind + 1/3 Gorilla.

Naja, für eine Habilitation bei den GenderwissenschafterInnen sollte es reichen.

21
Okt
16

für ceta oder gegen ceta? – eine hochtheoretische Abhandlung

Dabei ist die Sache, wenngleich auch nur für Hochintellektuelle, zb. Standard-Redakteure, Vegetarismusbeauftragte etc. doch verständlich:

FPÖ und Hofer sind BÖSE.
Deshalb ist alles, was sie sagen, BÖSE.
Wenn man aber zu den GUTEN zählt, darf man nicht dasselbe sagen, wie die BÖSEN.

Die BÖSEN (=Hofer und FPÖ, Anmerkung) sagen:
„Wir sind gegen CETA“.

Ich darf also als GUTER nicht sagen: „Wir sind gegen CETA“.

Ich muss als GUTER das Gegenteil sagen von dem, was die BÖSEN sagen.

Also sag ich (als GUTER, Anmerkung): „Ich bin für CETA“-

-und schon weiss ich, dass ich GUT bin.
Ich habe die richtige Meinung, weil ich ein GUTER bin.

Ich habe recht.

Immer.

Wir sehen, wie lange und kompliziert diese Abhandlung ist. Nur gaaaanz kluge Menschen wie SoziologInnen oder PolitologInnen oder Gender-WissenschaftlerInnen können sie verstehen.

Zum Glück haben wir diese ExpertInnen, ich wüsste nicht, ob ich da von selber darauf gekommen wäre!

Aber selbstkritisch, wie wir (die GUTEN, Anmerkung) nun mal sind, brauchen wir auch einen Beweis für unsere Theorie:

Der Beweis:

Die Zeitungen „HEUTE“ „ÖSTERREICH“ und „Kronen Zeitung“ sind BÖSE.

Deshalb ist alles, was sie sagen, BÖSE.
Wenn man aber zu den GUTEN zählt, darf man nicht dasselbe sagen, wie die BÖSEN.

Die BÖSEN (= „HEUTE“ „ÖSTERREICH“ und „Kronen Zeitung“, Anmerkung) sagen:

„Wir sind gegen CETA“.

Ich darf also als GUTER nicht sagen: „Wir sind gegen CETA“.

Ich muss als GUTER das Gegenteil sagen von dem, was die BÖSEN sagen.

Also sag ich (als GUTER, Anmerkung): „Ich bin für CETA“.

Weil ich sage: „Ich bin für CETA“, bin ich GUT.

Die GUTEN haben recht.

Immer.

Weil ich GUT bin, habe ich immer recht.

Daher ist der Satz: „Ich bin für CETA“ richtig.

q.e.d.

17
Sep
16

hassposting

Und jetzt hassen sie alle.

Nein, natürlich hasst niemand.

Es hasst nämlich immer nur der andere, aber niemals einer selbst.

„Die Hölle, das sind die anderen!“ (nein, eben nicht)

Das wussten a) Jean Paul Sartre Leser und

b) Leute mit christlichem Background.

Nachdem aber heute beides verschwunden ist, potenziert sich die Dummheit…..

Wir sind zur Badeanstalt geworden. Wir baden in Selbstgerechtigkeit.

Je größer der Druck von aussen, desto geringer scheint die Fähigkeit, Introspektion zu üben. Marktschreier allerorten.

Was ist denn überhaupt Hass? Wie äußert er sich?

Wo ist die Grenze zwischen Hass und Kritik?

„Hass“ ist die äußerste Emotion und damit auch der härteste Vorwurf, den man einem Menschen unterstellen kann. Es ist das letzte Mittel, um besonders Niederträchtiges als solches kennzuzeichnen. Oder um selber Niedertracht zu üben.

Das H-Wort ist ein starkes konzentriertes Gift, das nur mit äußerster Vorischt angewendet werden sollte; mit Sensibilität, aber unsere verdumpfte Zeit scheint hat letztere eingebüßt. Keine Gesellschaft kann ohne Spiritualität überleben, das zeigt sich jetzt.

Der „Hass“, bisher reserviert, um das äußerste Extremum zu beschreiben, hat also, von rechts UND links, die Mitte erreicht. Alle hassen, die nicht meine Meinung haben.

Jemandem Hass zu unterstellen, ist mehr als nur ein Statement; es ist ein Urteil, ein Richtsspruch.

