Gratuliere!
Man muss es einfach zugeben: Die Wortschöpfung „Verschwörungstheoretiker“ ist ein Geniestreich! Ebenso natürlich dessen Kontextualisierung: Verschwörungstheoretiker sind Wahnsinnige (im besten Fall), böse (normal), oder gar rrrechtsradikal! Ich kann nicht anders, als Big Pharma, der Hochfinanz und der Medienmacht meine Hochachtung auszudrücken.
Auf diese Logik muss man erst einmal kommen: „ALLE Verschwörungstheoretiker sind wahnsinnig. Immer. Also gibt es GAR KEINE Verschwörungen! Es hat NIE welche gegeben! Das sind alles nur Erfindungen paranoider Gehirne!“
Genial.
Wir müssen die Geschichtsbücher umschreiben!
Den zweiten Irakkrieg hat es nie gegeben! Dass die Regierung Bush die Existenz irakischer Chemiewaffen erfunden hat: ein Missverständnis! Der Tonkin-Zwischenfall? Zufall! Die großen Börsencrashes 2009? Eine Naturerscheinung! Die Bartholomäusnacht? Katharina von Medici hatte ganz einfach einen schlechten Tag! Verschwörungen? Gibt es nicht!
Oder halt, doch! Dass das Dolferl sich mit seinen Kumpanen verschworen hat, Polen zu überfallen, darf man, ja soll man sogar sagen. Wenigstens diese Scheißkerle darf man als das bezeichnen, was sie sind. Aber auch nur, weil sie einen fetten Stempel mit der großen Aufschrift „BÖSE“ auf die historische Stirn gedrückt bekommen haben. Ohne Stempel geht jedoch gar nichts. Dazu wollen wir noch kommen.
Es ist einfach großartig. Wer neuerdings Verschwörungen aufdeckt, sei es ein investigativer Journalist, ein Insider oder einfach ein nach Gerechtigkeit suchender Mensch, bekommt ganz einfach das Schild „Verschwörungstheoretiker“ umgehängt, und die Sache ist getan. Den Rest erledigt der Pöbel.
Will man Korruption, Lobbying oder Kriegsverbrechen ungestört betreiben, definiert man es einfach als „Verschwörung“, und schon gibt es das nicht mehr, weil ja die Theorien hierüber „wahnsinnig“ und die Menschen, die hier fragen, zweifeln, nachforschen, „rechtsradikal“ sind. Fertig, Problem erledigt! Es ist wirklich eine der genialsten propagandistischen Waffen, die je geschaffen wurden. Man kann nicht anders, als die Intelligenz derer zu bewundern, denen das eingefallen ist.
Die Antifa macht Werbung für Big Pharma, während die eigentlich „Linken“ als Rechte punziert werden! Noch nie war es leichter, Finanzverbrechen im großen Stil zu begehen, da jeder, der dies aufzeigt, automatisch zum moralischen Abschaum degradiert werden kann. Während in früheren Zeiten zumindest jene Intellektuellen, die auf die Verschwörungs-Aufdecker reflektierten, also jene die diversen Möglichkeiten in Betracht Ziehenden, in Ruhe gelassen wurden, gilt heute jeder als kontaminiert, der sich nicht sofort von der Irrlehre lossagt: Das nenne ich mal eine Seuche! Die jahrelange Polarisierungs- und Verdummungsarbeit hat sich ausgezahlt!
Wie genial muss ein Propagandalabor sein, das einen solchen Virus -aus einem Wort bestehend!- in die Welt setzen kann?
Wie aber konnte dieses demagogische Meisterwerk gelingen?
Ich sehe zwei Gründe, zwei „Stützen“:
Erstens: Durch Nivellierung des intellektuellen Anspruchs,
zweitens: Durch Vernichtung des metaphysischen Moments.