Was sagt Jesus dazu? „richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“

Denn tatsächlich können wir nicht in das innere eines Menschen schauen. Eine Gesellschaft freilich, die kein Innenleben mehr hat, kann zwischen Innen und Außen nicht mehr unterscheiden.

Wäre es nicht insofern besser, dieses Wort überhaupt aus Vokabular und Denken zu streichen?

Das wird aber auch nicht funktionieren, denn manches, wie etwa Gewaltaufrufe, Nationalsozialismus und Islamismus wird man sich wohl nicht anders erklären können.

Aber der nunmehr stattfindende inflationäre Gebrauch des H-Wortes, leider befeuert durch angeblich „intellektuelle“ Medien wie „derStandard“, zeugt von einer unglaublichen Verrohung und wird diese noch verschlimmern.

Es ist ein ganz schlimmes Omen, dass dieses so starke und gefährliche Wort instrumentalisiert wird, um politisches Kleingeld zu waschen.

Was kann/könnte man tun?

Vielleicht ist es ein guter erster Schritt, sich klar zu machen,  dass uns Menschen niemals ein endgültiges Urteil über andere zusteht. Dieses Urteil wird von einer höheren Instanz gesprochen. Aber diese Instanz kennt auch die Versöhnung, nein mehr noch, sie ist die Versöhnung.

Da ergibt sich ein Spannungsraum, da berechtigte Kritik immer möglich bleiben muss. Es ist nicht leicht, diese Spannung zu ertragen. Aber eben das ist die Forderung der Stunde.

Wohl kann man etwas für „falsch“ oder für „richtig“ halten, und andere Standpunkte -auch mit diskursiver Härte- zerpflücken.

Und ja, hin und wieder wird man sich auch, unter größten Skrupeln, durchringen müssen, das eine oder andere, siehe oben, als Produkt des Hasses zu kennzeichnen. Selbst dann aber darf man über die Menschen kein letztgültiges Urteil sprechen.

Dieses inflationäre, hemmungs- und maßlose Auskotzen jenes Wortgiftes aber ist metaphysische Barbarei; auch der Unterschied zwischen einem vorläufigen und einem letztgültigen Urteil verschwimmt immer mehr! Ich orte höchste Gefahr.

Die Würde des Menschen, und darin liegt unsere Hoffnung, ist zu groß, als dass sie von anderen Menschen letzgültig verurteilt und verdammt werden könnte, denn unsere Würde ist nicht in uns, sondern in Gott gegründet.

Kein menschliches Wort und kein menschlicher Gedanke kann sie erreichen.

 

 

08
Sep
16

Das Belichtungsproblem

Grau war die Nachkriegszeit, geprägt von finsteren Hofratswitwen und nichtssagenden Biedermännern, deren ständige Angst, „was wohl die Nachbarn dazu sagen“und deren höchste Moralität jene des Angepasstseins war.

Nun wird die Ursache dieses Dämmerzustandes im Nationalsozialismus gesehen, als dessen finstere Nachwirkung, von dem, so scheint es, wir uns heute langsam verabschieden. Das ist ein Irrtum. Tatsächlich ist obige Ansicht zu kurz gegriffen, viel zu kurzatmig. Eben diese Kurzsichtigkeit demonstriert aber, dass wir uns immer noch im geschichtlichen Halbdunkel befinden.

Einen ähnlichen Dämmerzustand, so finster, dass nurmehr noch Konturen zu erkennen waren, hat es auch zwischen Mittelalter und Neuzeit gegeben.

Nun ist, nach Egon Friedell, mit dem Ende des ersten (nicht des zweiten) Weltkriegs wieder ein Umbruch eingetreten, der nach Mittelalter und Neuzeit in eine dritte Zeit münden wird.

Friedell hofft, es werde sich um eine spirituelle, mystische, feinstoffliche Zeit handeln; eine Zeit des Lichts. Davon ist noch nicht viel zu sehen. Soferne aber die Gegenwart tatsächlich ein sich in Geburtswehen und allen Schmerzen der Dummheit äußernder Übergang zu einem dritten Zeitalter sein sollte, wäre seine Prognose richtig.

Tatsächlich befinden wir uns im „Sturz der Wirklichkeit„.

Die Wirklichkeit aber bedarf der Verbindung zum sinnlich-Vorstellbaren: Die Neuzeit war ein sensualistisches, rationalistisches, materielles Zeitalter. Nun aber wurde die kantianische Wirklichkeit von Raum und Zeit in der Relativitätstheorie aufgelöst (Gleichzeitigkeit gibt es nicht); die Sinnlichkeit wurde aufgelöst in der Nach-neuzeitlichen Kunst (atonale Musik, abstrakte Malerei, absurde Literatur); die Rationalität löste sich selber, in ihrem absoluten Höhepunkt, durch den Mathematiker Gödel in ein paradoxes Nichts auf (kein mathematisches System ist in sich konsistent); das Materielle löste sich in der Quantenphysik auf (Elektronen sind sinnlich unvorstellbar; mathematisch nur ausdrückbar durch Matrizen von Funktionen).

All dies schafft neuen Raum für eine höhere Wirklichkeit; sowohl in als auch ausserhalb der Naturwissenschaften. Wenn Meister Eckehart von Gott als einem „ewigen Nun“ spricht, und wir uns der Zeit, als einem unerbittlich-linearen, nicht mehr unterworfen wissen; wenn Johannes vom Kreuz die materielle Sinnlichkeit als ein Nichts darstellt und dies die Quantenphysik (aus sensualistischer Perspektive) bestätigt – dann mag das für den (immer noch nur) neuzeitlichen Menschen „neu“, „fremd“, – und beunruhigend sein.

Diese Beunruhigung zeigt sich in Extremen (auf allen Seiten), in geistiger Unzurechnungsfähigkeit; wo „Gelassenheit“ gepredigt wird, herrscht brodelnde Hysterie, wo man kritisch sein sollte, wird man ignorant, und neuerdings ortet jeder überall den „Hass“ (nur nicht bei sich selber, da nehme ich mich nicht aus).

Anders gesagt: Wir stecken mitten in einem Belichtungsproblem!

Mit „wir“ meine ich die seit nunmehr über 100 Jahren andauernde Übergangszeit, die gerade das „Neue“ und „Fremde“, das auf sie (aus ihrer eigenen Kultur!) zukommt, nur in Extremen betrachtet.

Während die graue Hofratswitwe der Nachkriegszeit dieses „Neue“ und „Fremde“ (freilich unbewußt, man hatte keine Ahnung, dass es überhaupt ein Neues ist, geschweige denn ein neues Zeitalter) als extrem unerwünscht betrachtete (kein Wunder nach der Nazizeit, da hatte genug von Experimenten, dabei war auch diese nichts anderes als ein besonders schwarzer Nebel im übergangzeitlichen Dämmerlicht) – und damit überhaupt ALLES Neue und Fremde verabscheute (als Kompensation wird der Nachbar, der ja auch fremd ist, zur höchsten moralischen Instanz erhoben)-

-sind wir nun in einer Periode, wo wir dieses „Neue“ und „Fremde“  (freilich wissen auch wir noch nicht, was dieses sein soll, die beiden Begriffe werden ja nur symptomatisch, in Ermangelung tieferer Einsicht, verwendet) als extrem erwünscht betrachten (oder jedenfalls geniert man sich, etwas anderes zu sagen).

Die Hofratswitwe beleuchtete also den Begriff „das Fremde“ so schwach, dass es ihr wie ein schwarzes Monster erschien, während wir heute überbelichten, und also nicht nur das Fremde jener neuen Zeit, sondern überhaupt ALLES Fremde, ganz egal was, käme es auch aus finstersten Vor-Zeiten, unbedingt gut zu finden haben.

Aus der Hofratswitwe und dem Bobo spricht die selbe Unsicherheit, der selbe Extremismus, nur unter anderem Vorzeichen; spiegelbildlich. Extrem ist beides, denn auch bei Überbelichtung wird das Bild unkenntlich, und nicht umsonst spricht man von „Verblendung„.

…..Neulich las ich (wieder einmal) in Thomas Bernhards „Auslöschung„. Interessant, wie wir in diesem aus den 80er Jahren stammenden Buch den Belichtungswechsel wahrnehmen können: „die deutsche Literatur…..ist Leitzorderarchitektur“….sie sei mit der französischen (also der fremden, Anmerkung des Bloggers), weit unterlegen,…..“gegen Shakespeare (den fremden, A.d.B.) nimmt sich Goethe aus wie ein Frankfurter Vorstadtdackel…“, etc.