Zu Punkt eins: man rede dem Pöbel ein, dass er intellektuelle „Elite“ sei. Dann rede man ihm ein, dass man nur dann „Elite“ bleibe, wann man stets die Meinung der allgemeinen „Elite“ habe. Wer stellt diese allgemeine Meinung dar? Die Massenmedien! Früher hat man dem „dummen“ Volk gesagt, dass es dumm sei und das Maul zu halten habe. Diese Taktik war zwar simpel, sie hat aber einen großen Teil der Bevölkerung ruhig gehalten. Die „Kronen Zeitung“ gab es fürs Volk, die „neue freie Presse“ für den Hörrn Hofrat und seine werte Frau Gemahlin. Das hat aber doch eine gewisse Emanzipationsbewegung hervorgerufen, die freilich auch nicht willkommen war. Um nun diese emanzipierten Schäflein, die ihren (mehr oder weniger intelligenten) Senf beisteuern wollten, wieder auf Schiene zu bringen, hat man ihnen also eingeredet, zur Elite zu zählen. Freilich unter den oben genannten Voraussetzungen. das österreichische Zentralorgan hierfür war und ist der „Standard“, aber eigentlich darf man jedes Massenblatt dazu zählen. Die Antifa als intellektuelle Ketten- und Führhunde, deren trefflich konditionierter Beißreflex alles beißt, was man ihnen als Gegenteil von „links“ unter die Nase hält.
Zu Punkt zwei: Wo das feine Gewebe des Metaphysischen fehlt, verschwimmt die Grenze zwischen Gerechtigkeit und Unrecht, zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Freiheit und Sklaverei und letztlich zwischen Gut und Böse. Der sich in wissenschaftlicher Pose („I believe in science!“) produzierende Atheismus ist ja doch nichts als eine (willkommene) Vergröberung und Verdummung. Diese Grobheit bedarf zur moralischen Selbstbefriedigung des Moralinsauren, zur Validierung von Gut und Böse aber des groben, eindeutigen Aufdrucks.
Womit wir wieder beim „Stempel“ wären: Erst, wenn etwas als eindeutig böse abgestempelt ist, darf man Verschwörungen vermuten. Vorher nicht. Also: Nazi-Verschwörungen darf es geben, Pharma-Verschwörungen allerdings nicht, weil: Die impfen uns ja!
Sehr geschickt ist hier auch die Mischung aus Tolerantismus und Vergröberung implantiert, denn diesen Stempel traut sich kaum ein Vertreter des elitären Pöbels zu zücken. Nur so lässt sich das Paradox erklären, dass die elitäre Masse in trägstem Relativismus zwar „eh alles“ (vor allem Weltanschauungen) für „gleich gut“ hält, zugleich aber bezüglich eines eigentlich auf wissenschaftlicher Ebene zu führenden Diskurses (siehe mRNA, PCR-Tests, etc), mit inquisitorischem Geifer reagiert und hemmungslos in „gut“ und „böse“ einteilt.
Stempeln darf nur die Masse als Gesamtheit, oder was man dafür hält. Die moralische Validierung, die IMMER Sache des Einzelnen sein sollte, ist so zu den Massenmedien ausgelagert worden, die wiederum ihre Stellung missbraucht. Wer den metaphysischen Background nicht hat (oder: sich nicht schenken lässt!), der ist sich seines eigenen Wertekompasses unsicher, der muss sich seine moralischen Bewertungen von anderen vorkauen lassen. Ein solcher Mensch wird aber auch vergröbert sein, so dass er nichts anderes als den Stempel am Gehirn versteht, wo aber vielmehr eine differenzierte Beurteilung, die sich darob aber des Urteils-Moments, der eigenständigen moralischen Validierung, nicht schämt, vonnöten wäre.
Dass etwa diese „Philanthropen“ ihr Werk tatsächlich in „gutem Willen“ tun, weil sie nicht wissen, wohin mit ihren Milliarden, aber ihr guter Wille, in der zweiten Schicht darunter, darin fußt, auch ein wenig von der eigenen Macht spüren zu wollen, um sich an ihr zu befriedigen. Dass aber „befriedigen“ nur die tierische Variante des Friedens ist, scheinen sie nicht mehr zu wissen.
Obgleich ich also die Genialität des Wortes „Verschwörungstheoretiker“ rundheraus anerkenne, muss ich doch sagen, dass dessen Kontextualisierung gegen mich, gegen meine Lieben, gegen mein Land und gegen die ganze Menschheit arbeitet. Weshalb ich sage:
I take pride in the words: „Ich bin ein Verschwörungstheoretiker!“