Mit großer Intuition sah Bernhard die Notwendigkeit eines Belichtungswechsels voraus, aber auch er wußte nicht genau, was zu tun sei. Also drehte er einfach nur auf, more of the same. Darum, finde ich, ist er kein wirklich zeitloser Autor, so sehr ich ihn auch mit 20 liebte, erscheint er mir nun – um ein bernhardsches Wort zu Verwenden –abgeschmackt. Er änderte aber sozusagen nur die Amplitude, quasi die Zahl der Photonen, aber nicht deren Wellenlänge.

Und das ist auch unser Problem. Unser Licht ist ein künstliches, neonfahles; es ist nicht das Licht des Geistes. Es verblendet und macht nicht klarsichtig. Was wir brauchen, zu unserem eigenen Frieden und zum Frieden der Welt, ist das geistige Röntgen-Licht, das uns die Dinge durchschauen lässt bis auf den Grund der Moral, dass wir „zwischen den Geistern (den guten und den bösen) unterscheiden“ können.

Der Heilige Johannes v Kreuz sagt, dieses Licht aber ist über unserer Sinnlichkeit und über unserer Wahrnehmung (so, wie Röntgenlicht trotz Unsichtbarkeit Materie durchleuchtet) – und wir sind zu schwach, es zu erzeugen: Man muss es erbitten und empfängt es vom Hl. Geist.

Das soll uns nicht verzweifeln lassen, im Gegenteil: „Bittet, und es wird euch gegeben!“ Mt.7.7.

Also fangen wir schon einmal an!

 

 

 

 

 

 

30
Apr
16

heute – meines!

 
Das Heute, ihr Abgeklärten?

Heute, wo die Helden verbotener Geistestiefe verdächtigt werden, weshalb sie lieber in den Untergrund gehen, wo „Helden“sich feiern lassen, weil sie am besten im Mainstream schwimmen;

Grübler werden des Militarismus geziehen, während die eigentlichen Diktatoren von den Laufstegen aus herrschen: Wehe dem, der mehr zu sagen hat als Fetzen und Fummel: als „Feind der Toleranz“ wird er in die finsterste Verbannung verstossen, in die  Wüste des nicht-Schicken.

Mehr als grobe Schlagworte haben auf den Fetzen ohnedies nicht Platz: Die Verflachung wird als Kult gefeiert von Hohepriestern, die an Köche glauben. Sie können zwar nicht Prozentrechnen, haben aber bewiesen, dass alle Weisheit nur in Kochbüchern ist. Nur Fleisch und Materie, dessen Endzweck in der richtigen Zubereitung liegt. 

Die Dichter müssen schöne Beine haben, sonst gelten ihre Verse nichts. Sänger und Violinisten ebenso.

Wer diese Grundwahrheiten unbewusst anzweifelt, wird als „Feind der Freiheit“ vernichtet.Wer diese Grundwahrheiten bewusst ausspricht, wird als „Feind der Freiheit“ vernichtet. Unser schönes Heute, ach!

Von Fördergeldern werden die Revolutionäre erhalten, und ja, Revolution haben wir, ununterbrochen! Eine durch andauernde Sattheit verdickte und verträgte Dauer-Revolution, als zähflüssig graue Masse mit dem Alltag verschmolzen.
(Robespierre: ein dünkelhafter Oberlehrer, der die Welt mit Schulaufführungen verwechselt, dem die drei gelesenen Bücher das Gehirn verstopfen, da ihm Gedanken immer gleich zur Dogmatik werden. Wir erkennen Robespierre stets an der charakteristischen Lederjacke und den kunstvoll nicht frisierten Haaren. Freilich sind es diese drei gelesenen Bücher, die ihn voll Verachtung auf den Prolo herabschauen lassen, den er zu schützen vorgibt.)

glaub an silent cooking und du bist part of the Revolution!

Schließlich wird einem aufgetragen, sein Innerstes und eigentliches, seine tiefste Sehnsucht, eben das, was keinen Namen hat, herauf- und heraus zu würgen („würgen“ hat doch auch mit Flachheit zu tun, kommt mir jedenfalls so vor…) und es  auf die Staße zu kotzen — und endlich ein entkernter Mensch zu sein, eine Hülle ohne Inhalt.

Freilich beginnt die Hülle zu rotieren im Leerlauf, für nichts und wieder nichts, aber dafür immer schneller, bis es sie zerreisst:
Ja, der neue Kult braucht Menschenopfer! Nur dann sind die Hohepriester des Kochbuch- Kultes befriedigt, ist ihre Geilheit gestillt.“Nur wer recht hat, kann abspritzen„, sagen sie, und: „Menschenopfer? Was solls! Ihr seid entkernt! Es ist alles gleich gut!  Es ist alles gleich schlecht! Das gilt vor allem für Religionen! Also ist auch unser Kult nicht besser oder schlechter als irgend ein anderer!

Das also ist es, das ihr,

ihr Verflacher, ihr Hirn- und Herzverstopfer, ihr Kochbuch-Anbeter, ihr Arschlöcher!

Für uns bereiten wollt.
Aber die Zeit, das Jetzt, das Hier und Heute – das bin auch ich, diese Zeit ist auch meine Zeit, dieses Heute ist auch mein Heute.
Was ich tue und lasse, ist Teil dieser Zeit, auf ewig gespeichert im Lauf der Geschichte.

Jede Zeit birgt das Licht, auch wenn es nur wenige entdecken.
Ich werde in Tiefen vordringen,

an die zu denken ihr euch selber verboten habt,

und in Gefilde vorstoßen,

die ihr nicht einmal ahnt.

18
Feb
16

das Buch und die daran glauben

Man stelle sich vor, da gibt es ein Buch und hunderte Millionen, die daran glauben. Sie halten das Buch für „heilig“.

Zwar ist das Werk ein wenig seltsam, „Liebe“ kommt seltener darin vor als „Hass“, das Wort „Vergebung“ hat darin keine Chance gegen das Wort „Rache“. Im ganzen wirkt das Werk ziemlich konfus, es scheint weniger um Selbstfindung und um Erleuchtung zu gehen als um Herrschaft und Macht, die man anderen aufzwingen will.

Aber Hunderte Millionen glauben daran. Jetzt gibt es viele, die sagen, das dürfe man nicht wörtlich nehmen, das müsse man im zeitlichen Kontext interpretieren.

„Sehr schön“, denken wir uns, „dann ist die Gefahr ja gebannt. Alles Häppi-Päppi, Sonne Wonne Eierkuchen.“ Aber dann doch nicht so ganz. Viele nehmen dieses Buch nämlich wörtlich, und dann wird es gewalttätig, autoritär, antisemitisch, eine Hass- und Todesideologie.

Jetzt sagen die liberalen Vertreter dieses Glaubens: „aber das hat ja mit den Grundintentionen des heiligen Mannes, der dieses Buch geschrieben hat, nichts zu tun.“

Wenn man nun aber das Leben dieses „heiligen Mannes“ betrachtet, so sieht man, wie er ein minderjähriges Mädchen, das sich gegen seine „Liebe“ nicht wehren kann, in den Abgrund treibt; wie er Menschen, die nicht nicht dasselbe denken wie er, ermordet, wie er Krieg führt und dabei sogar Abkommen bricht – was ihn „legitimiert“ Wehrlose, die sich bereits ergeben haben, abzuschlachten…..

Leider lässt sich aber über diesen „heiligen Mann“ mit Vertretern jener Glaubensrichtung nicht diskutieren, das endet sofort im unterschwelligen Hass. Was natürlich das Vertrauen in jenen seltsamen neuen Glauben nicht gerade fördert. Da scheint es nicht gerade weit her zu sein mit der „friedliebenden“ Interpretation dieses Buches.

Nur um Missverständnissen vorzubeugen: Wir reden über Adolf Hitler und sein Buch „mein Kampf“.

Was haben denn Sie geglaubt?

Post scriptum: Wir sind von einer imaginären Zukunft, in sagen wir, 1500 Jahren, ausgegangen. Wir stellen uns vor, dass Menschen an dieses Machwerk glauben. Es wird solche geben, die dieses Buch tatsächlich als „Friedensbotschaft“ auslegen. Sollen die (andersgläubigen) Menschen nun „mein Kampf“ diesen Friedlichen zuliebe, ihre Interpretation glauben, oder soll man das Buch als das lesen, was es ist?

Gute Frage. Aber es ist ja zum Glück nur ein imaginäres Problem!

Bei dem von Hitler in den Selbstmord getriebenen minderjährigen Mädchen handelt es sich übrigens um Geli Raubal.

PPS.: Parallelen ziehen ist streng verboten! Es ist aber auch nicht nötig, das zu sagen. Schließlich leben wir in einer aufgeklärten Gesellschaft.